Archiv der Kategorie 'Rheinland-Pfalz'

verlassen und vergessen

Ende 2015 war ich zusammen mit Herrn O. in einem verlassenen Gebäude in Landau. Danach sogar noch ein paar weitere Male – aber nie bei Tag. Also fahre ich heute fix dort hin und bin erstaunt wie weitläufig das Gelände ist und vorallem wie viele verlassene Häuser und Hallen dort überall rumstehen.

Die restlichen Häuser sind dann eher was für dunkle Nächte oder Spaziergänge im Morgengrauen – schließlich ist die gesetzliche Lage bei solchen Unternehmungen doch recht eindeutig.

Auf dem Weg hinein saue ich mich bis zu den Socken ein – alles voller Schlamm. Bis vor kurzem hatte es auch hier Schnee, das rächt sich nun. Pfütze neben Pfütze und dazwischen ganz viel Matsch. Drinnen angekommen offenbart sich mir dasselbe Bild wie die letzten Male. Es sind lediglich einige Schmierereien von Idioten hinzugekommen aber ansonsten ist alles beim Alten.

Ich genieße noch etwas die Ruhe und mache mich dann langsam auf den Weg zu Herrn O. Schließlich haben wir noch einiges geplant.

trifelswanderung

Nun fahre ich nach Annweiler in der Südpfalz und möchte noch ein wenig Wandern. Verknüpfen täte ich das gern mit dem Erkundschaften der Trifels Reichsburg. Also parkiere ich das Auto unten im Tal und latsche los. Es geht stellenweise unglaublich steil nach oben und dann einmal um die Burg herum.

Am Eingang der Burg dann die Ernüchterung – geschlossen. Da ändern die Pfeifen doch glatt die Öffnungszeiten und nageln das an das Eingangstor anstatt die Besucher bereits unten an den etlichen Hinweisschildern zu informieren. Mir ist das dann aber egal – ich lege mich auf eine Burgmauer und nutze das hervorragende Internet und genieße nebenbei die herrliche Aussicht.

Nun der Rückweg – nach ein paar Kilometern wundere ich mich, dass mir nichts bekannt vorkommt und kapiere nicht so recht, wo zum Teufel ich falsch abgebogen bin. Auf Umkehren habe ich keine Lust und laufe einfach mal weiter, bis ich von weitem tatsächlich den Kadetten sehe – wo ich ihn überhaupt nicht vermutet habe. Manchmal klappt das mit der Orientierung irgendwie nicht. Nun soll es wieder nach Landau gehen,… mir ist da noch was eingefallen.

stille & stelen

Nach etwas Bolognese fahre ich Frau M. zurück zur Arbeit und steuere dann den kommunalen Friedhof in Landau an. Irgendwo hatte ich gelesen, dass sich hier eine Menge spätklassizistische Stelen finden lassen. 1845 wurde hier ein jüdischer Friedhof angelegt und bis 1990 belegt. Seit einiger Zeit ist er Kulturdenkmal und wird so belassen wie er ist. Rund 1000 Gräber finden sich hier, umsäumt von den Erweiterungen des „normalen“ Friedhofes.

Das mag vielleicht etwas eigenartig klingen, aber es gibt vermutlich kaum Faszinierenderes als verlassene Friedhöfe. So verbringe ich eine ganze Weile hier, schlendere durch das Gestrüpp und erforsche die zahlreichen Inschriften.

Anschließend – genug der Ruhe – flaniere ich ein wenig auf einer Parkbank und habe auch schon eine Idee, was ich denn noch tun könnte. Also ab zum Kadett & weiter geht’s.

landau entdecken

Heute liefere ich Herrn O. seinen neuen Fernseher und nutze den Tag natürlich sinnvoll. Also steige ich in aller Herrgottsfrühe in den Kadetten und düse geschwind nach Landau in der Pfalz. Mein Gastgeber fristet derweil noch sein Dasein auf der Arbeit und ich parke das Auto im Wohngebiet, zücke mein Papiernavi und marschiere los. Mein erstes Ziel ist das Landgericht – ich liebäugle auf die Fassade und trete hinein, komme jedoch nicht allzu weit. Offenbar hatten die Leute dort einfach nicht mit Besuch gerechnet?!

