Archiv der Kategorie 'Berlin'

hipster ist so 2015

Heute fahren wir mit den Öffentlichen zur Museumsinsel, schlendern ein wenig umher und futtern dann ganz artgerecht eine Currywurst, bis schließlich Frau J. zu uns stößt und wir statt eines Museums uns zuerst einen Cocktail gönnen. Auf den völlig versifften Wiesen rund um die Museuminsel schmeckt es jedoch nicht nur recht scheußlich, sondern kostet auch Unmengen Geld. Also ziehen wir weiter, stoppen bei einem Mexikaner und schlürfen bei der Gelegenheit direkt noch ein paar Kaltgetränke, ehe wir unsere Reservierung in Clärchens Ballhaus wahrnehmen.

„Clärchens Ballhaus“ ist eines der letzten erhaltenen Ballhäuser aus der Zeit um 1900 in Berlin. Eröffnet wurde es 1913 und verfügt über zwei Säle, wo auch heute noch eifrig getanzt und gespeist werden kann. Im Erdgeschoss können wir uns ein wenig umsehen, der Spiegelsaal im ersten Stock bleibt uns allerdings verwehrt. Draußen im Hof nehmen wir schließlich platz und werden dann direkt ganz fürchterlich enttäuscht. Es gibt heute kein Essen, lediglich Pizza. Zu unserem Pech ist diese dann auch noch ungenießbar. Auf dem Rückweg legen wir dann noch zwei Stopps ein. Zum einen in einem dieser fancy-dämlichen Hipstercafés, wo die Bedienung deutschsprachig ist, trotzdem aber weiter munter Englisch spricht, weil es ja so international und angesagt ist. Und im Anschluss stärken wir uns noch mit Kaltgetränken bei einem Mexikaner und fallen schließlich zu Bett.

Tags drauf wollen die Damen noch mehr dieser hirnlosen Hipstergülle machen und ich sitze schon wieder in den Öffentlichen auf dem Weg zum Mauerpark. Da ist immer Flohmarkt und ich ahne schon schlimmstes. Angekommen sehen wir irre viele Menschen, inmitten den „Flohmarktes“ einen Foodmarkt mit super angesagten Gerichten zu lächerlichen Preisen. Schmeckt auch leider überhaupt nicht und beim Schlendern über den Flohmarkt gibt es abgesehen von professionellen Händlern quasi nichts. Einen Besuch ist der Pseudoflohmarkt also auch nicht wert und für mich Grund genug Berlin wieder zu verlassen. Ganz ohne Stau und Stress kommen wir am Abend wieder in der Heimat an.

stimmungssekt

Frau B. verlangte neulich nach einer Reise nach Berlin. Da ist sie bei mir ja genau richtig, nichts lieber als das! So nutzen wir heute die Nacht und gondeln gemütlich nach Berlin und kommen viele Stunden später recht entspannt an, parken den Kadetten in Charlottenburg und ehe ich mich versehe, ist auch schon eine Frühstücksflasche Sekt geleert. Wir marschieren am Schloss entlang zu einer kleinen alt-Berliner Kneipe, schlürfen zwei Biere und machen uns zu Fuß in Richtung Schöneberg. Sonderbar weit kommen wir nicht und stolpern dann in eine U-Bahn, die uns kurzerhand am Ku‘damm herausspuckt. Hier warten wir auf Frau Doppel-E und gönnen uns ein weiteres Kaltgetränk in dieser wahnsinnig ätzenden Umgebung. Mal abgesehen von der Gedächtniskirche gibt es hier nun wirklich nur versnobten Mist und ich bin heilfroh, als wir endlich weiterkönnen.

Wie Frau Doppel-E dann kommt, geht es zurück zum Auto, unsere Habe wird fair aufgeteilt und wir gehen in unsere Nachtlager für die nächsten Tage. Frau B. hatte leider etwas weniger Glück, ihr Hotel nämlich wirkt recht verbesserungswürdig. Ich hingegen hause wie gewohnt ganz fürstlich, es mangelt an nichts.

Nach kurzem Mittagsschlaf verschwinden wir in die Innenstadt und watscheln zum Tempelhofer Feld. Der ehemalige Flughafen ist inzwischen eine der letzten Lungen Berlins und für eine Führung durch das ehemals flächengrößte Gebäude der Welt ist mir das sommerliche Wetter irgendwie zu schade. Also spazieren wir durch die Tempelhofer Freiheit, ich lese eifrig über den Flughafen, die Luftbrücke, das Konzentrationslager und die heutige Nutzung des Areals.

rumgedöst

Die letzten Tage habe ich es ruhig angehen lassen. Wir waren noch etwas unterwegs in Brandenburg, haben die KZ-Gedenkstätte in Sachsenhausen besucht und haben auch einen Tag in der Steintherme Bad Belzig verbracht. Entspannung kam also überhaupt nicht zu kurz.
In Berlin hatte ich dann noch einen ganz wichtigen Termin – die Whatabüsser sind nämlich gekommen und zusammen waren wir auf dem Konzert von Feine Sahne Fischfilet. Eine Wahnsinnsnacht, jede Menge Schweiß und Pogo ohne Ende. Der mitternächtliche Döner durfte natürlich nicht fehlen und den Tag danach habe ich wieder in Berlin verbracht um nun nach über einer Woche endlich weiterzuziehen.

