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toursitenfalle

Anstatt in Rijeka Futtern zu gehen, fahren wir noch ein Stück weiter der Küste entlang bis nach Opatija. Auf meinen Karten sah das Städtchen ganz süß aus, aber als wir ankommen entpuppt sie sich als waschechte Touristenhölle. Die Straßen sind voller Menschen, alle wurschteln sich entlang der Promenade und plündern die Eisdielen. Fürchterlich anzusehen und auch sonst bietet die Stadt kaum Sehenswertes. Die Küste wird gesäumt von kitschig anmutenden Hotels und wir fühlen uns horrend unwohl.
Zum Glück aber finden wir ein grandiosen Restaurant und schlagen und so richtig die Magen voll um im Anschluss noch ein Eis zu snacken. Dann aber wirklich nichts wie weg hier!

Zurück in Rijeka spazieren wir noch ausgiebig durch den Hafen und verabschieden uns allmählich von der wirklich schönen Stadt, natürlich nicht ohne uns nochmal bei McDonald’s zu stärken!
Am nächsten Morgen dann wollen wir zeitig los und ich verständige unsere Gastgeberin dass wir auschecken wollen. Sie eilt direkt herbei und wir sagen Tschüss. Durch Slowenien, den Karawankentunnel und die Tauernautobahn geht es nach Hause und zu meinem Erstaunen geht es zügig voran. Lediglich an der deutschen Grenze ist mal wieder Chaos. Noch immer wird die gesamte Autobahn zweispurig durch Grenzkontrollposten geschleust und entsprechend lange sind die Staus. Denen Deppen muss bei Gelegenheit dringend jemand vom Schengenabkommen erzählen!

herumwalden

Heute frühstücken wir mit Blick auf das Meer in einem Restaurant und dann geht es etwas ziellos an der Küste entlang gen Norden. An einer Bucht schlendern wir etwas am Meer entlang und genießen das weite Blau, bis es weiter geht. Ein wenig ins Hinterland, sicher schön dort. Zuerst fahren wir nach Klana zum Kastell Gradina. Hier finden wir eine hübsche Burgruine hoch oben auf dem Berg mit Blick auf die Täler. Die Burg wurde im 14. Jahrhundert errichtet und wurde letzten Endes im 19. Jahrhundert bei einem verheerenden Erdbeben zerstört. Die guten Gesteine wurden schnell abgetragen und für neue Bauten verwendet, sodass heute nur noch einige Überreste hier im Walde herumstehen und sich zu Tode langweilen. So vertreiben wir uns hier ein wenig die Zeit, gucken auf die alten Gemäuer und genießen die Sonnenstrahlen, ehe es weiter geht.

Unser nächstes Ziel ist Dražice – in der Hoffnung hier auf Nahrung zu stoßen. Sämtliche Restaurants haben aber geschlossen und wir gucken in die Röhre. Auf einem Berg erspähen wir aber eine weitere Burg und dort oben soll es auch ein Restaurant geben. Also hinauf mit uns.
Angekommen blicken wir auf eine recht hübsche aber auch ziemlich restaurierte Burg, erbaut im 15. Jahrundert und immer wieder erweitert, aus ehemaligen Besitz der Familie Frankopan. Heute ist hier eine Bar untergebracht, zu Essen gibt es natürlich nichts. Bei Bier und einer heißen Schokoladen spielen wir direkt am Kamin ein wenig Karten und begeben uns dann langsam auf den Rückweg, aber natürlich nicht ohne noch einen Stopp zu machen.

Nördlich von Rijeka befindet sich nämlich ein Stausee, welchen die Rječina unaufhörlich speist. Zu sehen gibt es leider nichts, denn das Areal ist weiträumig umzäunt und ich nutze die Gelegenheit eine alte Verbindungsstraße der Landstraße 5017 und 5055 zu erkunden. Durch Erdrutsche ist sie irgendwann unpassierbar geworden und fröhnt heute ihr Dasein als Fußgängerweg, während die alten Leitplanken munter vor sich hinrosten. Schööön.

krk & trsat

Nun schlendern wir noch etwas durch die Stadt Krk auf der gleichnamigen Insel. Vorbei am Kastell von den Frankopanen geht es durch die Altstadt und anschließend etwas an der Promenade entlang, bis sich wie so oft Hunger breit macht. In einem kleinen Restaurant in der Altstadt werden wir ganz herrlich satt und verlassen anschließend die Insel. Zurück auf dem Festland wagen wir noch einen kurzen Blick in eine Burg nahe Kraljevica, schlendern durch einen Campingplatz zu einem winzigen Leuchtturm und machen uns dann schließlich auf den Rückweg nach Rijeka.

Hier habe ich nämlich noch einen Lostplace ausfindig gemacht und täte mich ganz gerne einmal umsehen. Angekommen staune ich nicht schlecht – vor 150 Jahren entstand hier eine der größten Papierfabriken Europas und das Areal ist rießengroß und steht schon seit vielen Jahren leer. In einigen wenigen Gebäuden ist noch Leben und ansonsten haben hier Vandalen und Künstler schon ganze Arbeit geleistet. Auch findet in einem der Gebäude seit vielen Jahren ein Tecnofestival statt.
Wir schlendern ein wenig durch die Hallen, sehen uns um und marschieren auch auf den Berg, von wo man einen tollen Ausblick auf das Areal und die Rječina hat.

