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auf eigener achse ins ziel

Mit Blick auf die Uhr wird mir ganz anders. Der Tag neigt sich langsam dem Ende und wir sind noch immer ganz in der Nähe von Florenz. So beginnt dann das ersehnte Kilometerfressen. Am Gardasee vorbei, auf dem Brenner gönnen wir uns mal wieder eine deftige Mahlzeit und verabschieden uns bei der Gelegenheit direkt von den lieben Saarländern. Wir fahren zwar dieselbe Route, aber Herrn P. krampft der Gasfuss. Ich kann es verstehen – immerhin haben sie es noch ein gutes Stück weiter als wir.

Auf dem Fernpass kommt es mir beinahe hoch – ich sehe nichts, es schneit wie von allen Sinnen. Spaß hab ich plötzlich keinen mehr. Hinzu kommt, dass das merkwürdige Geräusch schon wieder schlimmer geworden ist. Inzwischen bekomme ich auch viel Feedback aufs Lenkrad und hoffe inständig, dass wir ankommen. Die A7 fahren wir dann noch ganz gemütlich durch und in Heidenheim werfe ich Herrn M. raus. Eine Straße weiter hat sich das Geräusch in ein übles Schlagen entwickelt. In Schrittgeschwindigkeit geht es weiter. Wie ich in meine Straße einbiege, tut es einen Schlag. Ach du Scheiße! Sofort is klar – mir ist die Antriebswelle weggebrochen. Ich fass‘ es nicht! Frau T. steigt mit aus und wir schieben die Karre bis vors Haus. Feierabend, soll sich der Zukunftsalex um den Dreck kümmern. Ich verabschiede Frau T. – sie muss nun noch nach Ludwigsburg – und gehe dann einfach mal ins Bett.

arrivederci, firenze!

Herrje, diese Nacht kam mir jetzt aber besonders kurz vor. Was tut man nicht alles in jungen Jahren. Die meisten sind bereits wach und machen sich auf den Weg nach San Marino. 7 Leute – ich gehöre dazu – haben sich spontan gegen San Marino entschieden. Ich habe einfach keinen Bock und dieses merkwürdige Geräusch vom Auto ist noch immer präsent, da schadet es sicher nicht wenn ich mir 400km spare.

Also machen wir gemütlich, packen in Ruhe und spazieren zum Auto. 10km entfernt von Florenz treffen wir uns, befreien den BMW vom Schmutz und gehen dann auf große Shoppingtour. In einem großen Supermarkt decken wir uns mal wieder mit Lebensmitteln ein und denken dabei natürlich auch an unser baldiges Autobahnpicknick.

Schon nach einigen Kilometern Autobahn findet dieses dann statt, denn Herrn R. muss ich mittels Lichthupe zum Halten zwingen. Er verteilt all seine Kühlflüssigkeit auf der Strecke und wie wir dann stehen, merke ich erst wie ungeeignet dieser Platz für eine Panne ist. Brücke, tiefer Abgrund, keine Möglichkeit sich in Sicherheit zu bringen und verblödete Trucker, die viel zu oft erst in letzter Sekunde den Standstreifen verlassen. Am nächsten Parkplatz wird dann repariert und gegessen, das haben wir uns nun wirklich verdient!

gepflegt gammeln

Schon am frühen Morgen starten wir zu viert durch, denn unser Busticket ist noch gültig und wir schon wieder hungrig. Die Sache mit dem Hunger scheint sich wie ein roter Faden durch mein Leben zu ziehen. An der Haltestelle verpassen wir den Bus um Sekundenbruchteile und laufen dann einfach im Außenbezirk mit Richtung Altstadt umher. Es dauert ewig bis wir ein geöffnetes Restaurant finden, werden dann aber für unsere Geduld belohnt. Ich bekomme beschmierte Brote, eine Gemüsesuppe und Salat. Leider in horrenden Portionen, sodass ich garnicht alles essen kann. Selbst ein halbes Glas Wein geht zurück. Verkehrte Welt.

