Archiv der Kategorie 'unterwegs'

der lebensabend

Nachdem wir uns am reichhaltigen Frühstücksbuffet vollgeschlagen haben, meistern wir die Himmelsleiter an der Steilküste zur Ostsee. Sie überwindet rund 30 Höhenmeter und ist entsprechend steil – auf ihr gelangt man direkt zur Seebrücke von Sellin. Mit fast 400 Metern ist sie die längste Seebrücke Rügens und blickt zurück auf turbulente Zeiten. Brände und Packeis zerstörten die Seebrücke samt Restaurant immer wieder und erst 1992 wurde sie in ihrer heutigen Form wiederaufgebaut.

Wir watscheln einmal drüber und gehen dann zielstrebig an den Strand. Wir wollen ein wenig Rentnerurlaub und den bekommen wir auch – so laufen wir ein paar Stunden am Strand entlang und genießen das herrliche Wetter. Die Sonne scheint, befingert den Sand und es weht kaum ein Lüftchen – von wegen Herbst! Wir laufen bis zum Ostseebad Baabe und verwöhnen uns dort mit Glühwein und Kaffee. Der Rückweg steht uns schließlich noch bevor.

Zurück in Sellin schlendern wir durch die Wilhelmstraße mit ihren prächtigen Häusern aus der Ursprungszeit der Bäderarchitektur. Anfang der Neunziger wurden nahezu alle Villen aufwendig restauriert, stehen heute prachtvoll in Reih und Glied und warten auf Besucher. Jetzt im November ist hier zwar nicht allzu viel los, aber immerhin hat eine Hütte mit leckeren Fischbrötchen geöffnet. Schmeckt fantastisch und macht Appetit auf unser Abendessen. Davor trinken wir noch einen schnellen Cocktail und schlagen uns dann beim Mexikaner um die Ecke die Leiber voll.
Zurück im Hotel machen wir noch Gebrauch der Sauna und des Dampfbades und fallen dann auch schon zu Bett. Morgen möchte ich etwas weniger Rentnern und habe da auch schon einen Plan.

spätsommerausflug

Heute hole ich meinen Kadett aus der Werkstatt – vor ein paar Tagen nämlich haben ein paar Missetäter sich an meinem Auto zu Schaffen gemacht. Zwei eingeschlagene Scheiben, beide Spiegel weggetreten und die Kennzeichen haben sie mir auch abgerissen. Die Heckscheibe wurde fix erneuert, Spiegel habe ich noch jede Menge herumliegen und statt einer neuen Seitenscheibe gab es eine komplette Tür aus dem Fundus von Herrn O. Die holte ich vorgestern bei ihm zu Hause und wie üblich war noch ein bisschen Zeit für einen Plausch. Wie sich herausstellte hatten wir uns locker zwei Jahre nicht gesehen. Die Zeit rennt.

Jetzt wo der Kadett wieder dasteht wie neu machen wir uns direkt auf den Weg zu einer kleinen Ausflugswoche. Die J. hat einen Termin in Berlin und ich hab noch ein wenig Handelsgut für Herrn S. im Kofferraum. Am Abend kommen wir südlich von Berlin an und beziehen direkt unser Hotel – genug für heute.
Wie der neue Tag erwacht begleite ich eben Frau J. zu ihrem Termin und fahre dann zu Herrn S. – der erwartet mich bereits und zusammen lümmeln wir herum, bespaßen seinen Hund und begleiten anschließend noch Herrn B. – der möchte seinen Benziner gegen einen alten Diesel eintauschen. Angesichts der jüngsten Geschehnissen ein guter Plan.

