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konfettiabriss

Die Parkplatzwächter sind sichtlich verwirrt, dass schon die ersten Gäste erscheinen. So kriegen wir natürlich auch den ersten Parkplatz zugewiesen und dieser befindet sich direkt am Eingang. Ideal! Schnell ist ein Wein entkorkt, die Musik dröhnt aus den Boxen und wir pflegen schon wieder die ersten Ruhrpottbekanntschaften. Schon wieder wird mir nahegelegt die Niederrheiner nicht mit den Ruhrpottlern zu verwechseln. Egal, meine Ohren sind taub. Als langsam Regen aufzieht, baue ich aus dem Dachzelt und einer Plane eine trockene Komfortzone mit herrlichen Blick auf die Gäste, die da mitten im Regen Schlangestehen. Ich kapier es nicht – warum stelle ich mich dort an, wenn das Konzert erst in gut fünf Stunden beginnt?

Den Leuten aber gefällts, schließlich versorgen wir sie alle mit guter Musik, leckerem Likör und die Damen mit Klopapier fürs Dixie. Selbst Mütter gehen bei uns nicht leer aus, denn deren Kinder versorgen wir stets mit Konfetti und den Worten dass sich die Mutti freut, wenn das in alle Ecken und Ritzen drängt. Höhö. Ein Riesenspaß und als wir dann zusammenpacken um auch auf das Konzert zu gehen, kommt richtig Stimmung auf. Wir haben glücklicherweise „Front-of-Stage“ Tickets und können uns dort im Pogorausch sämtliche Knochen zertrümmern. Deichkind spielt eine unglaublich grandiose Show, es macht wie immer Spaß ohne Kompromisse und Herrn K. verliere ich ganz anders als gewohnt erst nach der ersten Hälfte.

Nach dem Konzert wird mir erst die Tragweite unserer kleinen Pre-Parkplatzparty bewusst, denn beinahe jeder erkennt mich & ständig möchten die Leute sich für unserer Bewirtung revangieren. Ehe meine Leber explodiert suche ich dann das Weite und gehe wieder zum Auto. Auch dort warten bereits einige unserer neuen Freunde und wir sitzen noch ein paar Stündchen beisammen, bis schließlich auch wir zurück in unser Hotel wandern. Den Late-Checkout kosten wir dann natürlich bishin zur letzten Sekunde aus, Frühstücken ein wenig und dann heißt es schon Abschied nehmen. Die Autobahnen sind leider unfassbar voll und wir brauchen doch tatsächlich über 9 Stunden bis wir zu Hause ankommen & weil das Konzert so spitze war, reift in unseren Köpfen bereits der Gedanke auch auf das nächste zu fahren. Für Deichkind war noch nie ein Weg zu weit.

mönchendeichkind

Im Hotelzimmer stinkt es ganz fürchterlich nach Verwesung und es wird Zeit aufzustehen. Wir packen zusammen und haben doch Lust auf Frühstück. Im B&B-Hotel ist das aber eher ein ganz schlechter Witz, also lassen wir es. Stattdessen fahren wir geschwind in die Innenstadt – Herr K. bekommt nun endlich eine Jacke und dann fahren wir weiter in unsere Bleibe für diese Nacht. In unmittelbarer Umgebung zum Borussia Mönchengladbach-Stadion habe ich ein kleines Hotel gefunden, welches offenbar ganz familiär geführt wird und für uns heute Abend ideal ist. Wir checken ein, bekommen alles gezeigt und auf meine Frage, wo man denn gut Essen könnte wird uns die Sportsbar der Borussen nahegelegt.

Also geht’s zum Stadion. Von Fußball halte ich bekanntlich ja nix und merke auch überhaupt nicht, dass die erste Mannschaft von Mönchengladbach gerade unseren Weg kreuzt und nun trainiert. Das Essen in der Sportsbar ist tatsächlich hervorragend und dazu auch noch preiswert. Wir bekommen nach einiger Verwirrung sogar einen Heferuss kredenzt und mit vollen Mägen marschieren wir noch in den Fanshop. Wenn ich schon hier bin, muss schließlich auch ein Borussia-Aufkleber auf die Haube! Das Training der Mannschaft ist ein Öffentliches, also können wir zusehen. Als Herr K. jedoch die Mannschaft mit der des 1. FC Kölns verwechselt, schwappt uns eine unbändige Welle des Hasses entgegen und es ist Zeit zu verschwinden.

Nun fahren wir noch ein kleines Stück weiter zum ehemaligen Hockeystadion. Im Stadtsparkassen-Park spielt heute nämlich Deichkind und aus genau diesem Grund sind wir hier – wenn auch 7 Stunden zu früh. Mit der Zeit wissen wir aber für gewöhnlich ja umzugehen.

qualitytime

Heute steht schon der Herr K. in aller Frühe vor der Türe und nimmt Platz im Kadett. Gemeinsam geht es auf die Autobahnen gen Nordwest. Wir gönnen uns ein paar Tage Unvernunft und großen Spaß. Der Verkehr fließt ganz angenehm und nach nur sechs Stunden sind wir bereits in Mönchengladbach angekommen. Zuerst geht es in unser Hotel. Für die heutige Nacht haben wir uns für ein B&B nahe der Stadtmitte entschlossen. Die Rezeptionisten fragen wir nach Sehenswürdigkeiten, guten Bars, schönen Festen und all solche Dinge, die man bei einem Städtetrip eben so mitnehmen mag. Statt Antworten ernten wir nur Mitleid und den Tipp doch einfach nach Düsseldorf oder so zu fahren. In Mönchengladbach gibt es nichts. Nur einen heißen Tipp hat er parat – eine Straße mit vielen Bars und Clubs in der Innenstadt – da soll wohl auch was los sein.

