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mir gebührt der hass

Ab in die Berge! Nur dumm, dass ich gestern feiern war und erst spät zu Bett kam. Voller Zuversicht habe ich den Wecker auf 05.00 Uhr gestellt um pünktlich zu sein. Um 07.00 ruft mich dann Herr D. an, dass mein Auto noch hier stünde. Fucksgerät! Herr R. ist dann so lieb und holt mich samt meinem Reisegepäck und ich verschwinde im Kadett, informiere den im Regen wartenden Herrn B. über mindestens zwei Stunden Verspätung und brettere los. Allzu weit bis Ulm ist es nicht, Herr B. ist gnädig mit mir und wir fahren ganz entspannt nach München. Dort steigen Frau L. und K. aus Berlin zu, das Gepäck passt zu meiner Erleichterung gerade so in den Kofferraum. Gestern nämlich wollte ich noch meine Dachbox montieren, aber irgendein Idiot muss den Schlüssel verloren haben.

Die Fahrt ist ganz angenehm, auch wenn ich mich elend fühle. Meine Mitreisenden verstehen es mich etwas aufzuheitern und kurz nach der Grenze zu Österreich treffen wir auf die Lieben von Whatabus. Zusammen fahren wir das letzte Stück bis Saalbach, unsere Destination für die nächsten Tage. Die Mädels werfen wir nahe ihres Hotels heraus und beziehen anschließend das unsere. Eine Ferienwohnung für zehn Leute, einige davon kenne ich schon vergangenen Festivals und befürchte Schlimmstes. Der Vodka ist schnell geöffnet und in versammelter Runde beginnen wir zu feiern – denn jetzt ist BERGFESTival!

auf eigener achse ins ziel

Mit Blick auf die Uhr wird mir ganz anders. Der Tag neigt sich langsam dem Ende und wir sind noch immer ganz in der Nähe von Florenz. So beginnt dann das ersehnte Kilometerfressen. Am Gardasee vorbei, auf dem Brenner gönnen wir uns mal wieder eine deftige Mahlzeit und verabschieden uns bei der Gelegenheit direkt von den lieben Saarländern. Wir fahren zwar dieselbe Route, aber Herrn P. krampft der Gasfuss. Ich kann es verstehen – immerhin haben sie es noch ein gutes Stück weiter als wir.

Auf dem Fernpass kommt es mir beinahe hoch – ich sehe nichts, es schneit wie von allen Sinnen. Spaß hab ich plötzlich keinen mehr. Hinzu kommt, dass das merkwürdige Geräusch schon wieder schlimmer geworden ist. Inzwischen bekomme ich auch viel Feedback aufs Lenkrad und hoffe inständig, dass wir ankommen. Die A7 fahren wir dann noch ganz gemütlich durch und in Heidenheim werfe ich Herrn M. raus. Eine Straße weiter hat sich das Geräusch in ein übles Schlagen entwickelt. In Schrittgeschwindigkeit geht es weiter. Wie ich in meine Straße einbiege, tut es einen Schlag. Ach du Scheiße! Sofort is klar – mir ist die Antriebswelle weggebrochen. Ich fass‘ es nicht! Frau T. steigt mit aus und wir schieben die Karre bis vors Haus. Feierabend, soll sich der Zukunftsalex um den Dreck kümmern. Ich verabschiede Frau T. – sie muss nun noch nach Ludwigsburg – und gehe dann einfach mal ins Bett.

mehl fressen

Im Konvoi fahren wir in Richtung Österreich und möchten uns im Allgäu noch eben Vignetten kaufen. Die Tankwirtin guckt etwas verdutzt, frägt mich was wir zum Teufel veranstalten und hat uns leider statt der gewünschten acht Vignetten nur sechs Stück. Vorm Fernpass bekommen wir die fehlenden, machen eine Pinkelpause, snacken ein wenig an unseren Vorräten und mir steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Frau T. hat doch tatsächlich Unmengen Reiswaffeln mitgebracht. Das ist in etwa so, als würde man ein Kilo Mehl fressen. Ekelhaft.
Den Fernpass lassen wir hinter uns, Schnee liegt überhaupt nicht viel und es klappt ganz wunderbar. Bis auf ein neues Geräusch vom Kadetten. Hört sich an wie ein defektes Radlager – ich aber hoffe dass es nur ein unglücklich verlegter Spanngurt ist und wir halten kurz vor Innsbruck erneut. Ich stecke mal wieder den Schlauch in den Tankstutzen und breche sofort wieder ab. 1,70€ für Benzin sind mir in Österreich einfach zu viel, mein Geiz viel zu ausgeprägt. Stattdessen kümmere ich mich um meine Spanngurte und dann geht es weiter.

Auf der Autobahn ist dann klar, dass es die Gurte waren. Plötzlich ist Ruhe, man kann sich im Fahrzeug halbwegs vernünftig unterhalten und ich fürchte mich nicht permanent vor irgendwelchen Schäden. Über die Brennerautobahn geht es zu unserem Nachtquartier. Hierfür verlassen wir die Autobahn und es geht auf einer wunderschönen Serpentinenstrecke in die Berge. Die Fahrt macht uns allen sichtlich Spaß, die Motoren heulen auf und am Limit kommen wir oben an. Der Nachtplatz ist einfach ein Supermarkt in einem Industriegebiet, wo wir niemanden stören und lange vor Geschäftsbeginn wieder weg sind. Für zwei Stunden schließen wir die Augen, die Funkgeräte sind beängstigend still und ich schwöre mir in Zukunft besser vorbereitet zu sein, denn mein Frühstück besteht aus einem Heringsfilet mit gefrorenem Brötchen – lecker!

