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rabat

Nun haben wir es bis nach Rabat geschafft! Wir haben die Autobahn genommen und auch ein wenig Maut dafür bezahlt – dafür ging es zügig und es war stinklangweilig!
In Rabat hätte ich mir gern ein Automobilmuseum angesehen, jedoch konnte ich es nicht finden. Auch ein Polizist konnte mir nicht helfen, erkundigte sich aber wie es mir in Marokko gefalle und hieß mich herzlichst willkommen.

Wenn ich kein Museum bekomme fahren wir eben weiter in die Stadt hinein. Am Hassanturm parke ich den Kadetten und zu Fuß erkunden wir das Gelände und das Mausoleum von Mohammed V. Ein beeindruckender Bau und furchtbar geschichtsträchtig ist es hier obendrein. Nichts wie weg.
In der Medina irren wir durch die engen Gassen und den Souks schenken wir nur wenig Aufmerksamkeit. Es ist halt doch immer dasselbe und mir gefällt es in der Medina fernab der Händler sehr viel besser. Auch wenn die Marokkaner sowie Frau M. nicht verstehen warum man gerade hier sehr viel schöner Schlendern kann.

In der berühmten Kashba Rabats schlürfen wir noch einen Tee und verziehen uns dann wieder in ruhigere Gefilde.

urlaub vom urlaub

Von der furchtbaren Luft am Atlantik wollte ich zügig weg und so sind wir auf die Autobahn, haben den Atlas überquert und unterwegs wusste ich erstmal nicht wohin. Wieder ins Landesinnere? Thodraschlucht und dann gemütlich gen Norden? Oder doch an der Küste entlang? Da gibt es auch noch manches, das ich mir gern ansehen täte.

Wer die Qual der Wahl hat, der pausiert am besten! So verbrachten wir ein paar Tage nördlich von Marrakech. Es kam wieder Urlaubsstimmung auf! Wir zogen Bahnen im Pool, hatten wieder viel zu lesen und die Sonne tat ihr Übriges.
Alleine zog ich zweimal ins nächste Dorf und war mal wieder erstaunt, wie offener und kontaktfreudiger die Marokkaner sind, wenn man keine Begleitung hat.
So nahm ich in fremden Wohnzimmern platz und fuhr auf einem klapprigen Mofa über den vollbesetzten Marktplatz – das fand meiner neuer Freund völlig normal & schließlich sei es der schnellste Weg zu meinem Wunschziel gewesen.

In der Zwischenzeit habe ich mich auch entschieden – wir fahren vorerst in Richtung Rabat und sehen dann weiter, jetzt aber genießen wir noch einen Tag hier im kleinen Paradies.

meer ist weniger

Mit schaltbarem Fahrzeug ging es weiter in Richtung Agadir. Die Kupplung muss unbedingt aber noch vernünftig eingestellt werden. Das lasse ich dann aber in Deutschland machen. Wozu auch gleich, wo ich mich doch noch ein paar Tausend Kilometer darüber aufregen kann.

Nördlich von Agadir haben wir es uns an der Küste gemütlich gemacht, aber schon die Fahrt durch die Stadt war der pure Horror. Nicht des Verkehres wegen, sondern weil es mir dort überhaupt nicht gefällt. Alles unschön zugebaut und so „neu“.
Auch die Hitze war recht unerträglich, selbst in der Nacht kühlte es überhaupt nicht ab und ich lief nur noch nackt durch Gegend. Frau M. empfand das auch als weniger gut und so machten wir uns schnell wieder vom Acker.
Natürlich nicht ohne mal die Beinchen in den Atlantik geworfen zu haben. Der wirkte mir dann doch aber ein wenig zu kalt & die Luft um uns herum war furchtbar geschwängert von Sand & Staub, sodass nur wenig Spaß aufkam.

patt problem!

In einem Vorort von Taroudannt halte ich schließlich an einer Tankstelle mit Werkstatt – er kann nicht helfen und schickt mich in die Stadt. Dort angekommen nochmal dasselbe Spiel und beim dritten Versuch einige ich mich mit dem Chef der Reifenwerkstatt auf „patt problem!“ und er klemmt sich hinters Telefon. Den Kadetten lasse ich derweil mitten auf der Straße stehen und warte keine 5 Minuten, bis ein junger Bursche vorbeikommt, nicht lange fackelt und den kaputten Kupplungszug ausbaut.

