Archiv der Kategorie 'Nordrhein-Westfalen'

qualitytime

Heute steht schon der Herr K. in aller Frühe vor der Türe und nimmt Platz im Kadett. Gemeinsam geht es auf die Autobahnen gen Nordwest. Wir gönnen uns ein paar Tage Unvernunft und großen Spaß. Der Verkehr fließt ganz angenehm und nach nur sechs Stunden sind wir bereits in Mönchengladbach angekommen. Zuerst geht es in unser Hotel. Für die heutige Nacht haben wir uns für ein B&B nahe der Stadtmitte entschlossen. Die Rezeptionisten fragen wir nach Sehenswürdigkeiten, guten Bars, schönen Festen und all solche Dinge, die man bei einem Städtetrip eben so mitnehmen mag. Statt Antworten ernten wir nur Mitleid und den Tipp doch einfach nach Düsseldorf oder so zu fahren. In Mönchengladbach gibt es nichts. Nur einen heißen Tipp hat er parat – eine Straße mit vielen Bars und Clubs in der Innenstadt – da soll wohl auch was los sein.

Wir checken ein, werfen Krempel aufs Zimmer, verschnaufen einen Moment und sitzen anschließend noch ein bisschen am Kadetten und trinken ein kühles Bier. Dann geht’s zu Fuß in die Stadt, Herr K. hat neulich auf dem Schwörmontag seine letzte Jacke verjubelt und nun friert es ihn ganz fürchterlich. Ein paar Dinge könnte ich auch gebrauchen, werde aber in keinem der unzähligen Läden fündig. Auch Herr K. geht mit leeren Händen weiter und nun geht es in die Waldhauserstraße. Gleich in der ersten Bar versuchen wir unser Glück und bestellen lokale Biere. Schmeckt fürchterlich. Ein selbstgebrautes, naturtrübes Pils. Wenn man Stunden später aufstoßt, hat man noch immer den beißenden Ekelgeschmack im Munde. Unfassbar.

Nun geht’s weiter auf das Waldhausfest – ein kleines Kulturfest in der Fußgängerzone der Waldhausenerstraße. Irgendeine Jugendband spielt ganz fürchterlichen Rock – ich frage mich immer wieso solch junge Typen ständig über’s Leben, Verflossene und alte Zeiten singen. Total authentisch. Der Jack-Cola vom Kiosk nebenan machts etwas erträglicher & dann geht es auch schon in die nächste Kneipe. Die ganze Nacht verbringen wir in etwa so, stolpern von Kneipe zu Kneipe und lernen eine Menge Gladbacher kennen. Die sind alle auch total nett, reagieren aber recht allergisch darauf, wenn man sie immerzu als Ruhrpottler bezeichnet.
Als wir schließlich genug haben, geht’s an den Taxistand. Das erste Fahrzeug in der Schlange nimmt uns ums Verrecken nicht mit, ist der Dame „zu kurz, da verdiene man nichts“. Beim zweiten Taxi blitzen wir wieder ab, wohlgemerkt bei einer Strecke von 3-4km. Ich überlege kurz ob ich die zwei Idioten schwer beleidigen soll und beschließe dann stattdessen einfach das letzte Taxi in der Schlange zu nehmen und nach kurzer Schilderung der Situation sind wir uns ein einig, dass die beiden von ihrer Pflicht nix verstehen und sowie asozial sind. Wohlbehalten kommen wir ins Hotel und schon bald schlummere ich ganz wunderschön.

auf der ranch & zurück

Herr A. öffnet die Tür und wir treten ein – wir machen uns fix bekannt, Herr N. ist nämlich noch garnicht da und so stehen wir vor einigen fremden Gesichtern. Herzlichst werden wir willkommen geheißen und uns wird direkt die gesamte Ranch gezeigt. Neben Ziegen, Schweinen und Ponys gibt s auch Katzen und eine urgemütliche Sitzecke um all das zu genießen.

