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abschiedstour #8

Nachdem wir uns nun rund 1000 rostige Kisten angesehen haben, fahren wir über Schotterpisten weiter nach Norwegen. Die Grenze passieren wir mitten im Wald, fahren noch ein wenig spazieren und kehren dann schließlich um. Immerhin war der totgeglaubte Volvo jetzt noch in Norwegen!

Langsam neigt sich unsere Tour dem Ende entgegen und so fahren wir zurück nach Vänersborg, halten unterwegs noch in einer Shoppingmall und ich bekomme zumindest ein kleines Geburtstagsgeschenk. Wunderbar!

In Vänersborg verbringen wir eine letzte Nacht und fahren am Morgen dann in typischer Manier zu unserem nächsten Ziel in Deutschland. Marc von Whatabus ist gerade zu Besuch bei Vasco und bastelt an seinem neuen Whatabear herum. Am Abend findet auch eine Feier beim Motorradclub statt und so trifft es sich doch ganz gut dass wir nach 10 Stunden Fahrt pünktlich in Hannover ankommen. Wir sind wieder die Brücken gefahren und haben Fähren gemieden – der Volvo hielt lässig durch und so Feiern wir alle gemeinsam in Hannover und verbringen dann die Nacht im Ducato-Camper.

Am Morgen gibt’s noch Frühstück, die Männer gehen an die Arbeit und wir scheuchen den Volvo nun nach Hause. Nächste Woche wird er dann abgemeldet, der TÜV ist längst abgelaufen und einen Käufer habe ich auch schon gefunden. Der Kadett stand nun den gesamten Juli und wurde nur 20km bewegt – sowas gab’s auch noch nie.

is ja nett hier

Es ist mal wieder Mitternacht und ich bugsiere mich in den Kadetten. Mit einem Schlenker über Ludwigsburg fahren wir heute Nacht nach Gifhorn, denn da spielen morgen Abend die Herrschaften von Liedfett ein Konzert. Natürlich dürfen wir da nicht fehlen. Die Fahrt zieht sich elendig lange und am frühen Morgen sind wir schließlich in Gifhorn angekommen. Erster Anlaufpunkt ist ein schnelles Frühstück und dann gehen wir noch in einen Baumarkt. Dort kaufen wir uns neue Klappstühle und fahren dann mal in Richtung unseres Hotels.
Das ist recht günstig gelegen, denn gleich nebenan ist ein netter Wanderparkplatz mit einem Bach im Nacken. Hier lässt es sich ganz gut aushalten und so verharren wir bei schönstem Wetter an diesem tollen Stück Erde. Bei guter Musik und herrlichen Kaltgetränken aus der Kühlbox vergessen wir sogar beinahe einzuchecken.

Ehe es dann zum Konzert geht checken wir doch noch ein und fragen uns einmal quer durch die Stadt nach einer Dönerbude. Klappt soweit ganz gut, der Döner aber schmeckt leider nicht so toll. Nunja, man kann wohl einfach nicht alles haben. Dann geht es zum Konzert, da müssen wir einmal querfeldein durch den Wald marschieren und finden den Kultbahnhof dann beinahe auf Anhieb. Ein paar Leute sind auch schon dort, wir verquatschen uns ein wenig und ordern uns ein wenig Bier an der Bar.
Schon nach dem ersten Lied ist uns klar, dass wir das vermutlich nicht überleben. Trotz der wahnsinnig wenigen Leuten ist es hier im Club unglaublich stickig und unerträglich heiß. Tut der Party jedoch keinen Abbruch und die Jungs von Liedfett hauen mal wieder ordentlich auf den Putz. Auch wenn die Stimmung, der Ton und das Drumherum nicht ganz an die letzte Tour herankommen, macht es wieder tierisch Spaß und nach dem Konzert versorgt uns der Kultbahnhof noch ein Weilchen mit Kaltgetränken und Pizza, bis wir schließlich das Weite suchen.