Berlin ist halt so eine Sache – mir völlig unerklärlich wieso es so viele mögen. Wann immer ich in Berlin bin, bin ich heilfroh wenn ich wieder gehe. Abgesehen davon dass es eine Großstadt ist, ist die Stadt auch noch ziemlich hässlich, unglaublich dreckig und ein Sammelort für völlig Kaputte / Gescheiterte. Schön also, dass es nun wieder in Richtung Süden geht!
Zuerst machen wir noch Stopp bei Coca Cola, dort arbeitet nämlich Frau Doppel-E und wir laden kurzerhand den Kadetten voll mit Unmengen gesunder Getränke.
Dann geht es nochmal ein letztes Mal durch dieses Berlin und ab auf die Autobahn. Keine 20km später stehen wir im Stau, die Autobahn ist gesperrt und für drei Stunden geht nichts mehr. Ich hasse es hier. Als es dann weitergeht werde ich zu allem Übel noch geblitzt und nun dürfen die Däumchen gedrückt werden – ein Fahrverbot scheint mir ziemlich wahrscheinlich.
Kurz vor Mitternacht komme ich dann schließlich zu Hause an – nach 5.900km durch Österreich, Ungarn, Serbien, Rumänien, Ukraine, Polen & Deutschland werde ich nun Wäsche waschen, auf eine Hochzeit gehen und dann versuchen wir ganz schnell noch ein wenig Sonne im Süden abgreifen zu können.

überdosis berlin

Heute bleiben wir ausnahmsweise in Berlin, denn ich war noch nie im Medizinhistorischen Museum und auf den Teufelsberg wollte ich im Januar ja auch schon gehen. So geht es nun mit den Öffentlichen zum Hauptbahnhof und am Invalidenpark zu einem Italiener. Warum genau ich eine Thunfischpizza bestellt habe, weiß ich leider selbst nicht so genau, aufjedenfall aber schmeckt sie sehr gewöhnungsbedürftig.
Dann stolpern wir ein Stück weiter zur Charité, wo sich auch das Medizinhistorische Museum befindet. Rund zwei Stunden sehen wir uns um, ich gucke auf teils wirklich eklige Präparate und habe nun erstmal genug von Krankheiten, Fehlbildungen und mehr. Einen Besuch mag es schon wert sein, aber es würde nicht schmerzen, hätte ich es nicht gesehen. Verstehe nicht so recht warum davon alle immer so schwärmen und den Mist „so krass“ finden. Wahrscheinlich darf deshalb nicht fotografiert werden, sonst würde ja jeder vorab sehen dass das alles nur halb so wild ist.

Das Tagesticket ist nun noch gültig und auf den Teufelsberg möchte ich noch immer. Mit der S-Bahn geht es nach Westend und zu Fuß dann auf den Drachenberg. Hier legte Adolf Hitler 1937 den Grundstein für eine Wehrtechnische Fakultät, welche mangels Geld aber nie fertiggestellt wurde. Stattdessen wurde dann nach dem Krieg das gesamte Areal mit unfassbaren Mengen Schutt und Trümmern aufgehäuft und so entstanden der Drachen-, und Teufelsberg. In den 50er Jahren errichtete die USA dann die Abhörstation auf dem Teufelsberg und nach dem kalten Krieg wurde sie dann nutzlos, diente noch kurz der zivilen Luftüberwachung und steht seither leer. Lange Zeit wurde die Anlage bewacht und in den letzten Jahren kamen dann die Vandalen, die Künstler und Idioten. In nur so kurzer Zeit wurde das Gelände vollkommen heruntergewirtschaftet, alles ist kaputt, verdreckt und mutmaßliche Kunst säumt das gesamte Areal. Inzwischen in Privathand kann man sich den Eintritt in die Abhöranlage erkaufen und bezahlt dafür unverschämte 8,-€. Ich bereue schnell hergekommen zu sein und würde begrüßen wenn man den Mist einfach abreißt, eine Renaturierung wurde dem Berg sicher nicht schaden.
Zu Fuß geht es dann zurück, entlang der Teufelsseechaussee und mit der S-Bahn schließlich zurück in unsere Gemächer.

