Archiv der Kategorie 'Hessen'

herrentage

Der liebe Marc von Whatabus ist gerade bei mir zu Besuch. Neulich haben sie sich einen schicken Zweitcamper besorgt und wir erledigen nun zwei Tage lang einige Kleinigkeiten an dem Ducato, checken den Zustand und starten auch eine kleine Kneipentour.
Wenn wir schon dabei sind einigen Unfug zu treiben, reift der Gedanke unsere Lieblinge von Liedfett mal wieder zu sehen. Die haben wir schließlich lange nicht gesehen und morgen spielen sie ein Konzert im hintersten Hessen.

So brechen wir unsere heutige Kneipentour inmitten der Nacht ab und starten am Morgen dann mit meinem Alt-Volvo nach Haiger – irgendwo bei Dillenburg. Unterwegs gönnen wir uns Fastfood und in mir wächst die Angst, dass der Volvo unsere Schwedenreise im Juli nicht packen wird. Unterwegs nämlich fällt die Termperaturanzeige aus, das Beifahrerfenster verabschiedet sich aus der Führung und der Zigarettenanzünder mag auch nicht mehr. Ansonsten läuft er aber ganz wunderbar – das macht Hoffnung.

In Haiger findet heute auf dem Marktplatz ein kleines Festival statt – 8 Bands sind angekündigt, Liedfett zuletzt als Headliner. Wir parken den Volvo direkt neben Liedfetts Tourbus und genießen Getränke aus unserer Mitgift – ist aber alles kochend heiß und ungenießbar. Also verkosten wir die Getränke auf dem Fest, sehen uns einige Bands an und warten in angenehmer Atmosphäre auf Liedfett. Der Sänger beichtet uns irgendwann, dass sie den Auftritt völlig vergessen haben und entsprechend gut vorbereitet heute in Haiger aufgeschlagen sind. Das merkt man dann auch am Konzert – kein gelungener Auftritt, – aber Spaß hat’s gemacht wie immer. Nach dem Gig esse ich der Band noch das Catering von den Tellern und zu recht später Stund‘ verabschieden wir uns schließlich. Marc übernimmt das Steuer bis zur nächsten Tankstelle und dort höre ich nur meinen Namen gerufen. Ein paar Bekanntschaften vom Konzert gammeln dort rum und warten auf ein Taxi. Der Einladung zur Grillparty können wir natürlich nicht widerstehen und hängen dann wie sich herausstellt bei der Vorband von Liedfett herum, grillen lecker und palavern bis in die Morgenstunden.

Den Heimweg schaffen wir dann endlich zur Mittagszeit – mit dem Volvo. Der verlor noch in der Nacht seinen Auspuff und die Sitzverstellung versagte leider direkt nach einem kleinen Schläfchen auf einem Rasthof. Nun werden die Sitze vorn wohl für immer in einer angenehmen Liegeposition bleiben und in mir reift der Gedanke für Schweden ein anderes Auto zu nehmen.

erlebnistag rüsselsheim

Die letzten Tage habe ich nahezu nicht geschlafen und dafür umso mehr gesoffen. Im Volksmund schimpft sich das Fasching. Genug davon springe ich heute noch vor dem Morgengrauen in den Kadetten und fahre zielstrebig nach Rüsselsheim. Unterwegs gibt es Frühstück und dann fahre ich zuerst zur Carmania – eine Modellautobörse in der Mitarbeiterkantine von Opel in Rüsselsheim. Viel Zeit habe ich jedoch nicht und schaffe es daher nicht mein gesamtes Vermögen in Spielzeuge zu investieren. Denn nun treffe ich mich mit Herrn M. einen Steinwurf entfernt bei der Alt-Opel Teilebörse. Der hat den Kofferraum voll Krempel der nach Süddeutschland muss. Fix umgeladen und dann habe ich noch etwas Zeit über die Teilebörse zu schlendern. Finde aber fast nichts – es ist wie immer. Danke Murphy.

Eigentlich täte ich mich gern noch länger umsehen, aber der J. hat uns eingeladen zu einer vom FKK [Freier Kunst- und Kulturverein] organisierten Stadtführung. Wir sind eine kleine Runde von 6 Mann und stürmen zuerst einen Italiener in Rüsselsheim – die Pizza schmeckt fantastisch und die bekannten Gesichter mal wieder zu sehen macht Freude. Noch während dem Essen rollt auch schon unser Bus vor – der schippert uns nun quer durch Rüsselsheim – eine etwas andere Stadtführung. Rüsselsheim ist eng umflochten mit Opel – das dürfte klar sein. Im Zuge der Stadtführung kommen wir an vielen Punkten vorbei, die ich natürlich schon selbst etliche Male besucht habe und dennoch entdecke ich hier Sachen, die ich bisher nicht kannte.
Für echte Opel-Nerds eine tolle Veranstaltung, denn wo sonst sieht man sich Locations an, wo in den 70er Pressefotos gemacht wurden?