Tags drauf plündern wir so gut es geht das erstaunlich fabelhafte Frühstücksbuffet und fahren anschließend gemütlich nach Braunschweig, wo wir schon erwartet werden. Wir sitzen ein wenig im Garten, genießen kalte Getränke und so endet unser Kurzbesuch auch wieder recht schnell, denn ich habe noch etwas in Heilbronn zu erledigen und die Sehnsucht nach einer Ruhepause ist auch ganz groß.

krönender abschluss

Zu Hause angekommen verbringe ich eine wohltuende Nacht in meinem Bett und Mittags steht plötzlich Herr B. auf der Matte. Im Vorfeld hatten wir schon überlegt noch nach Hannover zu fahren, ich sagte jedoch ab weil ein Päuschen mir nicht schaden täte. Nun, wie wir da sitzen, macht sich aber doch Lust auf einen kleinen Roadtrip breit und wir packen kurzerhand das Nötigste zusammen. Schon steige ich in den VW T3 & genieße es sehr nicht fahren zu müssen.

Nach Hannover kommen wir, weil dort morgen das wohl größte VW-Käfer & Co. – Treffen stattfindet. Tausende Käfer, Bullis und andere alte VW versammeln sich hier immer und geben sich ein Stelldichein. Am späten Abend kommen wir in der Landeshauptstadt an und fahren direkt zu einem Hotspot von früher. Dort fand immer die „Cruisin Night“ statt, wo man am Straßenrand allerlei Altblech zu sehen bekam. Im Laufe der Jahre ist das wohl immer mehr ausgeartet und heute steht überall Polizei und hält die Mengen im Zaum. So fahren wir recht schnell weiter zum eigentlichen Treffengelände, wo morgen die Toren geöffnet werden. Wir parken direkt am Eingang auf einem Grünstreifen, richten das Bullibett her, öffnen eine Flasche Wein und feiern ein wenig bis wir recht erschöpft ins Bett fallen.

Am Morgen wecken uns Tausende luftgekühlte Volkswagen, alle knattern sie auf das Treffen und stehen Schlange. Auch wir stellen den Bus auf das Veranstaltungsgelände und stürzen uns dann in das Gewusel etlicher Menschen und alter Autos. Das Treffen scheint aus allen Nähten zu platzen, der Ansturm ebbt nicht ab und wir schlendern derweil über den Teileflohmarkt. Abgesehen von einem kleinen Kadett-Modellauto kaufen wir nix und schauen uns den restlichen Tag schöne Fahrzeuge an, essen unentwegt und fahren zu späterer Stund‘ dann nach Hause. Die Heimfahrt dauert rund 6 Stunden und auf der gesamten Tour kamen nun schon 10.000km zusammen – Grund genug nun abzubrechen und zu Hause erstmal zu entspannen, Eindrücke zu verarbeiten und mal die Wäsche zu waschen.

organspender gesucht

Mein Navi füttere ich mit der Zieladresse und frage nach dem kürzesten Weg. Das verspricht viele nette Sträßchen. Mein Ziel befindet sich irgendwo im Nirgendwo zwischen Hannover und Bremen. Ich fahre durch Dörfer die so winzig sind, dass man sie kaum wahrnimmt. Alle Häuser sehen sich ähnlich und plötzlich stehe ich vor einer wunderschönen Windmühle.

Schließlich komme ich lediglich 4 Stunden zu spät – Herrn H. habe ich von unterwegs aber informiert und mit dem letzten Tageslicht begutachte ich die Ware meines Begehrens. Seit langem schon halte ich Ausschau nach vier neuen Türen für meinen Kadetten. Hier bin ich nun fündig geworden und hoffe inständig, dass vier Kadett-Türen auch in einen Kadett hineinpassen, denn 1.300km Fahrt dürfen keinesfalls für die Katz sein.

Juhu – alle vier Türen sind verstaut und wir plaudern noch ein Weilchen, ehe ich mich auf den Rückweg mache. Stopps sind keine mehr geplant – ich möchte eigentlich nur schnell nach Hause, damit gleich morgen die neuen Türen verbaut werden können. An einer Tankstelle halte ich dann doch. Die Schlange ist elend lange, aber nur an zwei Zapfsäulen. Haben die alle ihren Tankstutzen auf der linken Fahrzeugseite? Nunja, ich auch. Der Kadett jedoch verfügt über einen Rückwärtsgang und so tanke ich unter hasserfüllten Blicken das Auto voll. Ich bezahle und gehe noch auf die Toilette. Zurück am Kadett hat sich die Schlange noch immer nicht bewegt. Ein freundliches Lächeln kann ich mir nicht verkneifen.
Nach einigen Kilometern halte ich an einem Rasthof um meinen Hunger zu stillen. Das Restaurant platzt aus allen Nähten. Sind in Dänemark die Ferien ausgebrochen? Überall sind Kinder. Manche sind inkontinent, einige sabbern und beinahe alle sind furchtbar laut. Nur die Teenager nicht, die starren in ihr Smartphone. Ich schlinge mein Mahl in mich hinein und verschwinde so schnell ich kann – 7 Stunden später erreiche ich dann endlich den Heimathafen.

