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die tour nimmt kein ende

Ein paar Stunden habe ich geschlafen und nun räume ich etwas Krempel aus dem Kadetten um anschließend direkt weiterzufahren. Frau G. und Herr R. waren so frei mir nicht so recht eine Wahl zu lassen und der Einladung von Herrn W. zu folgen. In Wetzlar feiert er seinen Runden und ich bequeme mich auf die Autobahn.
Vier Stunden später erreiche ich Wetzlar und sage meinen Gastgebern ganz lieb Hallo. Seit Sylvester haben wir uns nicht mehr gesehen und es gibt natürlich wie immer viel zu erzählen. Bis die weiteren Gäste eintrudeln vergeht eine Weile und so kommt, was kommen muss – Wein macht die Runden und wir feiern ganz ausgelassen bis spät in die Nacht hinein. Ein tolles Fest mit vielen tollen Leuten – Danke für die Einladung! In einer Art Wandschrank habe ich auch einen Schlafplatz gefunden, sodass ich das Dachzelt geschlossen lassen kann.

Am Morgen frühstücken wir ausgiebig und gehen später dann noch in die Innenstadt. Dort riskieren wir einen Blick in den Wetzlarer Dom und bekommen sogar den Schlüssel zum romanischen Teil des Baus ausgehändigt. Der Dom zu Wetzlar ist heute eine der ältesten Simultankirchen, Katholiken und Evangelisten nutzen zusammen die Kirche ganz ohne sich die Köppe einzuhauen. Anschließend gibt es für alle noch ein leckeres Eis und wir schlendern zurück, wo ich mich dann auch schon wieder verabschiede – nun fahre ich nach Hause und glaube die Tour damit endgültig beendet zu haben. Natürlich ein Irrtum.

neues jahr in wetzlar

Für Sylvester haben wir uns dieses Jahr mit Herrn W. samt Familie und Herrn R. mit Frau G. verabredet. Kennengelernt haben wir uns vor einigen Jahren in Hachenburg beim DZG-Treffen. Die Norddeutschen sind bereits gestern angereist und ich starte erst jetzt den Kadetten und fahre in atemberaubender Geschwindigkeit nach Wetzlar. Sehr viel früher als gedacht kommen wir an und unsere Gastgeber sind natürlich gerade nicht da.

Halb so wild – so bleibt etwas Zeit um Wetzlar zu erkunden. Ich fahre den Kadetten direkt in die Altstadt und zu Fuß geht es dann durch die Fußgängerzone, entlang der Lahn zum Goethebrunnen und zuguterletzt noch an den Dom. Pünktlich zur eintreffenden Kälte in den Beinen ruft auch schon Frau G. an und meint, sie seien nun da. Vor Ort ein herzliches Wiedersehen, Kaffee und Kuchen und ehe wir fertig sind bereiten wir auch schon das Abendessen vor. Vegane Pizza soll es geben – natürlich blechweise. Nebenbei entkorken wir manchen Wein und lassen es uns besonders gut gehen.

Die Zeit bis Mitternacht vergeht mit guter Pizza und einigen wahnwitzigen Gesellschaftsspielen wie im Fluge und pünktlich zum Jahreswechsel versammeln wir uns draußen und schauen uns das Feuerwerk an, ehe wir im Warmen noch bis in die Morgenstunden beisammen sitzen, spielen und trinken. Nach einigen Stunden Schlaf erfreut uns das neue Jahr mit einem reichhaltigen Frühstück und anschließend einem Spaziergang durch das verschneite Wetzlar. Die Pflicht ruft und so kommt es, dass wir uns bereits am Nachmittag verabschieden und ich den Kadetten gen Heimat steuere. Bei Würzburg lichthupt es ganz fürchterlich hinter mir und ehe ich eine Hasstirade schwingen kann, kapiere ich dass es Herr F. ist. Der ist gerade auch auf dem Weg nach Heidenheim. Auf einem Rastplatz quatschen wir etwas und fahren die restlichen zwei Stunden dann im Konvoi zurück nach Heidenheim. Die Welt beweist auch heute wieder wahre Größe.

wasserburg friedewald

Nun tuckere ich durch die Rhön, vermeide die Hauptstraßen und gondel über Stock und Stein. Obwohl mitten unter der Woche, kommt es mir so vor als sei Sonntag und Heiligabend aufeinandergefallen. Die Straßen sind wie ausgestorben und keinerlei Restaurants oder Bäcker haben geöffnet.

Irgendwann, noch immer oder besser gesagt wieder auf hessischen Boden komme ich an einem Schild vorbei. Es wirbt für eine Burgruine und ich fackel nicht lange. So finde ich mich in Friedewald wieder. Hier steht die Ruine der Wasserburg Friedewald und sie ist erfreulicherweise frei zugänglich beziehungsweise geöffnet. Eintritt soll sie einen Euro kosten und den gebe ich dann auch gern aus. Ich habe die gesamte Anlage für mich alleine und belächel all die Touristen, die sich im Sommer wohl hier tummeln.