Irgendwann trennen wir uns dann und ich fahre noch eben in die Sonnenallee und sehe mir die Tankstellenruine an. Seit 1938 befand sich hier eine Tankstelle und blieb bis in die Neunzigerjahre bestehen, bis der Betrieb schließlich eingestellt und wurde und das Gebäude bis heute so vor sich hinvegetiert. Anschließend hole ich die J. ab und gemeinsam stehen wir im Stau – nichts wie weg aus diesem schäbigen Berlin. Unser nächstes Ziel liegt nun ein paar Autobahnstunden entfernt und führt uns nach Nordosten. Ein paar Stunden später stehen wir in der berühmten Wilhelmstraße am Ostseebad Sellin auf Rügen. Unser Hotel liegt hier direkt am Kopfe der Straße mit Blick auf die Ostsee und die Seebrücke.

messeiwahn in marxzell

Mein nächstes Ziel bringt mich nach Marxzell bei Karlsruhe. Hier gibt es seit 1968 das Fahrzeugmuseum Marxzell – ein privates Verkehrs- und Technikmuseum mit fast 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Schon bei meiner Ankunft staune ich nicht schlecht. Rund um das ehemalige Sägewerk wo das Museum untergebracht ist, stehen sich Lokomotiven, Straßenbahnen und diverse Autos die Füße platt. Alles wirkt ein wenig unaufgeräumt und sich selbst überlassen. Genau so wie es mir gefällt.

Im Jahr 1958 begann Bernhard Reichert ein Fahrzeugmuseum aufzuziehen und landete damit schließlich 1968 in Marxzell – der inzwischen verstorbene Sammler weiß das Museum aber in guten Händen und so kümmert sich seine Familie bis heute darum. Ständig kommen neue Exemplare dazu und es wird eifrig gewerkelt.
Im Außenbereich finde ich sogar tatsächlich einen Waggon der Bergbahn aus Karlsruhe-Durlach. Erst vor Kurzem sind wir mit der neuen gefahren und die alte hat wohl hier ihre letzte Ruhe gefunden. Schon etwas zugewuchert und vereinsamt steht sie nun neben allerlei anderen Krempel.

Im Museum selbst haut es einen beinahe aus den Latschen. Ausnahmslos alles ist vollgestopft bis in die letzte Ritze. Neben ca. 140 Autos gibt es unzählige Zweiräder, Traktoren und alles, das irgendwie alt und nett anzusehen ist. Reizüberflutung wird hier neu definiert. Die Exponate sind anders wie in vielen anderen Museen auch nicht hochglanzpoliert und kaputtrestauriert, sondern oftmals reparaturbedürftig und schön patiniert. Auch lassen sich sehr viele ungewöhnliche Fahrzeuge entdecken und das Herumirren macht eine Menge Spaß.
Wie ich mich irgendwann dann doch sattgesehen habe, suche ich das Weite und fahre nach Hause.

kraftwagentag

Frau I. täte gerne ihr Auto wieder in Empfang nehmen und ich sehne mich nach dem Kadett. Also geht es heute wieder in die Pfalz. Natürlich nicht ohne einen kleinen Umweg.
Die A8 fällt mir heute mal wieder besonders zu Last – Stau wohin das Auge reicht. Ich hasse es. Genervt komme ich schließlich in Gaggenau, nähe Rastatt, an. Dort gibt es seit 2006 ein Verkehrsmuseum, welches sich dem allradgetriebenen Unimog widmet.

Ich finde den Unimog als Reisemobil generell ziemlich cool, kann aber ansonsten nicht so viel damit anfangen. Im Museum werden diverse Fahrzeuge, deren Einsätze und die Geschichte ausgestellt. Die Mitarbeiter erklären und zeigen Dödeln wie mir auch alles ganz geduldig und es macht Spaß den erfahrenen Unimoggesen zu lauschen. Im Außenbereich des Museum gibt es auch einen Parcours, wo man als Beifahrer den Unimog auf seine Fähigkeiten testen kann. Ich meine zu glauben, dass es auch möglich ist sich selbst ans Steuer zu setzen. Ich aber lass das sein, gucke aus sicherer Entfernung zu und bummel dann noch ein wenig durch den Außenbereich und den Museumsshop, ehe ich mich vom Acker mache.

