Archiv für Januar 2019

verkehrshaus schweiz

Neulich erinnerte mich eine alte Folge Top Gear daran, dass ich gerne einmal ins Verkehrshaus der Schweiz möchte. Gut, dass wir hier sind. Es ist das meistbesuchte Museum der Schweiz und beherbergt eine vielseitige Sammlung von Lokomotiven, Autos, Schiffen und Flugzeugen. In allen Ausstellungshallen und auch im Außenbereich kann man sich mit vielen Dingen interaktiv beschäftigen. Das mag ja ganz nett sein, ist aber ein Garant für viel Familien und Kinder. Gerade an Wochenenden daher eigentlich eher nichts für mich.

Nachdem wir uns in den Hallen des Schienenverkehrs umgesehen haben, folgt sogleich die Halle, deren Fassade mit Signaltafeln aus der Schweiz verkleidet ist, des Straßenverkehrs. Hauptattraktion dürfte hier das große Autotheater sein. Mittels eines Autolifts werden die jeweiligen Fahrzeuge präsentiert und es läuft ein Infofilm darüber ab, während lautstark Musik aus den Boxen dröhnt. Ist mir zu viel Kirmes und stattdessen täte ich mir viel lieber die teilweise interessanten Exponate so anschauen. Die sind aber übereinandergestapelt und so kommt man natürlich nicht hin. Nebenan hat man die Möglichkeit an einem Testcrash teilzunehmen. Hier fährt man mit einem VW Golf VI auf ein stehendes Hindernis. Obwohl es nur 10km/h sind, rumst es recht ordentlich und ich habe es aus meinen Erfahrungen im Straßenverkehr viel weniger brachial in Erinnerung. Vermutlich weil wir uns in jüngeren Jahren ständig gegenseitig gerammt haben und das viel mehr Spaß machte, also eine solche Simulation.

In den Räumen der Schifffahrt halten wir uns nur kurz auf und die Luftfahrt lassen wir ganz links liegen. Dafür werden wir noch einen Blick in das Hans Erni Museum, trinken anschließend noch etwas im Restaurant und treten dann den Weg zurück nach Deutschland an. Zurück über der Grenze machen wir noch einen Stopp am Schloss Salem und schauen auf die alten Gemäuer der heutigen Internatsschule. Die imposante Fassade des Salemer Münsters sticht ein wenig wie ein Fremdkörper aus dem Schloss heraus und verleiht dem Ensemble aus Gebäuden einen absonderlichen Flair.

siedlung reuss

Die Füße sind endlich wieder trocken und nun gucken wir uns in Luzern um. In der Altstadt parkieren wir den Kadetten und spazieren dann ein wenig durch die Stadt. Im Supermarkt decke ich mich mit Schweizer Schokolade ein und meine Gattin bekommt heiße Maronen serviert. Wir sehen uns die berühmten Brücken über die Reuss an und werfen einen ausführlichen Blick in die Jesuitenkirche. Die um 1670 errichtete Barockkirche wurde zuletzt 2017 renoviert und beherbergt eine Metzler-Orgel sowie Wandmalereien von den Gebrüdern Torricelli aus Lugano.

Am Rande des Gütschwaldes steht das Chateau Gütsch und das Schlössli Schönegg. Beide Bauten bestechen durch ihre tolle Lage am Berg und zu gern täte ich mich umsehen. Mangels Ausdauer und Lust sollen für heute aber Blicke von unten genügen und wir machen uns langsam auf den Weg zu unserem Hotel. Das liegt etwas außerhalb von Luzern in Meggen und ist nur einen Steinwurf vom Vierwaldstättersee entfernt. Es bietet jedoch keinerlei Firlefanz – uns aber erholsamen Schlaf.

die leiche des pontius pilatus

Wir sind irgendwie in der Schweiz gestrandet und stehen nun zu Füßen des Pilatus. Der Pilatus ist ein Bergmassiv südlich von Luzern und liegt im Grenzbereich der Kantone Luzern, Nidwalden und Obwalden. Ich wollte schon immer einmal hierher kommen um mit der Zahnradbahn nach oben zu fahren. Die Fahrt soll spektakulär und fesselnd sein. Daran gedacht dass wir uns mitten im Winter befinden habe ich natürlich nicht und die Bahn fährt erst im Frühling wieder.