Nach drei Stunden ist die Führung vorbei und verabschieden uns dann auch allmählich. Den meisten steht noch ein weiter Heimweg bevor und ich freue mich tierisch auf mein Bett.

cassel

Ich habe für ein paar Tage in Frankfurt zu tun und sehe mich nun ein wenig in Kassel um. Hier bin ich schon abertausende Male vorbeigefahren und habe es bisher nur zu Ikea geschafft. Nun aber habe ich Zeit mitgebracht und fange mit dem an, für das Kassel bekannt ist.
Ich entscheide mich für eine Wanderung beginnend am Hercules, hinunter zum Schloss und das ganze dann irgendwie wieder nach oben.

Wie ich oben ankomme und parke, zieht plötzlich ein dicker fetter Nebel auf und verwandelt den Hercules samt Oktogon in einen mystisch anmutenden Platz. So spaziere ich ein wenig durch die Gemäuer, schieße Fotos und sehe nichts. Normalerweise hat man eine grandiose Aussicht auf Kassel und den restlichen Bergpark Wilhelmshöhe. Das tolle Schauspiel hält nicht lange an und nach 15 Minuten ist der Nebel auch schon wieder verschwunden und der Blick ist frei.

So marschiere ich entlang des Wasserspiels hinunter und besichtige die Löwenburg, anschließend das Schloss Wilhelmshöhe und das zugehörige Gewächshaus. Völlig zurecht wurde 2013 der Bergpark als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. So vergehen viele Stunden und etliche Kilometer bis ich schließlich erschöpft oben an der Hercules Statue zurück bin. Die Höhenmeter haben mich ganz schön geschlaucht und so möchte ich jetzt eigentlich nichts mehr machen. Immerhin kann ich mich dann noch fix aufraffen das Technikmuseum in Kassel zu besuchen. In einem ehemaligen Henschel-Werk gibt es hier Elektronik, Feinmechanik, Maschinenbau, Medizintechnik, Metallmusik, einen Transrapid und auch Automobiltechnik zu bewundern. Nahezu alles hat einen Bezug zu Kassel und so bin ich mangels Interesse auch relativ schnell draußen und mache mich auf den Weg ins Hotel.

toa gardens #2

Auch diese Nacht war schier unerträglich. Es hat kaum abgekühlt und im Dachzelt herrscht Tropenklima. Wieder Grund genug den ganzen Tag herumzugammeln, viel zu trinken und hoffnungslos zu schwitzen. Mit diversen Nachbarn haben wir uns inzwischen angefreundet, Herr P. ist auch längst da und gemeinsam verbringen wir eine recht schöne Zeit. Heute Abend spielen Danko Jones – unser zweiter Grund hier zu sein. Bisher habe ich sie nie live gesehen und freue mich natürlich – trotz der Hitze – schon tierisch.

Auf dem Konzert ist einiges los, das Publikum wirkt aber etwas träge und könnte durchaus mehr bieten. Danko Jones selbst spielen eine tolle aber gefühlt sehr kurze Setlist – vom Headliner hatte ich da irgendwie mehr erwartet und zu unserem Glück findet das Konzert auf der anderen Bühne statt. Weniger Staub für die Lungen und bessere Sicht auf die Bühne.
Nach dem Duschen fallen wir wieder ins Tropenbett und freuen uns auf den Sonntag.

Der Sonntag nämlich wurde als Trinktag deklariert. Wegen der drückenden Hitze haben wir bisher nur wenig Alkohol getrunken und stattdessen einige Gallonen Wasser vertilgt. Nun aber müssen die Reste weggeschafft werden, die Nachbarn freuen sich auf Eskalation und wir versuchen endlich durchzustarten. Im Bierdosenstechen üben wir uns noch immer, so richtig klappen mag es aber nicht und bis zum Abend sind nicht nur die meisten unserer Lebensmittelvorräte aufgebraucht, sondern auch wie jeden Tag die Wasservorräte.
Den Tag schließen wir auf der Hauptbühne mit Shantel ab – gefallen tut es aber so überhaupt, denn live scheint der Mist nicht zu sein und irgendwie fehlt der Pepp. Also bringen wir unser restliches Geld unter die Leute und verhocken anschließend mit der Nachbarschaft in unserem Camp und gehen erst sehr spät zu Bett.

