Archiv der Kategorie 'Baden-Württemberg'

begegnung der anderen art

Meine Spitzel ließen heute schon verkünden, dass ganz in der Nähe eine Transall C-160 auf bessere Zeiten wartet. Die ehemalige Militärtransportmaschine wurde beim Fliegerhorst Penzing nahe Landsberg ausgemustert und ist nun teilzerlegt auf Tiefladern unterwegs in ihre neue Heimat. Vorläufiges Ziel ist Möckern bei Berlin – ein Truppenübungsplatz. Ob sie sich dort selbst überlassen wird oder sie eine weitere Reise in ein militärhistorisches Museum antreten darf, ist mir nicht bekannt.

Jedenfalls steht sie nun hier völlig unbewacht auf einem Park & Ride Parkplatz an der A7 und kann von mir bestaunt werden. Weil ich anfangs nicht wusste wo genau sie ist habe ich meinen Knackarsch auf den Roller geschwungen und bin hingefahren. An den Absperrungen kommt man mit dem Roller wie erwartet wunderbar vorbei und in Ruhe kann ich mir die Maschine ansehen. Türen und Rampen sind demontiert, sodass sich ganz fabelhaft in alle Ritzen blicken lässt und Tragwerk samt Leitwerk befinden sich auf einem zweiten LKW. Gute Reise!

kontrastreich

Ein sonniger Sonntag und der ideale Tag um nach langer Zeit mal wieder das Heidenheimer Kunstmuseum zu besuchen. 1904 wurde das Gebäude im damals aktuellen Jugendstil errichtet – es entstand ein wunderschönes Volksbad bis man 1989 die Schwimmhalle in einen Galerieraum umwandelte. Nun ist dort Platz für Wechselausstellungen und noch bis Ende September kann man einen Blick auf Jeanette Zippels „Bienenreich“ werfen.

Frau Zippel ist nicht nur Künstlerin sondern auch Imkerin und ihre Werke spiegeln diverse Interpretationen der kleinen Arbeiter. Zu unserem Glück findet just in dem Moment als wir ankommen eine Führung von Frau Zippel selbst statt und wir hängen uns direkt an. Kurzweilig erfahren wir so einiges über Bienen und die angewandten Techniken von Jeanette Zippel und sehen uns dann noch diverse Radierungen aus der Sammlung des Kunstmuseums Heidenheim an.

Nun ist der Tag noch jung und kurzentschlossen geht es nach Heubach. Dort findet heute das 5. Bergrevival statt. Bei Bergrennen fahren die Teilnehmer einzeln den Berg hinauf – das Ziel liegt höher als der Start und in Gruppen wird dann geschlossen wieder heruntergefahren. In Heubach fahren überwiegend Klassiker mit, was das für mich natürlich besonders interessant macht. So wandern wir ein gutes Stück durch den Wald zu einem Zuschauerpunkt, gucken ein wenig zu und machen uns dann auf zum Fahrerlager im Ortskern. Hier hat man die Gelegenheit die Fahrzeuge vor den Starts zu begutachten und bekommt schnell recht große Augen.

obstwiesenfeetz

Wie wir so auf dem Balkon meiner Eltern sitzen und die Katzen bespaßen, erinnert mich Frau Doppel-E. an das Obstwiesenfestival. Da war ja was. Ich habe zwar für dieses Jahr keine Lust mehr auf Festivals, aber das OWF ist ganz in der Nähe, kostet keinen Eintritt, es spielen Tocotronic und Herr S. dürfte auch dort rumstreunern.
So quatsche ich fix mit Herrn S. – der ist zwar nicht mehr dort, aber durchaus angetan und so verabreden wir uns für später.

Der Kadett fristet zur Zeit ein einsames Dasein in einem Villenviertel – vermutlich sehr zum Ärgernis sämtlicher Anwohner. So fahren wir mit einem anderen Auto nach Neu-Ulm, holen den B. ab und dann direkt zum Festival nach Dornstadt. Auf dem Acker gibt’s ein paar Kaltgetränke und dann pilgern wir aufs Festivalgelände.