Auf den Berg mögen wir nun aber trotzdem und so kaufen wir uns Tickets für die Lifte, welche uns auch nach oben bringen werden. Berg- und Talfahrt für zwei Personen kosten vergünstigt über 100,- Franken und das soll uns nun egal sein. Wir möchten jetzt ein wenig Fernsicht und Schnee. Im Lift klären uns Einheimische über die Wandermöglichkeiten und die Umgebung des Pilatus auf und stellen auch fest, dass sich unser Hotel im Reichenviertel Luzerns befindet. Das passt hervorragend, wo auch sonst gehören wir hin? Nach einer langen Fahrt kommen wir in Fräkmüntegg an und müssen umsteigen. Nun geht es in einem großen Lift weiter bis Pilatus Kulm – einer Bergstation auf über 2100m.ü.M. mit Hotels, einer Aussichtsterrasse und einer Panoramagalerie.

Wir genießen bei herrlichen Sonnenschein die Aussicht und watscheln ein wenig umher, bis wir schließlich zurück nach Fräkmüntegg fahren um dort zu Dinieren. Im Restaurant gibt es Rösti mit Würstchen – schmeckt grottig und kostet wahnsinnig viel. Satt spazieren wir dann etwas durch den Schnee und genießen auch hier die Aussicht, bis es mir schließlich zu kalt wird und sich meine Socken langsam mit Wasser füllen. Nun werde ich ungehalten und möchte zurück in die Zivilisation.

schneesause

Vor ein paar Wochen fragte mich Herr C. ob der Preis für seinen jungen Gebrauchten in Ordnung sei. Ich bejahte und wunderte mich ein wenig darüber, dass er den tollen Opel nicht losbekommt. So bot ich ihm direkt an, dass ich das Auto für Summe X kaufen täte, wenn er ihn gar nicht losbekommen sollte. Und nun hat er sich bei mir gemeldet. Ob mein Angebot noch stünde. Eh klar, Autos kann man immer gebrauchen!

Der Kadett wurde seit Polen so gut wie nicht bewegt, steht dumm rum und hat viel Zeit in der Werkstatt verbracht. So bleibt er auch heute stehen und ich fahre zusammen mit Herrn R. nach Mainz in die schöne Pfalz. Dort nämlich wohnt der C. und wird nun heute endlich seinen Opel Astra los. Die Anfahrt ist etwas schwierig, denn ausgerechnet heute steht Schneechaos auf dem Programm und so schleichen wir langsamen Tempos in Richtung Pfalz. Angekommen bleibt leider nicht viel Zeit, denn wir müssen zeitnah wieder zurück. Den Astra schaue ich mir nicht wirklich an, checke nur ob er anspringt und bezahle meine Zeche.

Auf dem Heimweg kommen längst vergessene Gefühle wieder in mir hoch. So einen Astra hatte ich nämlich als Jungspund schon einmal. Damals diente er als Winterauto und hat mich nie im Stich gelassen. Der untermotorisierte Kombi hat immer viel Spaß gemacht und für all den Unfug den wir damit getrieben haben, sollte man vermutlich in den Kerker kommen.
Die 300km meistert er auch ganz zuverlässig, braucht wenig Sprit und dient mir noch zwei Tage als Ersatz – denn der Kadett steht noch in der Werkstatt. Ein neues Türschloss soll vermeiden, dass ich weiterhin zur Beifahrertüre ein- und aussteige.
Was dann mit dem Astra passiert? Keine Ahnung. Vielleicht verkaufe ich ihn, vielleicht behalte ich ihn auch – mal sehen.

aus 18 mach 19

Der Kadett steht noch in der Werkstatt und sollte in Kürze repariert sein – ein Zündkabel war vom Marder angefressen und wurde getauscht. Eine Stunde später musste schon wieder abgeschleppt werden. Natürlich war das Zündkabel nicht das eigentliche Problem. Als wahrer Übeltäter hat sich der Zündverteiler entpuppt und schon morgen sollte der Kadett wieder fahren.

