Archiv der Kategorie 'Schweden'

chicago schwedens

Nach einer ewigen Nachtfahrt zurück nach Malmö gehen wir direkt in die Innenstadt – erneut zu einem Italiener. Diesmal nicht ganz so gut, aber alles in allem eine gute Wahl. Wieder esse ich Pizza und erfreue mich meiner abwechslungsreichen Ernährung. Anschließend gehen wir ins Hotel, sitzen noch einige Zeit beisammen bis ich irgendwann mit Herrn R. Wein aus dem Auto holen möchte. Im Parkhaus merken wir dann auch schnell dass in Herrn F’s. Auto eingebrochen wurde. Die klägliche Rest der Seitenscheibe liegt herum und das Fotoequipment fehlt.

Schnell holen wir den Rest beisammen, ich bin erneut froh über meine Weisheit, nie Wertsachen im Auto zu lassen und dann informieren wir das Hotel sowie die Polizei. Nun wird es kurios, denn darauf wäre nichtmal ich gekommen. Die Polizei kommt nicht, sie hat dafür schlicht und ergreifend keine Zeit. Also recherchiere ich ein wenig und bin entsetzt. Malmö verfügt über die meiste Kriminalität in Schweden und ist längst nicht mehr Herr über die Lage. Polizisten gibt es zu wenige und in Malmö gibt es Dutzende No-Go-Areas, wo sich kein Ordnungshüter hintraut. Die unzähligen Banden bekriegen sich, wie auch wir vor einigen Tagen feststellen durften, inmitten Malmö und die Polizei scheint völlig machtlos. In den Medien wird das so gut es geht verheimlicht und niemand käme je auf die Idee, dass es in Malmö nicht sicher sei. Die Rezeptionistin bestätigt all das, die Hotelbewertungen sagen genau das gleiche und Einbrüche in Autos von Touristen sind sowieso völlig normal.

Im Endeffekt ist mir das völlig egal – denn ich habe mich keine Sekunde unsicher gefühlt in Malmö und auch in mein Auto wurde nicht eingebrochen, dennoch hinterlässt sowas immer einen faden Beigeschmack und es bekräftigt mich in meiner Entscheidung, Malmö nie wieder zu besuchen. Besonders schön ist es dort nämlich auch nicht – wie so oft in Großstädten.

kein schweden ohne ikea

Nun ist der Tag noch lange nicht vorbei. Wir fahren rund 40km weiter nach Älmhult in das 2015 eröffnete Ikea-Museum. Dort angekommen herrscht gähnende Leer auf dem Parkplatz. Geöffnet ist trotzdem und wir treten herein, haben eine Menge Spaß am Eingang und scherzen mit der Kassiererin um die Wette. Ihr Deutsch ist auch hervorragend und so beschließen wir vor dem Museumbesuch noch im hauseigenen Restaurant zu Essen.

Wie man es von Ikea gewohnt ist, gibt es beinahe nur Köttbullar. Mit Gästen, beinahe zwanzig an der Zahl scheint das Personal hoffnungslos überfordert zu sein. Wir nehmen Platz und warten auf unsere Bestellungen. Ich bin zum Glück so klug ein mit Salat belegtes Brot als Vorspeise zu essen. Das war nämlich schon fertig und so bekomme ich immerhin teilweise das, das ich auch möchte. Kötbullar gibt es in fünf verschiedenen Zubereitungszuständen und keiner an meinem Tisch bekommt letztlich das, das er bestellt hat. Zudem schmeckt es fürchterlich und die Menge ist kaum der Rede wert.

Wenig glücklich betreten wir das Museum, ich sehe mich um und stolpere durch die Gänge. Alles nett gemacht, schön präsentiert und liebevoll eingerichtet. Wer nun aber denkt, es gäbe viele Möbel zu sehen der irrt. Es gibt generell sehr wenig zu sehen. Ich langweile mich zu Tode. Dass das Ikeamuseum weniger interessant wird, war mir vorher schon klar. Aber dass es derart langweilig ist, hätte ich nicht für möglich gehalten. Trotzdem sehen wir uns alles an, ich denke mir meinen Teil und bin dann froh als wir uns einig sind, dass es Zeit ist zu gehen.

bilkyrkogården – lost place mal anders

Nun sind wir in der Nähe von Ryd. Direkt an der Straße 119 befindet sich ein Moorgebiet in welchem seit Jahrezehnten Autos vor sich hinrotten. In den Neunziger Jahren kam der Besitzer der Altwagen ins Altersheim und verstarb einige Zeit später, woraufhin eine Diskussion entstand, was denn mit den Autofriedhöfen – davon gibt es zahlreiche in Schweden – passieren soll. Man entschied sich nach langer Zeit glücklicherweise gegen eine Räumung und so ziehen diese wundervollen Orte bis heute zahlreiche Irre, wie wir es sind, an.

Es gibt zwei Geschichten – zum einen die, dass der Besitzer des Grundstückes schlicht und ergreifend ein Faible für Oldtimer hatte und diese sammelte und zum zweiten die, dass er wohl auch einer der vielen Ersatzteilschmuggler nach Norwegen war, was ich mir persönlich aufgrund der Entfernung eher nicht vorstellen kann. Wie auch immer – heute stehen rund um seine Schrauberkluft hunderte Oldtimer aller Art und gammeln vor sich hin.