hannoversche gummiwerke

Nun fahre ich einmal quer durch Hannover und nehme den Weg durch die Innenstadt. Für eine Besichtigung hätte ich zwar Zeit, aber das Wetter lädt nur wenig dazu ein. So werfe ich einen Blick auf die ganze Stadt und komme schließlich bei der ehemaligen Continental Fabrik an. In Hannover-Limmer gelegen war es einst ein rießiges Areal mit unzähligen Hallen. Großteils vom Krieg verschont wurde hier bis 1999 gearbeitet.

Der denkmalgeschützte Turm steht noch heute sowie eine Fabrikhalle. Schon vor Jahren galt der Ort als Treffpunkt für jung & alt, Graffitikünstler und Vandalen. So wundert es kaum dass die Halle in entsprechendem Zustand ist. Fenster gibt es längst keine mehr und man sucht vergebens nach intakten Wänden. Der Rest wurde 2009 abgerissen und nun sollen dort wohl irgendwann einmal Wohnungen entstehen.

Die Stadt war sehr bemüht das Gebäude unzugänglich zu machen, scheiterte aber an allen Fronten. Wer nicht ganz blöde ist, kann sich dort in aller Ruhe umsehen. Ich muss aber dazu sagen – es lohnt sich nicht. Abgesehen von Dreck, Unrat und Schmierereien findet man nicht allzuviel. Blendet man aber die Sauereien etwas aus kann man sich ganz gut vorstellen wie vor über 100 Jahren hier produziert wurde. Architektonisch ein Leckerbissen, wenn auch kaputtrandaliert. Nun habe ich nasse Füße und bin von oben bis unten eingesaut. Also hinein in den Kadett und weiter in Richtung Bremen.

expo war gestern

Am litauischen Pavillon angekommen bin ich schon wieder etwa entsetzt. Als ich das letzte mal Bilder von hier gesehen habe, war es noch deutlich besser um das Gebäude gestanden. Es ist so schade dass beinahe jedes verlassene Gebäude von irgendwelchen Deppen zerstört wird. Einen Zugang zum Gebäude gibt es auch und ich sehe mich mal um.

Dort drinnen ist es unvorstellbar widerlich. Der Geruch sehr streng und das Licht nur fahl. Überall liegt Unrat und man muss ständig aufpassen nicht auf Hinterlassenschaften zu treten. Als ein Feldhase durch den Gang flitzt erleide ich einen kleinen Herzinfarkt und beschließe wieder zu gehen. Einen solch verwüsteten Ort zu erkunden macht einfach keinen Spaß. Auf jeder Mülldeponie sieht es schließlich genauso aus.

Weiter zum spanischen Pavillon. Oder was davon übrig ist. Eine traurige Geschichte. Erst letztes Jahr wurde ein Käufer für den leerstehenden Komplex gefunden. Ein Oldtimermuseum sollte wohl hinein. Einen Tag nach Vertragsabschluss haben ein paar Vandalen mal wieder das Gebäude in Brand gesteckt. Ob absichtlich oder nicht – es ist eine Sauerei. Das Gebäude brannte im September dann lichterloh und war nicht mehr zu retten. Also wurde recht zeitnah mit dem Abriss begonnen. Heute kann ich dabei sogar noch zusehen. Die Bagger leisten ganze Arbeit – es ist fast nichts mehr da.

Nun schlendere ich noch zum Expowal und sehe ihn mir an. Sieht fürchterlich aus. Nicht weil er verlassen ist sondern weil er einfach furchtbar aussieht. Heute ist dort eine Eventlocation drin und drumrum ganz viel Baustelle und Brachland. Es wird Zeit zu gehen.