Die Überreste übergibt er mir und sagt, ich solle einen neuen besorgen. So schnell er kam, ist er auch schon wieder verschwunden. Eigentlich hatte ich auf eine afrikanische Lösung gehofft – aber einen neuen Kupplungszug? Für einen Opel Kadett? In Marokko? Beim ersten Teiledealer frage ich nach – sie schüttelt heftigst den Kopf, empfiehlt mir aber einen Laden ein Stück weiter. Dort angekommen sehe ich in diesem winzig kleinen Laden allmöglichen Müll, mit dem man sein Auto verzieren kann, aber reingarnichts, das bei einer Autoreparatur nützlich sein könnte. Er guckt den Zug an, identifiziert ihn als Opelteil noch ehe ich etwas sagen kann und dreht sich um – mehr Platz bietet der Laden nicht. Er zieht einen neu verpackten Kupplungszug aus einem Müllhaufen, vergleicht die beiden und siehe da – es ist genau der, den ich brauche. Auf dem Etikett steht „Opel Kadett“. Ich bin ganz baff und komme mir etwas schäbig vor, als ich um den Preis feilsche. Mehr als 2DH kann ihn aber nicht drücken – wir beide scheinen ganz genau zu wissen dass ich ihn so oder so kaufen werde. Lächerlich günstig war er aber trotzdem.

Zeitgleich mit dem Mechaniker treffe ich am Auto ein und er baut ihn mit seinem Kollegen mitten auf der Straße eben ein, wir einigen uns auf einen fairen Preis für seine Dienste und ich fahre davon.

Der ganze Spaß inkl. Teilebeschaffung hat gerademal 45min. gedauert. „Patt Problem!“ in seiner Höchstform & nie im Leben hätte ich daran geglaubt, irgendwo in Nordafrika einen Kadett Kupplungszug zu finden. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, es mit DHL Express abzuwickeln.

tizi n‘test opfer

Nun kehren wir endlich Marrakech den Rücken und fahren über den Hauptatlas nach Agadir. Die Passstraße geht auf über 2000m und schlengelt sich unter anderem an Marokkos höchsten Berg vorbei.

Großteils ist die Straße nur einspurig und stellenweise unbefestigt. Zahlreiche Erdrutsche und die harten Winter hinterlassen eine recht abenteuerliche Strecke.
Insgesamt sind es rund 100km und wie es der Teufel will vernehme ich bei den ersten Kilometern einen unschönen Schlag und mein Kupplungspedal macht die Fliege.
Der Kupplungszug ist gerissen und wie soll es auch anders sein – direkt vor einer Kehre wo es steil nach oben geht. Ich kann uns noch in eine Bucht retten und suche auf der Straße schonmal die Überreste. Kurz überlege ich und komme recht schnell zu dem Schluss, dass ich ohnehin nix machen kann. Ich habe weder Werkzeug dabei, noch Ersatzteile oder gar praktisches Gedöns wie Draht.

So beschließe ich dass wir den Pass eben ohne Kupplung fahren – dann kann sich mein Linker Fuß ausruhen und mit Zwischengas, etwas Gefühl und manchmal roher Gewalt schaffen wir das locker.
Die Strecke ist bombastisch, hinter jeder Kehre zeigt sich ein neues Landschaftsbild und die Aussichten sind spektakulär! Wahnsinnig schade dass wir nicht einfach so anhalten können um all das zu genießen – fast den gesamten Pass fahren wir im Dritten Gang und ich quäle den alten Knaben so gut es geht. Angefahren wird mit Kraft des Anlassers, gebremst am besten nie und das letzte Stück bis ins nächste Städtchen kann ich sogar bis in den 5. schalten – tatsächlich hält uns so gut wie nichts auf.

wegzehrung

Den neuen Tag starten wir am Supermarkt. Hier soll es einen großen Carrefour geben. Den Kadett fix ins Parkhaus gestellt und hinein ins Vergnügen.
Blöd nur, dass hier alles so unglaublich teuer ist. Getränkevorräte und Lebensmittel werden aufgefüllt und ehe ich mich versehe kostet der Spaß 60,-€. Tolle Wurst, absofort kaufen wir wie gehabt nur noch am Straßenrand. Ist wesentlich billiger und man erlebt wenigstens etwas.

Wie ich den Kadett belade fällt mir mal wieder Benzingeruch auf – ein Blick unters Auto verrät auch wieso. Wenn vollgetankt ist scheint er inkontinent. Ist mir in Spanien schon merkwürdig vorgekommen und nun spricht die Pfütze unterm Tank Bände. Also tanke ich vorerst mal wieder nicht mehr voll – wie in guten alten Zeiten.

Die Stunden vergingen ganz schön schnell – wir wollen heute noch über den Hauptatlas in Richtung Atlantik. Als ideale Route habe ich den Tizi n‘Test-Pass ausgewählt. Soll wohl ganz arg spektakulär sein. Das genau Richtige!
8std Fahrt habe ich eingeplant, also wird es Zeit durchzustarten, sodass wir noch bei Tageslicht ankommen.