Archiv für August 2018

toa gardens #2

Auch diese Nacht war schier unerträglich. Es hat kaum abgekühlt und im Dachzelt herrscht Tropenklima. Wieder Grund genug den ganzen Tag herumzugammeln, viel zu trinken und hoffnungslos zu schwitzen. Mit diversen Nachbarn haben wir uns inzwischen angefreundet, Herr P. ist auch längst da und gemeinsam verbringen wir eine recht schöne Zeit. Heute Abend spielen Danko Jones – unser zweiter Grund hier zu sein. Bisher habe ich sie nie live gesehen und freue mich natürlich – trotz der Hitze – schon tierisch.

Auf dem Konzert ist einiges los, das Publikum wirkt aber etwas träge und könnte durchaus mehr bieten. Danko Jones selbst spielen eine tolle aber gefühlt sehr kurze Setlist – vom Headliner hatte ich da irgendwie mehr erwartet und zu unserem Glück findet das Konzert auf der anderen Bühne statt. Weniger Staub für die Lungen und bessere Sicht auf die Bühne.
Nach dem Duschen fallen wir wieder ins Tropenbett und freuen uns auf den Sonntag.

Der Sonntag nämlich wurde als Trinktag deklariert. Wegen der drückenden Hitze haben wir bisher nur wenig Alkohol getrunken und stattdessen einige Gallonen Wasser vertilgt. Nun aber müssen die Reste weggeschafft werden, die Nachbarn freuen sich auf Eskalation und wir versuchen endlich durchzustarten. Im Bierdosenstechen üben wir uns noch immer, so richtig klappen mag es aber nicht und bis zum Abend sind nicht nur die meisten unserer Lebensmittelvorräte aufgebraucht, sondern auch wie jeden Tag die Wasservorräte.
Den Tag schließen wir auf der Hauptbühne mit Shantel ab – gefallen tut es aber so überhaupt, denn live scheint der Mist nicht zu sein und irgendwie fehlt der Pepp. Also bringen wir unser restliches Geld unter die Leute und verhocken anschließend mit der Nachbarschaft in unserem Camp und gehen erst sehr spät zu Bett.

Am Morgen ist dann Abbau und wir verabschieden die neu gewonnenen Freunde und fahren dann noch eben rüber nach Rüsselsheim. Dort wartet bereits Herr J. auf uns – der hat uns schon am Samstag versucht zu besuchen, traf uns aber allesamt schlafend an. Gemeinsam spazieren wir zur alten Opel Rennbahn, quatschen ein wenig und fahren dann schließlich nach Hause.
Ein gelungenes Festival geht vorrüber und abgesehen von einigen Kritikpunkten bezüglich der TOA Gardens war es ganz herrlich. Die TOA Gardens haben pro Kopf zusätzlich 50,-€ gekostet und die Nachtruhe, den Strom und das fließend Wasser haben wir sehr genossen. Allerdings war der Platz mit 220 Leuten viel zu voll und angesichts der Menge an Personen ist eine einzige Männertoilette definitiv zu wenig. Auch sonst wurden einige versprochenen Punkte nicht geboten, was mich aber unterm Strich gar nicht stört. Lediglich die Toilettensituation und das Platzangebot hätten besser sein können.

toa gardens #1

Vor einiger Zeit haben wir beschlossen auf das Trebur Open Air zu fahren und Frau S. hatte die glorreiche Idee, dass wir uns Karten für die „TOA Gardens“ kaufen könnten. Die TOA Gardens sind ein seperater Campingplatz nahe des Festivalgeländes mit einigen zuzüglichen Versprechungen. Darunter eine Nachtruhe, Strom, große Parzellen, Bio-Toiletten, fließend Wasser, ein Hofladen, Kühlmöglichkeiten und vieles mehr. Nach rund 5 Stunden Autobahn kommen wir dort an, ich winde eben meine Unterhose aus und verfluche diesen unglaublich heißen Sommer und diesen unnötigen Stau auf der A6.

Offiziell beginnt das Festival erst morgen und so können wir heute Faulenzen was das Zeug hält. Schnell steht unser Camp, unter dem Pavillon ist zum Glück Platz für einen Ventilator und wir lassen den Tag gemütlich ausklingen. Auf Herr P. warten wir vergebens, dem ist nämlich bei der Anreise das Auto verreckt und nun kommt er vermutlich erst morgen.
Nach einer heißen Nacht reist er schließlich an und wir verbringen den ganzen Tag an unserem Camp, genießen halbwegs kalte Getränke und schwitzen vor uns hin. Die Whatabus-Küche hat gut zu tun und ehe wir uns versehen, ist schon wieder der Abend angebrochen. Nun geht es zu Liedfett, die spielen als letzte Band auf der Hauptbühne und sorgen mal wieder für einen grandiosen Abriss. Erst gegen Ende bemerke ich, dass der Bühnenbereich in eine große Staubwolke gehüllt ist und unsere Lungen voll davon sind. Wahnsinnig ätzend und nach dem Konzert gönnen wir uns eine schnelle Staubfrei-Dusche am Whatabus, ehe wir kaputt zu Bett gehen.