In Gaggenau esse ich noch eben zu Mittag und fahre dann in die Pfalz, lade geschwind einiges Zeugs um, halte einen Plausch mit Frau I. und fahre dann wieder zurück in den Süden.
Nicht weit vom Unimog Museum gibt es nämlich noch ein Museum, das ich gerne sehen täte. Die Öffnungszeiten wirken wie abgestimmt, denn es macht nun erst auf und mein Timing ist perfekt.

trippin‘

Wir haben heute in der Pfalz zu tun, kommen mittags tiefenentspannt an und gehen am Abend zum Griechen um die Ecke – morgen soll’s dann früh aus den Federn gehen und so verschwinden wir schon zeitig in den Federn. Noch am Frühstückstisch verabschiede ich mich und begebe mich in den Kadetten.
Herr P. nämlich hat spitzbekommen dass ich in der Pfalz mein Unwesen treibe und hat gemeint, ich könne ja vorbeikommen. Klingt vernünftig und so trennen uns nur noch 140km. Herr P. wohnt im Saarland nahe der Grenze zu Luxembourg – dort angekommen zischen wir ein Bierchen, reden dummes Zeugs und er zeigt mir bei der Gelegenheit direkt sein neues Haus und die kleine Fahrzeugsammlung. Die Vorfreude auf unsere kleine alljährliche Rallye im Dezember wächst enorm – schön auch Herrn P. mal wieder außerhalb des Trips zu sehen.

Nun fahren wir noch rüber nach Luxembourg – der Tank vom Kadett ist eh leer und wird nach der Grenze direkt aufgefüllt. Das freut den Geldbeutel. Nahe Remich fahren wir noch auf einen Berg und genießen die tolle Aussicht auf das Moselgebiet und genießen die wohltuende Sonne. Für einen rundum gelungenen Tag fehlt eigentlich nur noch ein Döner, sodass wir rüber in die Pfalz fahren und fürstlich dinieren. Auf dem Rückweg zum Haus kommen wir noch an einem Straßenflohmarkt vorbei und wie das immer so ist, kaufe ich manchen Trödel. Wer weiß wozu der gut sein kann.
In der Garage von P. gibt’s noch ein Radler und dann geht es für mich zurück in die Pfalz.

Dort angekommen parkiere ich den Kadetten und übernehme das Auto von Frau I. – da sind einige Sachen zu machen und so nehme ich ihn mit zu mir. Sollen sich Leute drum kümmern, die Ahnung davon haben. Spätabends kommen wir schließlich zu Hause an und ich vermisse meinen Kadetten jetzt schon ein bisschen.

energieträger erschöpfen

Auf ins Ötztal? Das ist leichter gesagt als getan. Nördlich von Graz nämlich hat vor Kurzem ein LKW in einem Tunnel gebrannt. Dieser muss nun saniert werden und dafür ist er gesperrt. Die Umfahrung kostet Zeit und auch der Weg bis Salzburg zieht sich enorm. Zu allem Pech müssen wir auch durch das deutsche Eck und müssen durch die noch immer aktive Grenzkontrolle zu Deutschland. Hat dieses dämliche Bayern noch immer nicht kapiert, dass ihr affiges Getue nichts weiter bringt, außer dass ich ständig hier im Stau stehe?! Freie Fahrt für freie Bürger, ihr Hinterweltler!

Wie wir irgendwann durchkommen geht es direkt wieder südwärts nach Innsbruck und dann nach Längenfeld. Seit einigen Jahren lebt Herr O. samt Freundin J. hier und seit meinem letzten Besuch ist es sehr viel ernster geworden. In Kürze beziehen die beiden ihre Eigentumswohnung und Herrn O. verstehe ich beinahe nicht mehr. Der Dialekt lässt keinen Zweifel – das ist kein Deutscher mehr! Der ist nun in Österreich vollintegriert und kann nie mehr zurück.

Gemeinsam gehen wir zum Italiener, haben uns einiges zu erzählen und futtern ganz vorzüglich. Im Anschluss ist auch noch etwas Zeit für einen Verdauungsspaziergang und so finden wir uns auf der Längenfelder Hängebrücke wieder, gucken ein wenig ins Tal und gehen dann zurück zum Auto. Ein Stück weiter steht bereits die neue Wohnung, schon bald bezugsfertig und wird nun von uns besichtigt. Nun auch mit Gästezimmer, sodass wir in Zukunft öfter kommen können!
In der alten Wohnung gibt’s dann noch Kaffee – ich trinke sogar einen Espresso – und dann verabschieden wir uns auch schon wieder. Vor uns liegt nun noch der Fernpass und ein wenig Autobahn, sodass wir planmäßig am späten Abend in unser heimisches Bett fallen können.