Nun laufen wir weiter nach Florenz hinein, genießen die Sonne und beobachten all diese gehetzten Italiener und Touristen, bis es wieder Zeit für eine Bar ist. Direkt am Fluss werden wir fündig, die Longdrinks schmecken ganz vorzüglich und ich sehe gekonnt darüber hinweg, dass hier sämtliche Türen offen stehen. So geht der Tag weiter, wir trinken viel, essen noch mehr und schlendern durch Florenz. Wen wundert es da noch, dass am Abend erneut die gesamte Truppe den Irish Pub unsicher macht und wir diesmal sogar geschlossen in unser Hotel laufen, um dort noch ein letztes Kaltgetränk zu genießen.

kulinarische reise

Am Palazzo Pitti, einem Renaissance-Palast im Stadtteil Oltrarno beschließen wir, dass es wenig Sinn macht sich all die Sehenswürdigkeiten anzusehen, wenn das gleichzeitig die halbe Menschheit auch tut. So suchen wir ein Café auf und ich genieße einen Longdrink, bin froh über die Wärme und freue mich auf ein baldiges Essen. So sitzen wir eine Weile und gehen danach einfach in das Restaurant gegenüber, wo wir dasselbe einfach nochmal machen. Es gibt Wein, Bier, Schnaps und einen Salat. Dort lernen wir dann ein amerikanisches Paar kennen, die beiden sind auf Europareise und versprechen mir auch direkt ihre Tochter. Ich zeige mich dankbar und dann müssen wir aber los. Von den anderen haben wir etwas von einer Bar gehört.

Wir finden überhaupt nicht hin und unterwegs frage ich drei junge Mädels, wo man denn etwas trinken gehen könne. Empfohlen bekomme ich einen Laden, deren Preise jenseits von gut und Böse liegen. Ist uns aber erstmal egal, denn das Ambiente ist so herrlich unpassend für uns abgebrannte Typen. Nach einem Longdrink geht es endlich in den Irishpub, wo die restlichen Rallyeteilnehmer bereits fröhlich trinken. Dort angekommen zeige ich meine Krankenkassenkarte, werde als Student identifiziert und bekomme nun Rabatt auf sämtlichen Alkohol. Perfekt! Wir spielen Beerpong, trinken irre um die Wette, freunden uns binnen kürzester Zeit mit allen an und zur Krönung schallt dann auch noch deutsche Musik aus den Boxen.

Zu späterer Stunde verschwindet die Gruppe in eine Discothek und natürlich verpasse ich den Absprung, stehe plötzlich alleine da und mache mich auf den Weg etwas zu essen. Unterwegs lerne ich einige Italiener kennen und finde mich in einem zweistündigen Sprachkurs wieder. Wir haben eine Menge Spaß und als es nun wirklich Zeit für das Bett sein sollte, verabschiede ich mich und suche nun das Hotel. Ohne Akku und absolut keiner Orientierung klingt das recht schwer, aber in einem McDonald’s treffe ich zufällig auf einige Rallyeteilnehmer und gemeinsam fahren wir mit dem Taxi zurück und fallen erst mit dem Sonnenaufgang zu Bett.

karaoke-kontrollverlust

In meinem Hotelzimmer ist Anarchie ausgebrochen, wir gönnen uns Whiskey und verabreden uns für ein Abendessen. Wie bei jeder Rallye essen wir italienisch, so auch in Italien und es schmeckt fantastisch. Ich verköstige eine Pizza Mariana und weintrinke mir die Müdigkeit aus den Augen, ehe irgendwer mal wieder auf die Idee kommt, dass es sinnvoll wäre eine Karaokebar aufzusuchen. Auf dem Weg kommen wir an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei und stolpern in einen Irishpub. Die gesamte Kundschaft starrt aber auf ein Fußballspiel und keiner konzentriert sich auf soziale Kontakte und Alkohol. Schnell weg hier und ab zum Karaoke – dort angekommen läuft es ab wie immer, Bier aus dem 3,5l Glas und die Nacht läuft völlig aus dem Ruder. Wir haben locker Hundert Liter Bier vertilgt, ehe ich mit drei anderen das Weite suche. Mangels Orientierung muss ein Taxi herhalten und mittels Googlemaps verfolge ich die Route, finde mich aber überhaupt nicht zurecht.

