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bildungsreise

Den Jahreswechsel haben wir gut über die Bühne gebracht – es gab neben Filmen ganz viel Pizza und eine Menge Gelassenheit. Heute verabrede ich mich spontan mit Herrn R. – der ist noch immer in der Gegend und hat einfach viel zu viel Zeit. Also gehen wir lecker Essen und beschließen dann in der Kneipe unseres Vertrauens, dass wir morgen ein Museum besuchen. Die Wahl fällt auf das im letzten Jahr eröffnete Mazda-Museum in Augsburg. Herr P. kommt auch noch mit und zu dritt düsen wir los, ich erfreue mich des Beifahrerseins und knabbere Unfug auf der Rückbank.

Angekommen stehen wir auf einem ehemaligen Betriebshof der elektrischen Straßenbahn, errichtet Ende des 19. Jahrhunderts. Ein toller Bau und ideale Heimat für das Automuseum. 2011 hat die Familie Frey das Gebäude erworben, es restauriert und umgebaut zum Museum bis es schließlich 2017 eröffnet wurde. Nun blicken wir auf ca. 40 Exponate aus dem Hause Mazda der vergangenen Jahrzehnte. Neben Young- und Oldtimern für den europäischen Markt gibt es auch einige Leckerbissen von Übersee zu sehen, die Auswahl ist perfekt und gerade bei den Designikonen aus den 80er Jahren fällt es recht schwer sich satt zu sehen. Mit 5,-€ Eintritt [2,50€ ermäßigt] ist man dabei – lohnenswert wie ich meine.
Als wir dann genug gesehen haben, ist es Zeit für einige Burger, die wir uns in Dasing bei Mrs Pepper einverleiben. Von dort wäre es auch nicht mehr weit bis Schrobenhausen – hier hat Herr W. seinen Heimathafen und wann immer ich in der Nähe bin, habe ich entweder keine Zeit oder vergesse es einfach. Heute aber nicht, schnell ist ausgemacht dass wir uns in seiner heiligen Halle treffen und dort wieder auf ein paar alte Autos gucken. Neben einem Opel Manta i3000 schlummern etliche Volkswagen in den vier Wänden und warten auf besser Wetter.

Wir plaudern bis die Beine frieren und treten dann die Heimreise an – es schlummert sich ganz herrlich auf der Rückbank und unseren abendlichen Kneipenbesuch sparen wir uns heute – stattdessen falle ich dann einfach ins Bett.

rennen der tausend weine

Nun ist es soweit – meine alljährliche Rallye steht an. Die Grobplanung hat vor rund einem Jahr gestartet und wie ich das immer so mache, planen wir Details kurz vor Abfahrt. So waren die letzten Tage natürlich mal wieder etwas stressig. Aufkleber mussten her, die Logos designed werden, der Kadett brauchte einige Liebe und die Route stand auch noch nicht so recht. In einsamen Stunden habe ich die Route verfeinert, Treffpunkte und Nachtplätze gesucht sowie die Roadbooks gedruckt.

Dieses Jahr haben sich acht Fahrzeuge und 17 Leute angemeldet – darunter mein Opel Kadett, ein Opel Senator, Opel Calibra, BMW E34, VW Passat, VW Golf II, VW Golf III und ein BMW E36. Keiner jünger als 20 Jahre alt und die Hoffnung ganz arg groß, dass sie alle halten! Wie ich mein Auto belade, irgendwie versuche Platz zu schaffen für meine Copiloten, habe ich ein eher mulmiges Gefühl. Seit Ingolstadt ist mein Vertrauen ein klein wenig gesunken. Die Werkstatt hat nichts gefunden und ich befürchte dass es die Antriebswellen sind. Also habe ich mich auf die Suche nach neuen gemacht und diese jetzt im Kofferraum gebunkert. Sicher ist sicher. Werkzeug habe ich zwar keines, aber das wird schon werden!