Bei von Herrn N. gebrautem Bier und einigem Grillfleisch plaudern wir bis in die Nacht hinein und trennen uns dann, schließlich steht uns noch der Rückweg bevor. Der Bierbrauer begleitet uns ein Stück und den Rest finden wir ganz alleine zurück ins Hostel. Dort genießen wir eine Mütze Schlaf und am Morgen heißt es Abschied nehmen. Tschüss Ruhrgebiet – wir fahren fix in die Heimat, denn mein Bruder lädt zum Stelldichein. Wohnungseinweihung und Geburtstag warten darauf gefeiert zu werden.

mittagsschlaf im hostel

Vom Kreuzviertel geht es wieder zurück zum Hostel, aber nicht ohne noch durch ein Einkaufszentrum zu schlendern – abgesehen von einem Buch kaufe ich nix und, oh wunder, esse auch nichts.

Im Hostel angekommen lese ich wieder einige Bukowski-Kolumnen, döse etwas und futtere dann unten in der Lobby eine fantastische Pizza.
Herr N. hat mir die Adresse der kleinen Ranch von Herrn A. geschickt. Ist in etwa doppelt so weit wie zum Kreuzviertel und somit zu Fuß unbedingt machbar. Der Weg dorthin führt uns wieder ein Stück durch die Innenstadt, erneut durch das Kreuzviertel und dann in den Westen Dortmunds. Sonderbar schön ist es auch hier nicht – nichts als Reihenhäuser! Nach rund 40 Minuten sind wir auch schon da und ich linse etwas ungläubig über den Zaun.

kreuzviertel dortmund

Herr N. meinte, ich solle ins Kreuzviertel – schön ist es dort, es gäbe nette Cafés und soweit weg von der Innenstadt sei es nicht.
Nach dem gestrigen Ruhetag nach der Fahrt sind die Beine längst wieder erholt und wir marschieren los. Vorbei an den öden Fußgängerzonen geht es ins besagte Kreuzviertel. Soll wohl Dortmunds Szeneviertel sein – mächtig angesagte Gegend. Schön, schön.

Angekommen muss ich dem beipflichten, es lässt sich tatsächlich herrlich Flanieren hier, Block um Block ist urgemütlich, die Gehwege werden gesäumt von tollen Cafés und Kneipen und wir kommen nach den vielen Kilometern natürlich nicht umhin ein Tässchen Tee zu schlürfen. Hier erreicht mich wieder eine Nachricht von Herrn M. – wielange wir denn hier seien und ob wir Bock hätten auf einen „Männerabend“ auf der Miniranch. Ööööhm, hört sich doch gut an also fix zugesagt und somit steht das Abendprogramm auch schon fest.

willkommen in dortmund

Am Morgen erwache ich, bin etwas säuerlich wegen des unbequemen Bettes und mache mich fix frisch. Dann geht es los – Dortmund erkunden. Auf Dortmund fiel die Wahl, weil ich hier einfach noch nie war. Vom Hostel aus laufen wir in die Innenstadt, gehen Frühstücken und dann erreicht mich eine Nachricht von Herrn N.

Herr N. hat über eine Facebookgruppe spitz gekriegt, dass ich in Dortmund bin und mich direkt mit Tipps eingedeckt, wo ich denn hin solle und wo besser nicht. Die Innenstadt solle ich meiden, sagt er. Glücklicherweise bin ich mitten drin & muss ihm beipflichten. Schön geht anders. Dortmund hat nach dem großen Krieg irgendwie verpasst sich attraktiv zu gestalten.

vom regen in die traufe

Nun haben wir rund 300km vor uns und in Holland geht’s fix in ein Fastfoodrestaurant. Von Meter zu Meter wird der Regen weniger und im Ruhrgebiet angekommen könnte man schon fast von gutem Wetter sprechen. Angesichts dessen, dass im Grunde ausnahmslos alles nass ist und ich keinen Bock mehr habe im Siff zu pennen hüpfe ich in ein Hostel und handle einen fairen Preis aus.

Den Kadett stelle ich gegenüber in ein günstiges Parkhaus und dann beziehen wir unser kleines Zimmer. Nach den hunderten Kilometern Fußmarsch, der klirrenden Kälte und dem elenden Nass ist das unbequeme Bett eine Wohltat. Verlassen werde ich es heute nicht mehr – Netflix kümmert sich um ein wenig Unterhaltung und wir dösen den restlichen Tag so vor uns hin. Für Morgen ist dann auch verhältnißmäßig gutes Wetter gemeldet.