westwärts

Nun ist es an der Zeit Kiew und damit auch der Ukraine den Rücken zu kehren. Ich habe langsam genug von Großstadt und den vielen Sehenswürdigkeiten, fühle mich irgendwie gesättigt. Also starte ich in den Morgenstunden den Kadett und wühle mich durch Kiew. Parallel zur weißrussischen Grenze fahre ich dann in Richtung Westen und erfreue mich an der relativ guten Straße. Die Schlaglöcher halten sich hier in Grenzen und ich komme weitaus zügiger voran, als gedacht. Hatte eigentlich noch eine Zwischenübernachtung eingeplant, aber das lasse ich nun bleiben.
So bin ich Mittags schon im Grenzgebiet zu Polen und beschließe noch heute einzureisen. Bei dem schmuddeligen Wetter habe ich ohnehin keine Lust mir noch irgendwas anzugucken.

Auf den ersten Blick sieht der Stau recht human aus. Die Ausreise geht auch relativ zügig, ein paar Fragen beantworten, Pass stempeln und noch ein Blick in den Kofferraum. Und dann heißt es anstehen. Rund 3 Stunden stehe ich im Stau, bis ich schließlich zu der EU-Pass-Reihe komme. Hier stehen zwar nur sehr wenige Autos an, aber es geht leider auch nicht wirklich schneller. Immer wieder kommen ein paar polnische Zöllner, mögen immer wieder in den Kofferraum blicken und sonst wird mein Auto überhaupt nicht kontrolliert. Alle anderen müssen sämtliches Gepäck ausladen und ausbreiten. Ich bin aber auch der einzige, der weder aus Polen noch aus der Ukraine kommt.
Insgesamt vergehen rund sechs Stunden und schon bin ich in Polen. In Chelm gehe ich gemütlich Abendessen und überlege dann kurz ob ich bleiben soll. Gefallen tut es mir aber nicht, auf Lublin und Großstadt habe ich keinen Bock und quäle mich dann in der Dunkelheit bis Warschau. Ab hier gibt es dann endlich wieder vernünftige Autobahnen, das Hörbuch in meinem Radio gefällt mir prächtig und ich habe noch immer Lust zu fahren. Also rutsche ich in einem Stück durch bis nach Berlin. Die Autobahnen bis Deutschland sind in hervorragenden Zustand, Warschau bis Frankfurt(Oder) kostet jedoch rund 30,-€ und weitere Mautstellen folgen. Viele sind noch im Bau, werden aber mit Sicherheit in naher Zukunft in Betrieb sein.

In den frühen Morgenstunden komme ich in Berlin an, strecke mich ganz ausgiebig und wecke dann Frau Doppel-E. Die muss jetzt ohnehin bald zur Arbeit und ich niste mich derweil in ihrer Wohnung ein, döse den gesamten Tag und schalte so richtig ab. Tut auch Not, von Kiew nach Berlin in 20 Stunden macht man in meinem Alter ja eigentlich auch nicht mehr.

ich will nicht nacht berlin

Von Herrn F. verabschieden wir uns und spazieren dann noch gemütlich durch den Schlosspark und um das Schloss Charlottenburg – ganz nett hier, auch wenn der Winter es ganz trostlos erscheinen lässt. Währenddessen rufe ich dann wie vereinbart bei den beiden von runterwegs an und wir verabreden uns für den späten Nachmittag. So bleibt mir noch etwas Zeit um zu schlafen.

Um die beiden zu besuchen muss ich mich zwischen der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder einer 30min. Fahrt mit dem Kadett entscheiden. So fahren wir dann schließlich mit der S-Bahn und schon am Bahnsteig graut es mir ganz fürchterlich, denn es wimmelt von Menschen und die Bahn platzt aus allen Nähten. Zum Glück mach ich das nicht öfter – es ist so ätzend. Angekommen gibt es dann Tee und wir verkosten etwas Wein, Gin und Craft Bier ehe wir zum Sudanesen gehen um ganz lecker zu essen.
Weil die Nacht noch recht jung ist, schlendern wir noch in eine Bar und verhocken ganz klassisch, bis der Laden dicht macht. Mangels Lust die Nacht hier zu verbringen und Alternativen fahren wir dann mit dem Taxi zurück und ich falle ins Bett.

Und das wars es dann auch schon mit Berlin-Programm – die restliche Zeit verbringen wir in den vier Wänden, gucken fern, kochen ein wenig und lassen uns Burger liefern bis es für mich irgendwann wieder Zeit wird zu gehen – denn auf dem Rückweg besuche ich noch eben meinen Neffen in der Rhön und auch in Würzburg werfe ich den Anker, um Herrn M. zu besuchen.