Frau T. aus Ludwigsburg reist an, parkiert ihr Fahrzeug vor meiner Tür und dann holen wir noch Herrn M. um anschließend den Treffpunkt anzufahren. Wir treffen uns mit den meisten an der Autobahn 7 in Fahrtrichtung süd. Die Stimmung ist super, wir bekleben die restlichen Fahrzeuge und machen uns dann in Kollone auf zu Treffpunkt Nummer 2. In Memmingen stoßen noch die Münchner sowie die Saarländer dazu. Vor Ort überbrücke ich die Wartezeit mit etwas Kinderpunsch und ehe wir uns die Beine abfrieren, geht es auch schon los. Uns steht eine lange Nacht bevor und mit etwas Sorge gucke ich auf den fallenden Schnee. Acht überladene Altwagen, Alpen und die Nacht können tückisch sein.

lebenserhaltende maßnahmen

Die Liedfettour ist vorbei – oder besser gesagt – sie pausiert nun ein wenig. So halte ich mich nun gerade in der Heimat auf & habe Besuch aus dem fernen Osten. Das Wochenende verbringen wir mit ein paar Freunden, der Familie, aber vorallem auf dem Sofa. Netflix und Amazon Prime runden das Wellnesswochenende ab, bis am Montag schließlich Zeit ist, die faulen Ärsche zu bewegen. Bei dem recht untröstlichem Wetter bietet sich ein Museumsbesuch geradezu an, sodass wir nach Ingolstadt fahren. Das Audimuseum schiebe ich schon lange vor mir her.

Während die meisten über den Montag schimpfen, liegen wir viel zu lange in den Federn und mein Navi spricht von 130km. Das hatte ich viel kürzer in Erinnerung. Sei’s drum. Kurz vor Ingolstadt meldet sich der Kadett zu Wort – es scheppert ganz fürchterlich, das Lenkrad schlägt Purzelbäume und ich rolle mit den Augen. Muss das sein? So kurz vor unserer Tour nach Italien kommt mir das jetzt eher ungelegen. Ich halte an, stelle nichts fest, fahre weiter und nach zwei Kilometern ist alles beim Alten. Wenig später geht es wieder los und ich mache mich auf den Weg zu einer Werkstatt. Plötzlich ist wieder alles im Lot, ich bin genervt und entscheide, dass schon alles gut werden wird. Ab ins Museum, ich lass mich doch nicht verarschen.

Das Audi Forum beherbergt unter anderem ein kleines Museum, das die gesamte Geschichte der Marke(n) zum Besten gibt. Zwei Euro kostet der Eintritt und wie erwartet ists recht überschaubar, einige schöne Exponate gibt es zu bestaunen und das wars auch schon. Ich lese ganz eifrig, werde aber ganz automatisch daran erinnert, dass ich mit Audi und Konsorten einfach nix anfangen kann. Also sehen wir uns noch in Ingolstadt um, mangels gutem Wetter bleibt es aber bei einem Spaziergang durch die Altstadt und einem Döner für uns Hungerleidenden.
Beim Rückweg macht der Kadett keine Zicken mehr, ich werde nicht schlau draus und in Nördlingen hält mich noch eben die Polizei an. Die immerselben Fragen nach Drogen, TÜV und ob die Aufkleber das Auto zusammenhalten. Eine erfrischende Abwechslung war das ja nun nicht gerade.

A7 oder A96

Um 09.00 schrecken meine Augen auf, um mich herum wird kräftig geschnarcht und ich bin mir ganz sicher, diese irrsinnige Tour heute einfach abzubrechen. Mit letzter Kraft hieve ich mich aus dem Bett, lass eine Stange Wasser ab und packe mein Hab zusammen. Herr B. wirkt auch völlig zertrümmert und wir fallen in den Kadett. Ab an den Bodensee! Problemlos geht es aus München raus und ab auf die A96. Bei Memmingen bin ich wirklich hin- und hergerissen. Bis Heidenheim wäre es nicht mehr weit, ich vermisse mein Bett wirklich. Naja, sei es drum. In Lindau fahren wir direkt die Jugendherberge an. Im Internet beworben als Youth Hostel, kein Wort der DHJ und natürlich bin ich kein verdammtes Mitglied. Die Dame an der Rezeption, auf die wir immerhin nur eine Stunde gewartet haben, verkauft uns dann ganz selbstlos eine Eintagesmitgliedschaft. Nun ist mir auch klar warum die Jugendherbergen aussterben und warum ich nie in einer war. Was für ein Mist. Im Endeffekt ist unsere Nacht in einer Jugendherberge die mit Abstand teuerste.