Die Bands sind irgendwie alle Mist und Tocotronic spielen erst gegen Mitternacht. Also vertreiben wir uns die Zeit mit unsinnigen Gesprächen, vielen Getränken und plötzlich ist schon Zeit für Tocotronic.
Die Hamburger kenne ich schon seit locker 15 Jahren und heute sehe ich sie zum ersten Mal auf der Bühne – toller Auftritt! Wenn auch der Sound hätte deutlich besser sein können.
Ob wir jedoch das Festival selbst wieder besuchen werden, bleibt fraglich. Der Altersdurchschnitt ist schon sehr gering, das Lineup stark ausbaufähig und auch sonst fehlt irgendwie das gewisse Etwas.

treiben wir uns rum

Anlässlich eines Besuches vergammeln wir gerade in der Pfalz und versuchen recht erfolglos der Hitze zu trotzen. Nun soll es nach Hause gehen, jedoch nicht ohne einen kleinen Umweg. Wenn wir schon hier sind, könnten wir nämlich direkt einen Blick auf den jüdischen Friedhof in Obergrombach werfen. Obergrombach ist ein Dörfchen südlich von Bruchsal und nahe des Truppenübungsplatzes im Wald kann man den jüdischen Friedhof finden. Schon im Jahre 1632 wurde der Friedhof angelegt und vermutlich während der Novemberprogrome verwüstet, bis nach dem Krieg der Landrat von Bruchsal eine schnelle Wiederherstellung dies Friedhofes anordnete.

Viele Grabsteine wurde unter anderem für Wasserrinnen in der Region verwendet, deren Bergung bis in das Jahr 2004 andauerte. Nach der Bergung und Restaurierung wurden viele der Grabsteine für ein Mahnmal verwendet, während kleinere Fragmente wieder vergraben wurden. Heute ist der Friedhof wie üblich für jüdische Begräbnisstätten ungepflegt, naturbelassen und leider aber eingezäunt und verschlossen. Für eifrige Kletterer nun wirklich kein Problem – ob man aber Hausfriedensbruch bei einem Friedhof betreibt, sollte jedem selbst überlassen bleiben.

Als nächstes Ziel steht Karlsruhe-Durlach auf dem Plan – dort bin ich über eine kleine Bergbahn gestolpert, welche heute keinesfalls ohne uns fahren sollte. Die sog. Turmbergbahn ist eine Standseilbahn, die von Karlsruhe-Durlach auf den Turmberg führt. Im Jahre 1888 eröffnet, ist sie heute die älteste fahrbereite Standseilbahn in Deutschland. Auf über 300m Länge überwindet sie knapp 100 Höhenmetern mit einer Steigung von über 36%.
Von der ursprünglichen Infrastruktur und den Wagen ist heute natürlich nichts mehr da – alles wurde umfassend modernisiert. Die Wagen fahren heute anstelle von Schwerkraft und Wasserballast mit elektrischen Antrieb und die Stationen wurden durch Neubauten ersetzt. Nichtsdestotrotz bereitet es einen herrlichen kleinen Spaß mit der Bahn den Berg hinauf zu fahren und auch die Aussicht von dort oben über die nahe Umgebung weiß zu gefallen.
Von der Bergstation geht es nach ein paar Meter weiter nach oben auf den Turmbergturm. Von oben blickt man auf den Pfälzerwald und die Rheinebene.
Mit 3€ pro Fahrt ist man dabei, jedoch ist zu beachten dass keine Barrierefreiheit gegeben ist – hier soll aber in den nächsten Jahren nachgebessert werden. Bis dahin verabschieden wir uns, futtern noch einen Wurstsalat im Restaurant von Sören Anders und fahren dann gemütlich nach Hause.

dreiländereck

Nach einer angenehmen Nacht, den Schlaf der Gerechten und gemütlichen Zusammenpackens weiß ich nicht so recht wohin. Ich meine schon überall in der Bodenseeregion und dem Allgäu gewesen zu sein und so entscheide ich mich irgendwann für das Allgäu und zwei Städtchen, wo ich schon eine Menge Zeit verbracht habe. Nachdem wir in der Schweiz unsere Restfranken in Frühstück investiert haben, geht es ein Stück durch Österreich und direkt nach Wangen im Allgäu.