Ein gutes Stündchen vor Sonnenaufgang machen wir und los, rund 60km Landstraße trennen uns jetzt noch von unserem nächsten Halt. Am Castel Beseno, einer Höhenburg die das Etschtal und das Tal des Rio Cavallo überragt machen wir Pause, genießen den Sonnenaufgang in luftiger Höhe mit Blick auf die Täler und sind und schnell einig, dass wir die Burg nicht besuchen werden (können). Der Eintrittspreis ist hoch und die Öffnungszeit in ferner Zukunft.

nächster halt: presslau

Ich lümmle auf meinem Sofa, schaue mir einige Family Guy Folgen an und merke erst reichlich spät, dass es langsam Zeit wäre nach Bratislava zu fahren. Also werfe ich manches Zeug in mein Auto, hüpfe noch fix unter die Dusche und fahre dann zu Frau J. Dort wird erneut gelümmelt. Einfach schön, wenn man keinen Stress hat. Schnell ihre Lebensnotwendigkeiten in den Kadett und schon fahren wir in Richtung Autobahn.

Es ist bereits Mitternacht, unter der Woche und damit die Autobahnen schön leer. Wir kommen wahnsinnig schnell voran, obwohl der Tacho nie über 100 geht und ehe wir uns versehen, überfahren wir schon die Grenze zu Österreich. Müdigkeit kommt wie immer nicht so recht auf, bei Frau J. fließt sogar etwas Schnaps und bei guter Musik brettern wir in Richtung Wien.

Kurz vor der Slowakei verlassen wir die Autobahn. Früher konnte man sich einfach eine Vignette kaufen, die Slowaken aber haben nun umgestellt und das ganze Mautsystem funktioniert elektronisch, online und findet bei mir nur wenig Anklang. Abgesehen davon wäre es auch die reinste Geldverbrennung, für die kurze Strecke eine Gebühr zu entrichten. Kurz vor der Grenze decken wir uns im Supermarkt noch fix mit Lebensmitteln ein und fahren dann ganz zielstrebig zu unserem Hotel, direkt am Stadtrand von Bratislava.

ruft wer die bergwacht?

Solangsam dürften wir, soweit ich das überhaupt beurteilen kann, dem Parkplatz richtig nahe sein. Nun stehen wir aber vor mächtig vielen Büschen und Bäumen und zur Rechten fließt ein Bach. Also mitten durch! Durch das Gewächs kann man nie so richtig einschätzen wie tief der Schnee ist und vorallem was sich darunter befindet. So landen wir immer wieder entweder senkrecht im Schnee, sinken ein bishin in’s Nirvana oder wir fallen einfach waagerecht in die weiße Pracht.

Auf der anderen Seite des Baches sehe ich eine Straßenlaterne – also dürfte dort oben ja eine Straße sein. Das käme uns allen gelegen – denn allmählich wird es wirklich anstrengend. Ich finde uns einen Übergang, teste und präpariere ihn ein wenig und so kommen wir alle Viere trockenen Fußes in Richtung Hoffnung.
Nun geht es noch steil nach oben und tatsächlich – eine Straße! Zwar nicht ohne Schnee, aber man kann darauf laufen. Meine Füße gucken ganz verdutzt – festen Untergrund scheinen sie für immer abgeschrieben zu haben. Ein paar Meter weiter sieht man sogar schon den Parkplatz – alles in allem war das nun überhaupt nicht weit – wir haben lediglich den ungünstigsten Weg genommen.

Am Auto angekommen wechsel ich erstmal Schuhe und Socken und dann geht es den Fernpass ein Stück weiter – hungrig sind wir. Wir kehren in einer Gaststube ein und schlagen uns die Mägen voll. Verdient haben wir es uns schließlich. Vier müde Gesichter wollen nach Hause und so steuere ich den Kadetten wieder gen Norden. Im Allgäu schneit es wie verrückt, das aber ist kein Problem – der Kadett fährt schließlich auf jedem Untergrund wie auf Schienen.

mit blick auf den fernpass

Nun passieren wir die Eingangsschranke zur Highline179. Mangels Höhenangst macht ein Spaziergang in luftiger Höhe immer wieder Freude. Die verschneite Landschaft lässt die Herzen höher schlagen und wir halten uns einige Zeit auf der Brücke auf, liebäugeln nach unten und schießen – wie es sich für einen Tourist gehört – unmengen Fotos.

Ein zurück für uns soll es nun nicht geben, denn Frau M. plagt die Höhenangst. Ich fürchte mich bereits vor Eiszapfen in ihrem Schritt und so beschließen wir einfach auf der anderen Seite zurück ins Tal zu marschieren. Schon nach wenigen Metern wird klar, dass die Idee bisher nicht viele hatten. Um genau zu sein niemand. Schon nach kurzer Zeit endet der Schneetrampelpfad an einer Hütte und möchte einfach nicht weiter gehen. Nun haben wir die Wahl – zurück oder wie es mir sehr viel besser gefällt frei Schnauze durch den Tiefschnee.

So wühlen wir uns in stellenweise knietiefen Schnee durch den Wald und sind nach einiger Zeit zurück an der Fernpassstraße. Jetzt trennen uns – ich kann es kaum abschätzen – noch in etwa 1000m vom Parkplatz. Die Wahl fällt nicht schwer – denn am Straßenrand möchte ich keinesfall laufen. Also tigern wir los auf ein Feld in Richtung Wald. Hier ist der Schnee noch höher und man sinkt bis zu den Oberschenkeln ein. Kaum zu glauben wie anstrengend das ist – drehe ich mich um blicke ich auf drei eher weniger erfreute Gesichter. Aber da müssen sie jetzt durch.