Am Hotel angekommen macht sich Hunger breit. Am liebsten würde ich nun rumdönern, also marschiere ich los. Ein zweistündiger Spaziergang durch die Gegend brachte aber leider keinen Erfolg, sodass ich müde und äußerst hungrig in mein Bett falle. Geweckt werde ich erst gegen 07.00 Uhr, als Herr P. mein Zimmer betritt und nach Frühstück fragt. Anscheinend wurden sie gerade eben aus einer Bar hinausgekehrt. Hat ja alles keinen Sinn, also schließe ich erneut die Augen und Dusche anschließend, bevor wir wieder Schnaps zum Frühstück genießen. Schnell steht fest, dass wir heute mit dem Bus in die Innenstadt wollen. Am Hauptbahnhof spuckt der Bus uns aus und an einem Kiosk bestelle ich einen Hamburger, bekomme dann allerdings vier Stück. Ist okay für mich, der Hunger ist aufjedenfall groß.

Der nächste Bus bringt uns nun zur Kathedrale Santa Maria del Fiore. Einmal umrundet und schnell wird uns klar – da können wir nicht rein. Die Besucher stehen sich die Füße kaputt, die Schlange ist viel zu lange und uns muss eben ein Rundgang um den Bau genügen. Wir marschieren weiter zum Ponte Vecchio, die älteste Brücke über die Arno und auch hier erschrecken mich die Besuchermassen sowie der viele Ramsch. Wie so oft finden die kleinen Gassen rundherum sehr viel mehr Anklang bei mir.

wir brauchen pizza

Wir sind unterwegs zum nächsten Treffpunkt – dieser ist an einer alten Festungsanlage mitten im Nichts nähe Modena und der Weg dahin macht so tierisch Spaß. Wir gondeln stundenlang durch Italien, blicken auf schroffe Felsen, schöne Architektur und unfassbar viele aufgegebene Häuser. Am Treffpunkt tauchen nach und nach alle Teilnehmer auf. Mit Herrn M. genieße ich unser alljährliches Leberkäsebrot-Essen mit Senf aus der Tube und Salz von der Motorhaube. Hygienisch bedenklich aber tierisch lecker. Schade nur, dass heuer sämtliche Lebensmittel tiefgefroren sind.

Besonders weit haben wir es nicht mehr, der Tag ist schon fortgeschritten und inzwischen hat es begonnen zu Regnen. Vor Florenz müssen wir noch durch die Berge um uns anschließend durch den Großstadtdschungel zu kämpfen. Also geht es auf die Panoramaautobahn und wie sich herausstellt, war das keine schlechte Idee. Es schneit sehr stark, die Bahn aber wird permanent frei gehalten und wir kommen ganz gut voran. Das große Drama beginnt dann in Florenz. Parkhaus sowie Hotel sind am Stadtrand gelegen, theoretisch gut zu erreichen. Der Verkehr an sich wäre sogar erträglich, wenn da nicht gerade eine Straßenbahn-Trasse gebaut werden würde. Die Stadt wirkt zweigeteilt, überall Baustelle, sämtliche Straße sind gesperrt. Die Navigationssysteme werfen schnell das Handtuch und durch ewig Herumfahren erlange ich ein klein wenig Ortskenntnis und wir kommen nach einer guten Stunde im Parkhaus an. Für zwei Kilometer ist das eine recht sportliche Leistung.

Die Laune ist im Keller und die Wartezeit auf den Rest überbrücken wir mit Bier und Schnaps. In Windeseile hebt sich die Stimmung und wir alle sind wieder frohen Mutes, packen unser Zeug beisammen und machen uns auf den Weg zum Hotel. Keiner scheint mehr nüchtern und wir laufen einen horrenden Umweg, können dann bei Dunkelheit aber gemütlich einchecken und ich suche fix die Dusche auf.