Wir parkieren den Kadetten und marschieren durch die Altstadt und täten noch einmal Essen gehen. Zufällig kommen wir an einem Italiener vorbei und stopfen uns hier mal wieder mit Pasta voll. Zur Verdauung legen wir uns in einen Park, spielen etwas Kniffel & Uno und lümmeln so herum, bis wir wieder ein Stückchen weiter fahren möchten. Nächster Halt: Isny im Allgäu.

Isny kennen die meisten – wie ich auch – als Kurort. Entsprechend viele Möglichkeiten Essen zu gehen lassen sich finden. Genau unser Ding. Wir spazieren einige Zeit durch Isny, gucken uns ausgiebig um und nehmen dann in einem Biergarten Platz. Nach all dem italienischem Essen ist es nun an der Zeit für deutsche Küche. Linsenspätzle, Saiten und Wurstsalat machen sich wunderbar auf den Tellern und wohlgenährt fahren wir am Abend in Richtung nach Hause. Nun sind es nur noch rund 150km und unsere kleine Erholungstour ist damit beendet.
1.700km kamen zusammen und es hat mir ausgesprochen gut gefallen mal überhaupt nichts zu tun. Abgesehen von Pavia haben wir uns nix angesehen, nix gemacht und auch nix vorgehabt. Entspannung in seiner Reinform. Außer auf dem Motorradtreffen haben wir stets auf Campingplätzen genächtigt und abgesehen von der toskanischen Küste war es stets ruhig, entspannend und erstaunlich einsam.

wellness auf‘m spielplatz

Schon vor längerer Zeit kamen wir auf die Idee, dass man ja mal wieder auf das Motorradtreffen nach Buhlbronn könnte. Meine Tante wohnt dort und das Treffen findet seit Jahrzehnten statt. Irgendwann hörte man auf das Treffen zu bewerben, weil einfach zu viele Teilnehmer gekommen sind. Den Veranstaltern ist das über den Kopf gewachsen und seither findet das Treffen im unbeworbenen, kleinen Rahmen statt. Zuletzt dürfte ich 2011 hier gewesen sein und ich kann mich an ein paar schöne Treffen erinnern.

Also mobilisieren wir meine Tante, meinen Bruder, meine Eltern sowie Frau T. aus Ludwigsburg und die Whatabus-Crew. Im laufe des Mittags trudeln alle ein und wir schlagen unsere Camper und Zelte direkt am Spielplatz auf der Wiese neben der Kelter auf. Gemeinsam verbringen wir den Tag bei herrlichem Wetter, guter Stimmung und super leckerem Essen zu fairen Preisen. Natürlich schrecken wir auch nicht davor zurück auf manchen Geburtstag anzustoßen und genießen am Abend das große Lagerfeuer und lauschen der (leider etwas) schlechten Band, bis wir schließlich zu Bette fallen. Das war ein geselliger Tag und für meine Frau Mutter eine Premiere in Sachen Camping. Zuvor hat sie glaube ich nie eine Nacht im Zelt verbracht. Und das in ihrem Alter!

Am Morgen decken wir uns mit belegten Semmeln ein, packen in Ruhe zusammen und ich studiere beiläufig den Europaatlas. Auf der Suche nach noch mehr Erholung. Die Richtung ist schnell klar, jetzt muss nur noch entschieden werden, wohin genau. Wir verabschieden uns herzlich und mein Navi palavert irgendwas von 800km. Wird wohl ein langer Tag – Erholung aber hat seinen Preis.