Während dem Duschen stell ich mir noch eben ein Biermischgetränk ins Gesicht und bin urplötzlich wieder frohen Mutes, habe Bock auf Liedfett und so richtig Lust auf einen ausgeprägten Parkplatzrave. Also fahren wir an den Club Vaudeville zu den Whatabüssern, mixen einige Kaltgetränke und bügeln einfach mal ordentlich rein. Gegen später gönnen wir uns noch einen Besuch beim Italiener ums Eck, ich snacke Pizza mit Wein und mache ganz große Augen bezüglich des herrlichen Geschmackes. Zurück vorm Club besucht uns dann noch Son of Polvo, bringt ganz wohl erzogen Bier mit und wir glühen noch etwas vor, ehe er dringend auf die Bühne sollte. Natürlich gehen wir direkt nach, denn seinen Gig zu verpassen kommt überhaupt nicht in Frage. Im Anschluss mal wieder Liedfett – die Eskalation ist ziemlich angenehm weil das Konzert nicht sonderbar gut besucht ist, im Club ist reichlich Platz und ich frage mich auch hier, welcher Hornochse dafür verantwortlich ist, dass kurz nach der Bühne der Teppichboden in einen aalglatten Fließenboden übergeht. Im Moshpit natürlich tierisch deplatziert, manch einer fällt häufig zu Boden, Todesopfer gibt es aber keine zu beklagen.

Nach dem Konzert stehen wir wieder eine Weile beisammen, befeuchten unsere Kehlen und hohlen noch einmal tief Luft, bevor es morgen an das Finale geht. Herr M. fährt uns dann noch eben in unsere Herberge, mit letzter Kraft schleppe ich mich unter die Dusche und Herr B. macht sich derweil auf den Weg uns etwas Pizza oder Döner zu besorgen. Ob das eine gute Idee ist, sei einfach mal dahin gestellt, ich jedoch bin froh über etwas Ruhe. Knapp zwei Stunden später kommt er auch, mit zwei völlig durchweichten Pizzen. Nunja, in der Not frisst der Teufel Fliegen.

endlich wochenende

Herr M. hat uns und den Kadett gut zurückgebracht, wir schlafen horrend lange und gegen Mittag gibt es dann ganz wunderbares Frühstück. Eine Pizza für mich und etwas Obstsalat sowie Backwaren für den Rest. Ich habe nun genug, so überhaupt keine Lust mehr und mir graut es vor dem heutigen Tag. Noch trennen uns rund zwei Stunden Fahrt vom nächsten Konzert und der Tag schreitet voran. Noch etwas Wäsche waschen, Rumliegen und dann wird es aber höchste Eisenbahn. Beim Metzger um die Ecke schnappen wir noch etwas zu Beißen, ich gönne dem Kadett einigen Sprit und mit der Dunkelheit geht es auf die Autobahn.

Regen, Dunkelheit, Kater und viel zu viel Verkehr – die Fahrt kotzt mich an. In München kriegen wir dann immerhin einen kostenlosen Parkplatz an unserem Hostel, wir checken ein und während ich so auf der Toilette verweile, öffne ich direkt eine Mammutflasche Kleiner Feigling und versuche zu retten, was zu retten ist. Die Herrscher des Whatabus sind bereits da und auf dem Weg zum Club, wo heute Liedfett spielen. Auch wir machen uns auf den Weg und treffen vor der Lokalität noch alte Konzert- und Festivalbekanntschaften, trinken gemeinsam bis ich schließlich die Wärme aufsuche. Son of Polvo gucken wir uns wie gewohnt an. Klingt wie die letzten Male auch – nämlich ganz toll. Was dann bei Liedfett passiert, raubt mir den letzten Atem. Der Club ist gerammelt voll. Menschenfleisch wohin das Auge blickt. Die dreistündige Eskalation hat es in sich, manche Lieder genieße ich sogar von weit hinten, aus sicherer Entfernung. Am Wochenende scheint das feierwütige Scmierlappenkommando wohl Zeit zu haben, ich kann kaum glauben welche Energie durch den Saal schwingt und bin sogar etwas froh, als das Konzert zu Ende ist. Sauerstoff täte keinem von uns schaden, denk ich mir.

