graziös

Vollgestopft überqueren wir wieder die Mur und schlendern durch die Innenstadt, betreten so manches Geschäft, ich knabbere an einer Pita und wir gucken auf die vielen hübschen Fassaden.
Am Abend schließlich wollen wir nochmal lecker Essen gehen und blöde wie ich bin, schaue ich online nach einem guten Lokal. Natürlich kann man dem ollen Internet mal wieder nicht trauen, denn das Essen schmeckt nicht besonders, die Bedienungen kriegen auch nichts auf die Reihe und der Spaß kostet auch noch ein kleines Vermögen.

Am frühen Abend dann fahren wir mit den Öffentlichen zurück in unser Hotel, lassen den Abend ausklingen und gehen zeitig zu Bett. Morgen nämlich möchten wir meinen Wanderführer im Ötztal besuchen. Wie ich das mit ihm ausmachte, habe ich versäumt mal auf die Landkarte zu blicken. Österreich ist schließlich ein kleines Land, wie weit kann das Ötztal schon von Graz entfernt sein?!
Wie sich dann herausstellte, – weit genug um dafür 7 Stunden Fahrtzeit einzuplanen. Der Umweg nach Hause ist zwar überschaubar, aber mit so viel Fahrerei hatte ich nicht gerechnet.

Am Morgen dann klingelt der Wecker, wir packen zusammen und plündern ein letztes Mal das Buffet und sehen uns dann schon im Kadett wieder. Auf ins Ötztal!

steiermark

Wir waren gestern Abend noch eben in einem Einkaufszentrum, haben ein paar Besorgungen erledigt und sind dann hundemüde ins Bett gefallen.
Nun sitzen wir am Frühstückstisch, ergötzen uns am etwas mageren Buffet und fahren nun in die Innenstadt – Graz erkunden. Mit der S-Bahn geht es vom Hotel zum Hauptplatz und schon stehen wir vorm Schloßbergstieg. Den möchten wir aber nicht erklimmen und stattdessen mit der Schloßbergbahn hinauf fahren. An der Talstation dann die Ernüchterung – wegen Revidierung geschlossen. So ein Pech. Alternativ kann man auch mit dem Lift im Berg hinauffahren – aber das ist uns dann doch zu langweilig.

So erklimmen wir den Schloßbergstieg. 260 Stufen führen von unten hinauf zum Uhrturm, gebaut wurde er 1914-1918 von österreichischen Pionieren und russischen Gefangenen, weshalb man ihn weitläufig auch Russenstieg nennt. Oben angekommen bietet sich ein herrlicher Blick über die Dächer von Graz und die Sonne brennt uns auf den Kopf. Zeit für etwas Nahrung. Auf dem Schloßberg wollen wir nichts essen – ist schon sehr überlaufen hier oben und so stolzieren wir wieder hinab, überqueren die Mur und besichtigen die Mariahilferkirche.
Bei einem Italiener um die Ecke verköstigen wir Salat, Pasta und Profiterol – das sind italienische Windbeutel mit ungebührlich viel Schokolade!

ländereck

Der Balaton liegt hinter uns, auf nach Slowenien! Unser nächster Halt ist zwar erst in Österreich geplant, aber einen Stopp in Lendava kann ich mir nicht verkneifen. Wir brausen durch die Weinberge und kommen schließlich am Vinarium Tower an – den hat man einfach auf eine Anhöhe umgeben von Weinreben gestellt. Sicher hat man eine fantastische Aussicht von dort oben – uns ist das nun aber nicht sehr geheuer wegen der vielen laustarken Kinder. Muss nun nicht sein, also genießen wir das Panorama von unten und fahren nochmal ein Stück weiter.

Wir finden ein Schloss und die Front vom Tal aus sieht vielversprechend aus – oben angekommen entpuppt es sich als Galerie und auch weitaus weniger schön wie erwartet. Den Eintritt sparen wir uns jetzt, auf Kunst habe ich ohnehin keine Lust und endlich steuern wir unser eigentliches Reiseziel an.

Ein gutes Stück weiter kommen wir in Graz an und wir nutzen den schönen Nachmittag für einen Besuch beim Schloß Eggenberg. Das liegt nämlich etwas außerhalb von Graz und ist zu Fuß für unsere müden Beine nun nicht zu erreichen – unser Hotel nämlich liegt am anderen Rand der Stadt. Der schöne Schlosspark lädt ein zum verweilen und das tun wir jetzt auch. Ich bespaße die freilaufenden Pfauen, gucke auf Enten und allmögliches Grünzeug. Besonders das barocke Schloss gefällt mir sehr gut und so dauert es ein wenig bis ich mich sattgesehen habe. Nur das Archäologiemuseum ignorieren wir – bei dem herrlichen Wetter möchte ich nun nicht in den alten Gemäuern herumhängen und stattdessen spazieren wir durch den Park, bis wir schließlich unser Hotel aufsuchen.

ungarn rumfahrn

Heute checken wir aus und kehren Budapest den Rücken. Es geht auf die Autobahn auf direktem Wege zum Balaton. Am Südufer in Szántód machen wir Halt und erkundschaften das Städtchen nach Essbaren. Wie erwartet hat allerdings alles geschlossen, hier am Balaton wirkt trotz des sommerlichen Wetters alles wie ausgestorben. Spazieren wir halt ein bisschen und starren aufs Wasser.
Anschließend fahren wir ins nahegelegene Balatonföldvár. Hier gibt es am Ufer ein Museum der Schifffahrtsgeschichte auf dem Plattensee und einen Aussichtsturm. Wenn man denn 5€ Eintritt berappt, informieren einen die vielen Infotafeln und Ausstellungsstücke über das bunte Treiben auf und in dem See. Es gibt auch eine Menge zum anfassen – für Kinder ists sicher ganz nett. Wir erklimmen den Aussichtsturm und glotzen auf die Umgebung herab. Nett hier. Aber irgendwie so trostlos mangels umherwuselnder Menschen. Natürlich sind wir auch die einzigen Gäste und auch sonst begegnet uns kaum ein Mensch.