Leider blieben im Laufe der Zeit – ich habe schon viele Bilder gesehen – die Wracks nicht unangetastet. Alles, das noch irgendeinen Wert hat wurde gestohlen, ganze Fahrzeuge zerflext und einfach mitgenommen. Sehr schade drum, aber einen solchen Ort kann man halt leider nicht vor Arschlöchern schützen. Empörung macht sich auch bei mir breit, als ich sehe dass die Scheune eingestürzt ist. Davor wurde ein Baum gefällt und er fiel direkt auf die Scheune, davon wird in wenigen Jahren leider auch nichts mehr zu sehen sein.

Trotzdem macht sich natürlich absolute Begeisterung breit, wenn man so durch die Reihen schlendert, Autos identifiziert und sich vom Rost hinreißen lässt. Ich könnte tagelang hier verbringen und spüre auch kaum die eisige Kälte, die sich in meinem ganzen Körper ausbreitet.

quer durch schweden

Der Wecker klingelt heute besonders früh. Ich schäle mich aus dem Bett, springe zum Frühstück und wir lassen die anderen wissen, dass pünktlich abgefahren wird. Auf die Alkoholleichen und Unzuverlässigen wollen wir nun wirklich keine Rücksicht mehr nehmen. So kommt es dass wir pünktlich zum Morgengrauen mit nur drei Fahrzeugen das Parkhaus verlassen. Der Rest kann ja nachkommen – die Adressen stehen schließlich im Roadbook.

So machen wir einige Kilometer auf der Autobahn und verlassen sie dann um den restlichen Weg auf Schwedens wunderbaren Landstraßen zu verbringen. Mitten im Nichts machen wir eine Pause, beraten uns bezüglich der Route und werfen bei der Gelegenheit den Bewohnern direkt eine Postkarte mit lieben Grüßen in den Briefkasten. Wenige Kilometer später schreibe ich mit den Zurückgebliebenen, wir geben unseren Standort durch und plötzlich tauchen die fehlenden 4 Fahrzeuge im Rückspiegel auf. Perfekt! Nun sind es noch rund 70km Landstraße die uns von unserem ersten Ziel trennen.
Einen kurzen Halt machen wir noch an einer alten Fabrik. Dass das offensichtlich Privatgelände ist scheint keiner zu merken (wollen) und so stehen plötzlich 7 groteske Fahrzeuge auf dem Hof eines alten Schweden. Der kommt auch sofort hinaus, guckt ungläubig und zusammen mit Herrn P. kann ich ihm erklären dass wir gleich wieder weg sind, wer wir sind und was wir machen. Gegen ein wenig deutsches Bier hat er auch überhaupt nichts einzuwenden und so dürfen wir Bilder von der Fabrik und unseren Autos machen. So recht geheuerlich scheint ihm das ganze trotzdem nicht zu sein.

Permanent läuft mir der Sabber den Mundwinkeln herunter. Denn neben der landschaftlichen Herzerwärmung fahren hier so unglaubliche tolle Volvos umher – ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Einen Tankstop später erreichen wir auch langsam das Moor Kyrkö Mosse. Hier gibt es für uns einen besonderen Leckerbissen in Form eines „Lost Places“.

schwedenpizza

Wir stehen vor einem Italiener und ich hoffe inständig, dass genügend Platz für uns ist. Die Karte verspricht gutes, die Preise sind human und der Chefkellner so unglaublich freundlich. Kurz lieb gefragt und schon finden wir uns an zwei getrennten Tischen wieder. Ich bestelle mir eine Pizza und etwas Wein dazu. Mein Wunsch nach etwas Schärfe wird auch erfüllt und so kann ich glücklicher kaum sein. Auch hier fällt mir wieder auf dass die Preise nicht so enorm sind wie befürchtet – das Essen auch hier ist ziemlich günstig – in Sachen Preis/Leistung sogar unschlagbar. Lediglich die Getränke sind spürbar teurer.

Mit vollen Mägen entscheiden wir uns zum Glück gegen eine Bar und gehen langsam zurück in Richtung Hotel. Dort sammeln wir uns in einem der lächerlichen kleinen Doppelzimmer und sitzen noch einige Zeit beisammen, trinken manches Kaltgetränk und prüfen uns auf unser Fachwissen über die Titanic. In finsterer Nacht husche ich dann ins Bett und freue mich auf den morgigen Tag, der verspricht wieder etwas mehr Programm und wir dürfen endlich mal wieder Auto fahren!

teknikens och sjöfartens hus

Im Technikmuseum befinden sich allerlei schwedische Erfindungen, Automobile, eine mechanische Jazzband und sogar ein U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg. Das kann man sogar frei erkundschaften und sich durch die engen Gänge quälen. Unfassbar dass hier drinnen irgendwer einen Durchblick hat und noch viel unglaublicher dass der Koloss geschwommen sein muss.

Viele Exponate können entdeckt werden und es darf angefasst und benutzt werden, was das Zeug hält. Der perfekte Spielplatz für uns alternde Kinder. Wir haben viel Spaß und entsprechend spät wird es, bis wir uns sattgesehen haben. Draußen sammeln wir uns, ich genieße die frische Luft und Ruhe des Abends und wir beschließen zu Fuß zurück in die Innenstadt zu gehen um etwas zu Essen.