Irgendwann, wir sind mal wieder beinahe die Letzten, verschwinden wir. Wer nun glaubt dass es Freitag Nacht einen Döner in München gibt, der hat weit gefehlt. Grobes Foul, verdammtes München! Also snacken wir wieder bei McDonald’s, ich bringe den Flüssigkeitshaushalt auf Vordermann und husche dann in mein Hostel. In unserem Schlafsaal haben wir eine eigene Dusche und die nutze ich jetzt natürlich noch – so weiß immerhin der gesamte Raum, dass ich nun da bin. Die Sache mit dem Schlaf mag aber nicht so recht klappen, mir schmerzen nämliche sämtliche Knochen, eine Erkältung raubt mir die letzten Nerven und zu späterer Stunde sorgt der betrunkene B. noch für etwas Wirbel im Schlafsaal.

stufenlos ballern, bügeln, feiern

Es ist bereits Mittag, ich wache auf und verfluche den Ruhetag. Was für eine herrlich dämliche Idee. Aber es hilft ja nichts, wir müssen da durch und heute Abend irgendwie fit sein. Noch im Bett werden wir nach Frühstück gefragt und die Wahl fällt auf Pommes aus dem Backofen samt Fischstäbchen und mit meiner letzten Kraft zaubere ich noch einen halbwegs genießbaren Salat. Schmeckt alles genau so wie ich es mir vorgenommen habe – nämlich ungesund. Frau S. und Ich gucken anschließend einige Dokus über Deutschlands Südwesten, lernen erschreckend viel dabei und fühlen uns ganz pudelwohl. Als wir dann vollzählig sind und ich merke, dass meinem Körper nur noch Schlaf oder eine Portion Schnaps hilft, lasse ich mir schnell ein Trinkspiel einfallen.

Die schlechtesten Fernsehsendungen benutzen wir für unseren jugendlichen Leichtsinn und trinken wann immer sich eine Assoziation zu Liedfett, Anzüglichkeiten oder Alkohol finden lassen. Klappt ganz gut, wir muntern langsam auf und meine Hoffnung diese (Tor)Tour zu überstehen steigt. Nachdem die Getränke leer sind wird es Zeit sich in den Kadett zu schwingen. Auch heute übernimmt Herr M. wieder das Chauffeurdasein, ich fühle mich schrecklich eigenartig auf den Beifahrersitz. So sieht also das Paralleluniversum aus.

Angekommen übernehme ich kurz das Einparken, ohne Servolenkung scheint die Jugend einfach verloren… Vor der Mälze in Regensburg treffen wir dann auf Frau S. die auch bei Liedfett in Dresden war und Frau P. von irgendwo aus dem nördlichen Bayern. Gemeinsam starten wir durch, begrüßen viele Gesichter, kapern die Bar und spielen einige Runden Tischtennis, ehe Son of Polvo die Bühne betritt. Er begeistert schon wieder ganz heftigst und um mich ist es Geschehen. Liedfett ist egal – Son of Polvo ist der neue Star! Im Anschluss bügeln Liedfett wieder ordentlich rein und abgesehen von einer Stufe inmitten des Lovemoshpits haben wir rießig Spaß. Welcher Hirnakrobat auch immer auf die Idee kam, den Bühnenvorbereich mit einer Stufe zu trennen, den möge Genitalherpes heimsuchen. Ich habe selten eine solche Gefahr für Leib und Leben gesehen, man ist immerzu damit beschäftigt nicht zu fallen und kann die Show überhaupt nicht in vollen Zügen genießen.
Nach der Show stehen wir wie immer noch ein wenig beisammen, wann immer ich an der Bar vorbeigehe bekomme ich einen Jackcola gereicht und es wird langsam Zeit für einen Döner. Den bekommen wir dann auch und er schmeckt fantastisch. Vermutlich einer der besten, die ich jemals essen durfte.