Von der Burg steht noch relativ viel und man kann tatsächlich beinahe alles frei erkunden. Sämtliche Türen und Tore sind geöffnet, alles ist frei begehbar und nichts ist wie so oft üblich lächerlich aufgehübscht und verschlimmbessert. Ich verlaufe mich kurz in den Kellerräumen, wische mir Spinnenweben von der Stirn und suche vergebens Lichtschalter. Was ein Spaß!

Selbst der Aboterker – hier machte man früher seine Notdurft in luftiger Höhe durch ein Loch direkt in das Gewässer um die Burg – ist noch erhalten und frei zugänglich. Für eine Sekunde überlege ich sogar… lasse es dann aber doch. Vernunft pur! Ich genieße noch etwas die Atmosphäre und mache mich dann wieder in Richtung Auto. Ich habe hunger! Hoffentlich kommt bald was am Straßenrand.

point alpha

Ich steuere den Besucherparkplatz an und bin glücklich, als ich den völlig leer vorfinde. Keine Schulklassen und keine Schwönwetterfanatiker. Perfekte Voraussetzungen für einen Rundgang durch den ehemaligen US Army Observation Post. Ich bezahle den Eintritt und bin schon gespannt was mich erwartet.

Tatsächlich nicht so viel – was durch Vandalen und Umbauten im Laufe der Zeit kaputtging wurde rekonstruiert und sonst stehen da einige Militärfahrzeuge. Dass hier weder die innerdeutsche Grenze noch der eiserne Vorhang behandelt wird war mir schon vorher klar, aber etwas mehr oder besser gesagt etwas anderes habe ich schon erwartet – ganz ohne drüber nachgedacht zu haben.
Als anständiger Gast lese ich natürlich trotzem alles, sehe mir US Army-Zeugs an und verstehe garnicht wozu überhaupt. Immerhin weiss ich jetzt wie deren Alltag hier ausgesehen hat und wie langweilig es wohl gewesen sein muss.

Ich habe tatsächlich weniger als 60 Minuten gebraucht mir alles anzusehen und habe auch nicht ein geschriebenes Wort vergessen. Nun habe ich große Hoffnung in das, das sich außerhalb des Stützpunktes befindet.

ddr vs. grossstadt

Gestern stand ich schon vor einer schwierigen Entscheidung. Ich hatte die Wahl zwischen einem Grossstadtgeflüster-Konzert und einen Besuch in den neuen Bundesländern. Also tauschte ich den Kadett kurzerhand gegen einen neuen Opel Zafira und finde mich nun auf der Autobahn wieder.

Der Zafira trumpft mit sämtlichen Schnickschnack und ich teste unterwegs natürlich jedes noch so sinnlose Gimmick. Wenn man’s denn richtig anstellt, kann man hunderte Kilometer zurücklegen, ganz ohne etwas zu tun. Die Zeiten, wo es ein einfacher Tempomat tut, haben mittlerweile ausgedient. Das Fahrzeug beschleunigt und bremst völlig selbstständig und macht das tatsächlich absolut zuverlässig. Alle Situationen meistern die Systeme – teilweise sogar bis zu einer Geschwindigkeit von 190km/h. Nur eine Sache bleibt – das Lenken. Zum Glück!
Nachdem ich alles erforscht habe wird mir natürlich furchtbar schnell langweilig und ich beginne den Kadetten zu vermissen. Wäre ich doch nur besser damit gefahren.

Mein erstes Ziel ist schon beinahe in Sicht und Freude kommt auf. In der Rhön, gerade noch so in Hessen findet sich heute der Point Alpha, ein ehemaliger Beobachtungsstützpunkt an der innerdeutschen Grenze.

flugobjekte

Nun haben wir nicht mehr allzu viel Zeit und ich schlage vor, dass wir uns noch ein paar Landungen am Airport ansehen könnten. Einen netten Platz dafür gibt es an der A5 nahe Zeppelinheim. Man kann kostenlos parken und läuft nur wenige Minuten zur Einflugschneise.

So starren wir ein Weilchen in den Himmel und gucken den Vögeln beim Landen zu. Anschließend möchte ich noch in das naheliegende Zeppelinmuseum. Frau J. aber macht mir da einen Strich durch die Rechnung. Die beiden haben genug Literatur für heute und möchten gern nach Hause gefahren werden. Da keiner von uns heute wirklich gegessen hat steuern wir noch eine Fastfoodkette an, schlagen uns die Bäuche voll und dann geht es 300km zurück in die Heimat.