Archiv der Kategorie 'Polen'

kiełbasa wycieczka #6

Der Wecker klingelt und ich schäle mich aus dem viel zu bequemen Bett. Jetzt geht es nach Hause – bis wir alle abfahrbereit sind, ich die Zimmer bezahlt habe und wir uns sammeln vergehen nur zwei Stunden. Das ist rekordverdächtig. Weit kommen wir allerdings nicht, denn unsere Geldsäckerln sind noch voller Zloty. So fahren wir als erstes ein großes Einkaufszentrum an. Shoppen ist angesagt und wie zu erwarten läuft das völlig aus dem Ruder. Fast drei Stunden verbringen wir im Konsumtempel und ich werde ums Verrecken die Währung nicht los. Dabei befindet sich im Einkaufskorb sogar Obst und Gemüse. Ein Großeinkauf wird so schnell nicht mehr nötig sein.

In der Tiefgarage frühstücken wir noch eben gemütlich und dann geht es an die nächste Tankstelle. Der Kadett ist völlig leer und ich werde wieder ein paar Zlotys los. Mit vier Fahrzeugen fahren wir in Richtung Heimat. Die Saarländer bleiben noch für ein paar Stunden im Kaufrausch und treten erst dann die Fahrt an. Anfangs machen wir einige Stopps – McDonald’s, Tanken, Geld verprassen – ich habe noch immer Zlotys und die Grenze zu Tschechien ist nicht mehr weit.

Die 1.000km ziehen sich gewaltig, es wird viel zu schnell dunkel und wir halten nur noch für Fastfood und Benzin. Bis endlich die Grenze zu Deutschland in Sicht ist. Nun sind es nur noch knapp drei Stunden bis wir endlich in unsere Betten fallen können. Der Polizei scheint das ziemlich egal – im Walkie Talkie vernehme ich noch ein Lachen und schon schert die Polizei aus um mich auf den nächsten Parkplatz zu geleiten. Der Versuch mich hinter einem LKW zu verstecken ist leider missglückt. Jetzt wird es richtig unangenehm. Nun sitzen wir zu zweit im Auto, haben horrende Mengen Einkäufe, Gepäck, Unrat, Alkohol und Undefinierbares dabei. Mein Reisepass liegt irgendwo verborgen zwischen all dem Müll und die Cops machen sich daran, all das zu durchsuchen. Irgendwann hören sie schließlich auf, vermutlich sehen sie den Wald vor lauter Bäumen nicht oder ekeln sich einfach nur? Wir werden es nie erfahren.
Am nächsten Parkplatz sammeln wir uns wieder und fahren dann nach Hause, wo wir die Runde nach einem gemeinsamen Bier noch abschließen.

Mögen die Planungen für 2019 beginnen!

kiełbasa wycieczka #5

Geplant war, dass wir heute um 08.00 gemeinsam nach Auschwitz fahren – geworden ist daraus natürlich nichts. Um 10.00 falle ich aus dem Bett und wie sich herausstellt bin ich nicht alleine. Die meisten haben verschlafen und ein Fahrzeug ist schon auf dem Weg nach Auschwitz. Irgendwie war das absehbar und wiederholt sich Jahr um Jahr genau so.
Nach ein wenig Körperhygiene rollt dann auch der Kadett in Richtung der KZ-Gedenkstätte und wie wir ankommen staune ich nicht schlecht. Seit meinem letzten Besuch 2014 hat sich einiges verändert. So wird man heute von einem Metalldetektor durchleuchtet, muss seine Taschen ausräumen und steht generell ganz schön lange Schlange.

Auf dem weitläufigen Gelände verteilen sich die Menschenmassen natürlich gut und man hat eher das Gefühl, dass Garnichts los sei.
Schon bei den ersten Schritten überkommt mich wieder dieses beklemmende Gefühl und ich merke schnell – einmal hätte gereicht. Ein zweiter Besuch wäre wirklich nicht nötig gewesen. Der Wahnsinn, der hier stattgefunden hat ist mir einfach unbegreiflich, an Perversion absolut nicht zu übertreffen.

So schlendern wir ein paar Stunden über das Gelände, besuchen die Ausstellungen und haben dann aber genug – mehr als genug. Wir trennen uns dann alle und fahren getrennt voneinander zurück ins Hotel. Für heute ist dann auch nichts mehr geplant und so können wir in unser liebgewonnenes Restaurant sitzen. Dort verbringen wir den restlichen Tag, bis der Laden schließt und vertilgen unglaubliche Mengen Essen und noch viel mehr Getränke. Es ist einfach so gemütlich dort, der Kellner hat uns irgendwann auch lieb gewonnen und so verbringt es sich hier ganz wunderbar den Tag. Nach einem kleinen Umtrunk in der Tiefgarage geht es dann schließlich ins Bett – morgen wartet immerhin die Heimfahrt auf uns.

kiełbasa wycieczka #4

Erst mittags werde ich wach – so etwas passiert mir auch selten. Ich scheine einfach alt zu werden. Manche unserer Gruppe sind schon auf den Beinen und besichtigen Krakau. Ich hingegen habe einfach nur Hunger und so gehen wir zu dritt in ein Restaurant. Das habe ich gestern Nacht zufällig entdeckt und für gut befunden. Ist glücklicherweise auch direkt gegenüber des Hotels und so können wir nach einem Aperitif direkt hinein.