Ich stolpere ein paar Straßen weiter und stehe vor der Landauer Festhalle. Sie ist eine der bedeutendsten Jugendstilbauten in Deutschland und nun schon über Hundert Jahre alt. Lange habe ich mir vorgenommen sie einmal zu erkunden und heute scheint das nur von außen zu gehen. Sämtliche Türen sind verschlossen und die Fenster geben nur wenige Blicke nach innen frei – schade.

Allzu tragisch ist das aber nicht – ich habe hier in Landau noch genügend alte Steine, die ich gerne angucken täte. Also laufe ich weiter – einmal quer durch die Stadt auf die andere Seite. Die Fußgängerzonen und Hauptstraßen meide ich und komme durch etliche kleine Gässchen auf dem Weg zum Bismarckturm. Dieser steht am Rande der Fortanlage, welche ich mir heute nicht ansehe. Während ich mir die Geschichte des Turmes durchlese frühstücke ich ein wenig, schlendere dann durch den Park und mache mit Herrn O. und Frau M. ein Date klar. Die beiden haben nun Mittagspause und wir gehen gemeinsam fix eine Kleinigkeit essen.

landauer nächte

Wie das immer so ist, öffnen wir noch einen Wein und warten auf die Ankunft von Herrn M. aus Berlin. Traditionell verspätet der sich in der Regel um viele Stunden und so beschließen wir auf den Weihnachtsmarkt in Landau zu gehen. Es ist nur ein kurzes Stück zu Fuß. Ich kaufe Marmalade und ehe wir überhaupt dazukommen einen Glühwein zu trinken ruft auch schon der M. an. Er scheint recht pünktlich und steht vor verschlossener Türe. Also gehen wir zurück, begrüßen uns wieder herzlichst und öffnen weiteren Wein.

Bei Unfug aller Art wird es natürlich wieder sehr spät bis ich zu Bett komme und spätestens morgen wird sich das mit Sicherheit rächen – denn wir haben noch etwas vor.

longtimenosee

Heute schlafe ich unverschähmt lange, stehe dann wider Erwarten doch irgendwann auf und werf ein wenig Zeugs in den Kadetten. Ich erobere fix die A7 und möchte anschließend auf die A6. Ein kirmesbeklebter Mercedes macht mir da aber einen Strich durch die Rechnung. „Bitte Folgen“ leuchtet unaufhörsam auf und ich leiste keinen Widerstand. Auf einem Parkplatz hinter einem Busch – ich befürchte schon schlimmstes – findet mal wieder eine obligatorische Verkehrskontrolle statt. Wie immer ist alles in Ordnung, zur Sicherheit wird oft & ungläubig gefragt ob das Auto denn noch fährt und dann kann ich auch schon weiter. Nun geht es bis Heilbronn, wo ich auf Herrn P. treffe. Gemeinsam geht es weiter mit einem besonderen Ziel – die Pfalz! Ich war schon ewig nicht mehr hier gewesen, erschreckend.

Herr O., unser Gastgeber lässt verkünden dass er noch garnicht da ist. Also parkieren wir den Kadetten vorm Haus, lassen die Musik an und öffnen südafrikanischen Wein samt Vodka. Die Mischung macht’s!

Auf die Idee, dass Herr O. vielleicht ja doch schon da ist, kommt natürlich keiner und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass mir irgendwann auffällt, dass im Haus Licht brennt. Also sturmklingeln wir, begrüßen uns herzlichst und kommen direkt zu einem wundervollen Programmpunkt. Meine Weinbestellung wird direkt verladen, der Kadettkofferraum schluckt die Kisten nur so weg und wir gehen schnell in’s Warme.