Die alltägliche Fütterung haben wir jetzt völlig verschwitzt und mangels Alternativen soll es zum McDonald’s gehen. Den finden wir auch schnell und stehen vor geschlossenen Türen. So wie das hier ausschaut, wurden schon lange keine Burger mehr gebraten. Direkt gegenüber ist aber ein Pizzalieferdienst. Essen wir eben italienisch und werden nicht gekränkt – schmeckt vorzüglich und das Personal ist unglaublich freundlich. Bestimmt sind sie froh mal wieder jemand anderen zu sehen als sich selbst.

fußlahm

Wir spazieren noch etwas durchs jüdische Viertel und wagen dann einen Blick ins berühmte Café New York. Es ist ein prunkvolles Kaffeehaus aus der Gründerzeit Budapests. Prunkvolles Dekor trifft hier leider auf große Menschenmassen und so lasse ich ein wenig den Blick durchs Café schweifen, ehe wir wieder von dannen ziehen. Kaffeetrinker bin ich ohnehin keiner.

Nun geht es zurück in Richtung Donau, meine Gattin möchte Strumpfhosen erstehen. Ich benötige keine und stehe derweil schicklich im Modegeschäft herum. Anschließend gehen wir zum Budapest Eye – ein 65m hohes Riesenrad mit toller Aussicht auf die Innenstadt und so manche Sehenswürdigkeit. Wir haben zwar schon nahezu alles gesehen, aber Riesenrad bin ich schon seit vielen Jahren nicht mehr gefahren und los ist auch nichts, sodass wir nach kurzer Wartezeit schon an der Reihe sind. Drei Runden bewältigen wir in luftiger Höhe und beschließen dann Budapest allmählich ausklingen zu lassen.

Ehe wir unser Hotel aufsuchen, machen wir noch Stopp an der Großen Markthalle. In der vor über 120 Jahren errichteten Stahlkonstruktion sind auf drei Geschossen über 180 Marktstände untergebracht. Zu unserem Glück schließen die Geschäfte bald und so erwerbe ich nur einige Chilis und etwas Paprikapulver um mir mein Essen zu schärfen. Wir schlurfen über die Freiheitsbrücke und finden wie so oft nichts zu Essen. Bei zwei schleckigen Hitzköpfen ist das auch nicht immer einfach. So trifft es sich ganz gut dass unser liebgewonnenes Restaurant ganz in der Nähe ist. Wieder werden wir pappsatt, alles schmeckt fantastisch und nach 25km Fußmarsch ist unseren Beinen nach Schlaf zumute.

goldener herbst

Beim Japaner um die Ecke vertilgen wir allerlei Allerhand und pilgern dann an die Donau. Hier am Ufer stehen rund 60 Schuhpaare zur Erinnerung an die Pogrome an Juden durch Pfeilkreuzer in Ungarn während des zweiten Weltkrieges. Ein schönes und nicht minder bedrückendes Holocaustmahnmal, das nicht auf den ersten Blick verrät welches Geschehen dahinter steckt. Man geht von über 3000 Opfern aus, die hier an die Donau getrieben und erschossen wurden. Die Pfeilkreuzer standen den Idioten aus dem dritten Reich in nichts nach und wurden von eben diesen auch unterstützt. Immer wieder erschreckend, wie grausam Menschen denn sein können.

Etwas weiter werfen wir dann einen Blick auf das Parlamentsgebäude auf der Seite von Pest. Architekt des im neogotischen Stil errichteten Gebäudes war Imre Steindl und nach rund 20 Jahren Bauzeit wurde man endgültig fertig, – Steidl aber konnte sein vollendetes Werk nie sehen. Er erblindete noch vor Vollendung des Parlamentsgebäudes. So umrunden wir den Bau und marschieren dann ins jüdische Viertel. Ich möchte mir eine der Ruinenbars ansehen – vermutlich keine gute Idee, aber wenn man schon mal hier ist.

So gehen wir in die vermutlich bekannteste der Ruinenkneipen und wie ich vermutet habe, ist das mittlerweile auch nichts anderes mehr als der übliche Hipsterkommerz, den man überall findet. Die Häuser der Ruinenkneipen gefallen mir tatsächlich sehr und auch die Idee, welche vor zwanzig Jahren die Kneipen entstehen ließ ist toll. Geblieben scheint davon aber nichts mehr zu sein. Genervte Barkeeper, teure Getränkepreise, gezwungene Kunst und Unmengen Touristen locken heute in die überall gefeierten Ruinenkneipen. Einen Wodka genehmige ich mir trotzdem, wir sehen uns den Gebäudekomplex an und verschwinden dann schnell wieder.