Es kommt wie es kommen musste – das Essen schmeckt fantastisch, die Getränke munden ebenfalls und die Preise sind moderat. So sitzen wir bis zum Abend an ein und dem selben Platz, Quatschen dummes Zeugs und die restlichen Chaoten treffen schließlich irgendwann ein.
Alle zusammen laufen wir zur Fabrik von Oskar Schindler. Die steht unweit unseres Hotels und ist mit Sicherheit sehenswert. Wir aber haben uns vorab keine Tickets reserviert und so bleibt uns der Zugang zu der eigentlichen Fabrik verwehrt. Von außen können wir zwar gucken und auch die kleine Ausstellung im Eingangsbereich können wir sehen, das war es dann aber auch schon.

Wir gehen zurück zum Hotel, speisen im Restaurant und trinken dann ein wenig Unfug in den Zimmern, ehe wir die Innenstadt aufsuchen. In einer Bar dann der Beschluss – es soll zum Tanzen gehen. Ganz in der Nähe finden wir einen Club und latschen hinein. Erst drinnen kapieren wir irgendwann, dass wir in Polens größter Schwulendisco gelandet sind. So kommt es dass wir sehr viel länger als geplant verweilen, bis in die Morgenstunden feiern und ich schon schwarz sehe für unseren bevorstehenden Ausflug.

kiełbasa wycieczka #3

Nach einer wohltuenden Dusche nehmen wir dann Krakau in Angriff. Angestoßen haben wir bereits im Parkhaus und nun geht es mit der Straßenbahn in die Innenstadt. In einer kleinen Gruppe schlendern wir durch Krakau, verdrücken manche Pommes und kehren nach einem ewig langen Spaziergang durch die Innenstadt in einer Bar ein.

Hier feiern wir einige Stunden und die meisten gehen weiter in einen Club – ich täte gerne nachkommen, schaffe es dann aber nicht. Mein Handyakku verabschiedet sich und ohne Navigation finde ich den Schuppen ohnehin nicht. Also entscheide ich mich für das Hotel und etwas Schlaf – nach 45 Stunden auf den Beinen sicher kein Fehler.
Nun habe ich aber überhaupt keinen Plan wo ich bin oder wo sich das Hotel befinden könnte, also frage ich mich durch. Zu meinem Erstaunen kennt jeder das Hotel und allesamt weisen sie mir den richtigen Weg. Nach nur ein paar Minuten stehe ich vor dem Hotel und stelle fest, dass wir einige Kilometer im Kreis gelaufen sind und die Bar sich in Reichweite des Hotels befunden hat. Herrlich.

So werfe ich mich ins Bett und falle in einen erholsamen, komatösen Schlaf.

westwärts

Nun ist es an der Zeit Kiew und damit auch der Ukraine den Rücken zu kehren. Ich habe langsam genug von Großstadt und den vielen Sehenswürdigkeiten, fühle mich irgendwie gesättigt. Also starte ich in den Morgenstunden den Kadett und wühle mich durch Kiew. Parallel zur weißrussischen Grenze fahre ich dann in Richtung Westen und erfreue mich an der relativ guten Straße. Die Schlaglöcher halten sich hier in Grenzen und ich komme weitaus zügiger voran, als gedacht. Hatte eigentlich noch eine Zwischenübernachtung eingeplant, aber das lasse ich nun bleiben.
So bin ich Mittags schon im Grenzgebiet zu Polen und beschließe noch heute einzureisen. Bei dem schmuddeligen Wetter habe ich ohnehin keine Lust mir noch irgendwas anzugucken.

Auf den ersten Blick sieht der Stau recht human aus. Die Ausreise geht auch relativ zügig, ein paar Fragen beantworten, Pass stempeln und noch ein Blick in den Kofferraum. Und dann heißt es anstehen. Rund 3 Stunden stehe ich im Stau, bis ich schließlich zu der EU-Pass-Reihe komme. Hier stehen zwar nur sehr wenige Autos an, aber es geht leider auch nicht wirklich schneller. Immer wieder kommen ein paar polnische Zöllner, mögen immer wieder in den Kofferraum blicken und sonst wird mein Auto überhaupt nicht kontrolliert. Alle anderen müssen sämtliches Gepäck ausladen und ausbreiten. Ich bin aber auch der einzige, der weder aus Polen noch aus der Ukraine kommt.
Insgesamt vergehen rund sechs Stunden und schon bin ich in Polen. In Chelm gehe ich gemütlich Abendessen und überlege dann kurz ob ich bleiben soll. Gefallen tut es mir aber nicht, auf Lublin und Großstadt habe ich keinen Bock und quäle mich dann in der Dunkelheit bis Warschau. Ab hier gibt es dann endlich wieder vernünftige Autobahnen, das Hörbuch in meinem Radio gefällt mir prächtig und ich habe noch immer Lust zu fahren. Also rutsche ich in einem Stück durch bis nach Berlin. Die Autobahnen bis Deutschland sind in hervorragenden Zustand, Warschau bis Frankfurt(Oder) kostet jedoch rund 30,-€ und weitere Mautstellen folgen. Viele sind noch im Bau, werden aber mit Sicherheit in naher Zukunft in Betrieb sein.

In den frühen Morgenstunden komme ich in Berlin an, strecke mich ganz ausgiebig und wecke dann Frau Doppel-E. Die muss jetzt ohnehin bald zur Arbeit und ich niste mich derweil in ihrer Wohnung ein, döse den gesamten Tag und schalte so richtig ab. Tut auch Not, von Kiew nach Berlin in 20 Stunden macht man in meinem Alter ja eigentlich auch nicht mehr.