Am Morgen ist dann Abbau und wir verabschieden die neu gewonnenen Freunde und fahren dann noch eben rüber nach Rüsselsheim. Dort wartet bereits Herr J. auf uns – der hat uns schon am Samstag versucht zu besuchen, traf uns aber allesamt schlafend an. Gemeinsam spazieren wir zur alten Opel Rennbahn, quatschen ein wenig und fahren dann schließlich nach Hause.
Ein gelungenes Festival geht vorrüber und abgesehen von einigen Kritikpunkten bezüglich der TOA Gardens war es ganz herrlich. Die TOA Gardens haben pro Kopf zusätzlich 50,-€ gekostet und die Nachtruhe, den Strom und das fließend Wasser haben wir sehr genossen. Allerdings war der Platz mit 220 Leuten viel zu voll und angesichts der Menge an Personen ist eine einzige Männertoilette definitiv zu wenig. Auch sonst wurden einige versprochenen Punkte nicht geboten, was mich aber unterm Strich gar nicht stört. Lediglich die Toilettensituation und das Platzangebot hätten besser sein können.

toa gardens #1

Vor einiger Zeit haben wir beschlossen auf das Trebur Open Air zu fahren und Frau S. hatte die glorreiche Idee, dass wir uns Karten für die „TOA Gardens“ kaufen könnten. Die TOA Gardens sind ein seperater Campingplatz nahe des Festivalgeländes mit einigen zuzüglichen Versprechungen. Darunter eine Nachtruhe, Strom, große Parzellen, Bio-Toiletten, fließend Wasser, ein Hofladen, Kühlmöglichkeiten und vieles mehr. Nach rund 5 Stunden Autobahn kommen wir dort an, ich winde eben meine Unterhose aus und verfluche diesen unglaublich heißen Sommer und diesen unnötigen Stau auf der A6.

Offiziell beginnt das Festival erst morgen und so können wir heute Faulenzen was das Zeug hält. Schnell steht unser Camp, unter dem Pavillon ist zum Glück Platz für einen Ventilator und wir lassen den Tag gemütlich ausklingen. Auf Herr P. warten wir vergebens, dem ist nämlich bei der Anreise das Auto verreckt und nun kommt er vermutlich erst morgen.
Nach einer heißen Nacht reist er schließlich an und wir verbringen den ganzen Tag an unserem Camp, genießen halbwegs kalte Getränke und schwitzen vor uns hin. Die Whatabus-Küche hat gut zu tun und ehe wir uns versehen, ist schon wieder der Abend angebrochen. Nun geht es zu Liedfett, die spielen als letzte Band auf der Hauptbühne und sorgen mal wieder für einen grandiosen Abriss. Erst gegen Ende bemerke ich, dass der Bühnenbereich in eine große Staubwolke gehüllt ist und unsere Lungen voll davon sind. Wahnsinnig ätzend und nach dem Konzert gönnen wir uns eine schnelle Staubfrei-Dusche am Whatabus, ehe wir kaputt zu Bett gehen.

opelstadt

Nun habe ich keine Lust in Mainz zu bleiben, denn ich habe genug vom Städtegucken und fahre stattdessen nach Rüsselsheim. Hier war ich schon so wahnsinnig oft und habe mir jetzt vorgenommen, die verstorbene Opelfamilie zu besuchen. Das habe ich bisher nämlich noch nicht gemacht. So fahre ich erst zur Landungsbrücke, gucke ein wenig auf den Main und spaziere dann zu dem ehemaligen Friedhof neben dem Opelwerk. Dieser wurde während des Dreißigjährigen Krieges errichtet, als die Stadt damals händeringend nach geeigneten Flächen suchte, wegen der vielen Pestopfern. Ein erkrankter Schäfer hat in seinem Pesttestament verfügt, dass sein Acker für die Beisetzung der Toten genommen werden kann und somit fand er selbst nach seinem Tode als Erster auf dem Friedhof die letzte Ruhe.

1939 wurde der Friedhof schließlich geräumt und mittlerweile sind nur noch einige Grabsteine über und das Areal wurde zur Grünanlage mit Spielplatz umfunktioniert. Schon im Jahre 1924 ließ aber die Familie Opel auf dem Friedhof ein Mausoleum als Familiengrabstätte errichten und selbst Adam Opel wurde nach Fertigstellung hierhin umgebettet. Im Mausoleum wurden neben Adam und Sophie Opel, ihre fünf Söhne samt Ehefrauen, sowie die neun Enkel und zwei Urenkel beigesetzt. Darunter auch Elinor von Opel, sie belegt seit ihrem Tod 2001 die letzte Grabkammer und die letzte Urne wurde 2014 unterhalb der Andachtshalle untergebracht.

Jetzt ist es allerdings Zeit weiterzuziehen und so starte ich den Kadetten, fahre noch kurz auf den Aussichtsplatz der Startbahn West um mir einige Fliegerchen anzusehen und fahre dann endgültig nach Hause. Weit komme ich leider aber nicht, denn bei Aschaffenburg stehe ich mal wieder rund drei Stunden vor einer Vollsperrung und bereue nun sehr Herrn J. abgesagt zu haben. Der lud nämlich zum Essen nach Darmstadt ein, abgesagt habe ich dann weil ich zeitig los wollte. Dumm, wer Dummes tut.