An dieser Stelle an alle ein gesundes Jahr – wenn auch etwas verspätet!

2018 verbrachte ich 95 Nächte im Kadett, im Dachzelt, in Hotels, – auf Reisen. Da kam einiges zusammen und so wundert es kaum dass so manches Land im Jahr 2018 besucht wurde.
12x Österreich, 2x Ungarn, 1x Serbien, 1x Rumänien, 1x Ukraine, 2x Polen, 4x Slowenien, 1x Kroatien, 1x Frankreich, 2x Schweiz, 1x Italien, 1x Luxembourg und 2x Tschechien.
Es trieb mich ganz schön oft in den Osten und erschreckend wenig in warme Gefilde. Nach unseren Jahrhundertsommer aber durchaus zu verkraften – dieses Jahr war es gerade in Deutschland wunderschön und ich konnte wieder einige mir unbekannte Ecken erkunden.

Auch auf viele Konzerte und Festivals habe ich es 2018 geschafft und so habe ich folgende Künstler live gesehen: Trailerpark, Not On Tour, Feine Sahne Fischfilet [2x], Russkaja, Doppel B, Liedfett [2x], Hollywood Undead, Schnipo Schranke, Dritte Wahl, Egotronic, CafeSpione, Turbostaat, Pennywise, Sick Of It All, Wizo, Ko Ko Mo, Danko Jones, Shantel & Bucovina Club Orkestar, Tocotronic, Stefan Raab und Helge Schneider

Alle Touren, Trips und Reisen unternahm ich 2018 mit dem Auto oder meinem Roller. Nur selten verirrte ich mich in öffentliche Verkehrsmittel und geflogen bin ich überhaupt nicht.
Insgesamt befand ich mich über 43.161km am Steuer von rund 40 verschiedenen Fahrzeugen und könnte mir nun Gedanken machen, wo es denn 2019 so hingeht.

ruine hochhaus

Die Weihnachtsfeiertage sind überstanden, die Waage ächzt unter der Last und wir fahren jetzt nach Bayern – ein wenig Ruinengucken. In der nähe von Nördlingen findet man im Wald die Burgruine Hochhaus. Man muss nur den Berg erklimmen und steht dann inmitten des Palas. Um 1200 wurde die Burg als Stammsitz einer Seitenlinie der edelfreien Familie von Hürnheim angelegt und 1347 an die Grafen von Oettingen-Oettingen verkauft. Sie wurde dann als Amtssitz genutzt, im 15. und 16. Jahrhundert modernisiert bis sie schließlich von den Schweden geplündert und niedergebrannt wurde. Um 1839 wird die Burg und deren Überreste endgültig verlassen und Dem Verfall preisgegeben.

So stehen heute die Überreste dort im Wäldchen und ein paar Schilder warnen vor Einsturzgefahr. Wir aber bleiben unbeeindruckt und sehen uns um, bis die Kälte uns schließlich zurück zum Auto geleitet. Dort treffen wir direkt auf die nächste Ruine. Den Kadett. Der mag nämlich nicht mehr anspringen. Perfektes Timing, so kurz vor Sylvester.
Mangels Handyempfang und Internet bin ich etwas ratlos und beschließe direkt, den ADAC nicht zu kontaktieren. Wie soll ich denen nun erklären auf welchem Feldweg genau ich hier stehe?
Also rufe ich Herrn D. herbei – mit Hilfe Googlemaps findet er die Ruine und kommt angebraust. Der Kadett ist schnell an der Abschleppstange und dann geht es direkt in die Werkstatt und für uns mit einem anderen Fahrzeug nach Hause.