Wir checken ein, werfen Krempel aufs Zimmer, verschnaufen einen Moment und sitzen anschließend noch ein bisschen am Kadetten und trinken ein kühles Bier. Dann geht’s zu Fuß in die Stadt, Herr K. hat neulich auf dem Schwörmontag seine letzte Jacke verjubelt und nun friert es ihn ganz fürchterlich. Ein paar Dinge könnte ich auch gebrauchen, werde aber in keinem der unzähligen Läden fündig. Auch Herr K. geht mit leeren Händen weiter und nun geht es in die Waldhauserstraße. Gleich in der ersten Bar versuchen wir unser Glück und bestellen lokale Biere. Schmeckt fürchterlich. Ein selbstgebrautes, naturtrübes Pils. Wenn man Stunden später aufstoßt, hat man noch immer den beißenden Ekelgeschmack im Munde. Unfassbar.

Nun geht’s weiter auf das Waldhausfest – ein kleines Kulturfest in der Fußgängerzone der Waldhausenerstraße. Irgendeine Jugendband spielt ganz fürchterlichen Rock – ich frage mich immer wieso solch junge Typen ständig über’s Leben, Verflossene und alte Zeiten singen. Total authentisch. Der Jack-Cola vom Kiosk nebenan machts etwas erträglicher & dann geht es auch schon in die nächste Kneipe. Die ganze Nacht verbringen wir in etwa so, stolpern von Kneipe zu Kneipe und lernen eine Menge Gladbacher kennen. Die sind alle auch total nett, reagieren aber recht allergisch darauf, wenn man sie immerzu als Ruhrpottler bezeichnet.
Als wir schließlich genug haben, geht’s an den Taxistand. Das erste Fahrzeug in der Schlange nimmt uns ums Verrecken nicht mit, ist der Dame „zu kurz, da verdiene man nichts“. Beim zweiten Taxi blitzen wir wieder ab, wohlgemerkt bei einer Strecke von 3-4km. Ich überlege kurz ob ich die zwei Idioten schwer beleidigen soll und beschließe dann stattdessen einfach das letzte Taxi in der Schlange zu nehmen und nach kurzer Schilderung der Situation sind wir uns ein einig, dass die beiden von ihrer Pflicht nix verstehen und sowie asozial sind. Wohlbehalten kommen wir ins Hotel und schon bald schlummere ich ganz wunderschön.

auf der ranch & zurück

Herr A. öffnet die Tür und wir treten ein – wir machen uns fix bekannt, Herr N. ist nämlich noch garnicht da und so stehen wir vor einigen fremden Gesichtern. Herzlichst werden wir willkommen geheißen und uns wird direkt die gesamte Ranch gezeigt. Neben Ziegen, Schweinen und Ponys gibt s auch Katzen und eine urgemütliche Sitzecke um all das zu genießen.

Bei von Herrn N. gebrautem Bier und einigem Grillfleisch plaudern wir bis in die Nacht hinein und trennen uns dann, schließlich steht uns noch der Rückweg bevor. Der Bierbrauer begleitet uns ein Stück und den Rest finden wir ganz alleine zurück ins Hostel. Dort genießen wir eine Mütze Schlaf und am Morgen heißt es Abschied nehmen. Tschüss Ruhrgebiet – wir fahren fix in die Heimat, denn mein Bruder läd zum Stelldichein. Wohnungseinweihung und Geburtstag warten darauf gefeiert zu werden.

mittagsschlaf im hostel

Vom Kreuzviertel geht es wieder zurück zum Hostel, aber nicht ohne noch durch ein Einkaufszentrum zu schlendern – abgesehen von einem Buch kaufe ich nix und, oh wunder, esse auch nichts.

Im Hostel angekommen lese ich wieder einige Bukowski-Kolumnen, döse etwas und futtere dann unten in der Lobby eine fantastische Pizza.
Herr N. hat mir die Adresse der kleinen Ranch von Herrn A. geschickt. Ist in etwa doppelt so weit wie zum Kreuzviertel und somit zu Fuß unbedingt machbar. Der Weg dorthin führt uns wieder ein Stück durch die Innenstadt, erneut durch das Kreuzviertel und dann in den Westen Dortmunds. Sonderbar schön ist es auch hier nicht – nichts als Reihenhäuser! Nach rund 40 Minuten sind wir auch schon da und ich linse etwas ungläubig über den Zaun.

kreuzviertel dortmund

Herr N. meinte, ich solle ins Kreuzviertel – schön ist es dort, es gäbe nette Cafés und soweit weg von der Innenstadt sei es nicht.
Nach dem gestrigen Ruhetag nach der Fahrt sind die Beine längst wieder erholt und wir marschieren los. Vorbei an den öden Fußgängerzonen geht es ins besagte Kreuzviertel. Soll wohl Dortmunds Szeneviertel sein – mächtig angesagte Gegend. Schön, schön.

Angekommen muss ich dem beipflichten, es lässt sich tatsächlich herrlich Flanieren hier, Block um Block ist urgemütlich, die Gehwege werden gesäumt von tollen Cafés und Kneipen und wir kommen nach den vielen Kilometern natürlich nicht umhin ein Tässchen Tee zu schlürfen. Hier erreicht mich wieder eine Nachricht von Herrn M. – wielange wir denn hier seien und ob wir Bock hätten auf einen „Männerabend“ auf der Miniranch. Ööööhm, hört sich doch gut an also fix zugesagt und somit steht das Abendprogramm auch schon fest.