Weil die Sonne noch ganz herrlich scheint, geht es für uns direkt weiter auf Trsat – auf dieser Anhöhe liegt östlich der Rječina und von oben kann man die gesamte Bucht Rijekas überblicken. Die Festung darauf hat irgendwie nicht sehr viel Charme, ist sehr touristisch, hält aber immerhin einen grandiosen Ausblick parat. Hier verbringen wir den aufkeimenden Abend, lümmeln im Park herum und nach ein paar Burgern in einer kroatischen Fastfoodkette geht es dann zu Bett.

meergucken

Kurzer Blick aus dem Fenster – ööhm, das Wetter könnte besser sein. Noch scheint es trocken, aber die Wolken verheißen nichts Gutes. Ist aber irgendwie auch egal, wir sind ja nicht aus Zucker. Also geht es etwas außerhalb Rijekas ans Meer. Ganz schön raue See heute und so dauert es auch nicht lange, bis uns eine Welle erwischt. Pitschnass ziehen wir von dannen und fahren einfach ein kleines Stück weiter in den Süden. Die Küstenstraße ist wirklich wunderschön zu fahren und jetzt wo nichts los ist, macht es sogar herrlich viel Spaß. Als ich zuletzt vor vielen Jahren hier im Sommer war, fand ich das kaum erträglich.

Schließlich stehen wir vor der Krk-Brücke und fahren einfach mal drüber. Die Fahrt kostet rund 5,-€ und der Rückweg ist dann sogar inbegriffen. Ich möchte mir die Altstadt von Vrbnik ansehen und schon der Weg dorthin macht tierisch Spaß. Angekommen schlengeln wir durch die Stadt und parken irgendwo direkt am Meer um zu Fuß das kleine Dörfchen zu erkunden. Die Altstadt ist wahnsinnig gut erhalten, die Gassen sind herrlich verwinkelt und menschenleer. Die Klancic sogar gilt als schmalste Gasse der Welt, an ihrem engsten Punkt ist sie lediglich 43cm breit und ich muss sogar meinen Wanst etwas einziehen. Gerüchten zufolge müssen besonders Frauen hier aufpassen, denn es heißt wenn eine Frau steckenbleibt, findet sie niemals einen Mann. Da ist sicher was dran und zu Frau Doppel-E’s Glück passt sie gerade so durch, sodass sie nicht als alte Jungfer sterben muss.

In einer urigen Kneipe stärken wir uns noch eben mit Sandwiches und Getränken, ehe wir langsam zurück zum Auto torkeln und mal sehen wo es als nächstes hingeht. Die Regenschirme wurden bisher übrigens kaum gebraucht, von wegen Dauerregen!

rijeka

Nun bahnen wir uns den Weg in unser Hotel, das liegt mitten in der Altstadt, direkt an der Ausgrabungsstätte und dem „Alten Tor“. Einen Parkplatz ergattern wir auch recht fix und die Suche nach dem Hotel gestaltet sich erst als etwas schwierig. Abgesehen von einem kleinen Schild findet man nämlich garkein Hotel. Im Hotel selbst gibt es auch keine Rezeption oder ähnliches, die Chefin aber ist gerade da und bereitet unser Zimmer vor. Sie bittet noch um dreißig Minuten Zeit und wir überbrücken die einfach ganz gekonnt in einem kleinen Restaurant, wo ich mich mit Pizza und belgischem Bier zufriedenstelle.

Zurück im Hotel erwartet uns in diesem uralten Häuschen ein kleines Zimmer mit einer geräumigen, begehbaren Dusche. Da kommt Freude auf, ich mache mich frisch und dann gönnen wir uns einen Mittagsschlaf. Am Abend gehen wir wieder nach draußen, trotz der miesen Prognosen ist das Wetter noch immer annehmbar, trocken und wir nutzen es für einen Spaziergang durch Rijeka, die Hafengegend und werden auch schon wieder viel zu schnell fündig in Sachen Futter. In einem kleinen Restaurant nahe des Hafens vertilgt Frau Doppel-E einen Sack voll Muscheln und mir genügt eine Portion Cevapcici samt einigen Wein. Der schmeckt zwar ziemlich scheußlich, steigt aber schnell zu Kopfe – offenbar bin ich aus der Übung.

häuschengucken

In Rijeka geht es für uns zuerst zum Zamet Center. Hier sind auf einer Gesamtfläche von rund 17.000 m2 eine Sporthalle, Büros und diverse Geschäfte untergebracht. Den Bau in das recht urbane Gefüge zu integrieren ist auch gelungen, die hinterlüftete Fassade ist von einem Gestein inspiriert, das typisch für die Region ist und der gesamte Bau ist rundum gefliest. Ist wunderschön anzusehen und leicht zu reinigen aber bei Nässe irgendwie ziemlich rutschig. Ist nun, vermutlich selbst für totale Architekturfreaks, nicht unbedingt eine Reise wert, aber wenn man schon mal hier ist lohnt ein kurzer Stopp.

Interessanter wird es dann unten an der Küste – dort wurde nämlich 1866 der erste Torpedo der Firma Luppis-Whitehead entwickelt und getestet. Die ursprüngliche Teststation steht zwar nicht mehr, aber eine neuere welche bis 1966 in Betrieb war. Vorbild für Torpedotstationen weltweit, man findet noch heute viele rund um den Globus und kann ihren Verfall beobachten. Mehr als 25.000 wurden hier gebaut bis die Produktion und auch die Tests schließlich eingestellt wurden. Seither steht die Abschussstation ungenutzt herum, gammelt vor sich hin und guckt ganz müde auf die Adria. Inzwischen ist die Anlage Kulturdenkmal und anscheinend gibt es Bemühungen das Areal zu restaurieren und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen, denn aktuell ist es eingezäunt und ich wage mich auch nicht so recht einen Fuß darauf zu setzen. Wirkt alles ein wenig zerbombt, halb eingestürzt und wenig intakt.