deutsche leitkultur

Frau D. aus Texas ist gerade zu Besuch und Herr T., Ich und sie haben nun sogar einen Termin gefunden, an dem wir alle drei Zeit haben. Also schnappe Ich Frau J., sammle Frau D. ein und dann fahren wir nach München in die vier Wände von Herrn T. Eine herzliche Begrüßung folgt und schnell steht Sambuca auf dem Tisch – wie in alten Zeiten. Das Abendprogramm ist auch schnell geklärt und so stolpern wir zu späterer Stunde zu den Öffentlichen und fahren in die Innenstadt. Unsere amerikanische Freundin hat beiläufig erwähnt, dass sie noch nie im Hofbräuhaus gewesen ist. Also gehen wir dorthin um etwas zu Essen und können sie später dafür verantwortlich machen.
Denn das Essen dauert nicht nur über eine Stunde, sondern schmeckt scheußlich und die Bestellung wurde nicht richtig ausgeliefert – zur Krönung war unser Kellner ein ungezogener Lümmel. Immerhin hat das Bier mir nicht geschmeckt – verfluchtes Hofbräuhaus!

Die Stimmung hat das nun etwas gedämpft, aber nachdem wir ins Kilians – ein Irishpub – gestolpert sind, ist schnell alles vergessen. Die Getränke nämlich schmecken super und auf der Bühne schmettert ein älterer Herr diverse Hits der 60-80er ins Publikum. Es macht richtig Spaß und so langsam ist uns richtig nach Tanzen.
Wie bei meinem letzten Besuch in München gehen wir wieder in die Sauna – eine etwas heruntergekommene Schmuddeldisco mit guter Musik und feschen Getränken. Bis spät in die Nacht schwingen wir die Tanzbeine, verschütten Unmengen Getränke und fahren schließlich mit dem Taxi zurück. Der Fahrer tut mir schrecklich leid – sicher aber ist er es gewohnt betrunkene Idioten umherzufahren.

dreiländereck

Nach einer angenehmen Nacht, den Schlaf der Gerechten und gemütlichen Zusammenpackens weiß ich nicht so recht wohin. Ich meine schon überall in der Bodenseeregion und dem Allgäu gewesen zu sein und so entscheide ich mich irgendwann für das Allgäu und zwei Städtchen, wo ich schon eine Menge Zeit verbracht habe. Nachdem wir in der Schweiz unsere Restfranken in Frühstück investiert haben, geht es ein Stück durch Österreich und direkt nach Wangen im Allgäu.

Wir parkieren den Kadetten und marschieren durch die Altstadt und täten noch einmal Essen gehen. Zufällig kommen wir an einem Italiener vorbei und stopfen uns hier mal wieder mit Pasta voll. Zur Verdauung legen wir uns in einen Park, spielen etwas Kniffel & Uno und lümmeln so herum, bis wir wieder ein Stückchen weiter fahren möchten. Nächster Halt: Isny im Allgäu.

Isny kennen die meisten – wie ich auch – als Kurort. Entsprechend viele Möglichkeiten Essen zu gehen lassen sich finden. Genau unser Ding. Wir spazieren einige Zeit durch Isny, gucken uns ausgiebig um und nehmen dann in einem Biergarten Platz. Nach all dem italienischem Essen ist es nun an der Zeit für deutsche Küche. Linsenspätzle, Saiten und Wurstsalat machen sich wunderbar auf den Tellern und wohlgenährt fahren wir am Abend in Richtung nach Hause. Nun sind es nur noch rund 150km und unsere kleine Erholungstour ist damit beendet.
1.700km kamen zusammen und es hat mir ausgesprochen gut gefallen mal überhaupt nichts zu tun. Abgesehen von Pavia haben wir uns nix angesehen, nix gemacht und auch nix vorgehabt. Entspannung in seiner Reinform. Außer auf dem Motorradtreffen haben wir stets auf Campingplätzen genächtigt und abgesehen von der toskanischen Küste war es stets ruhig, entspannend und erstaunlich einsam.

switzerland

Neulich ist mir nach reiflicher Überlegung aufgefallen, dass ich noch nie eine Nacht in der Schweiz verbracht habe. Bisher hat es nur für Tagesbesuch oder Transit gereicht. Wenn wir schon auf dem Heimweg sind und Zeit nicht wirklich eine Rolle spielt, fahren wir heute einfach von Pavia in die Schweiz und machen es uns hier nochmal gemütlich.
In Pavia steuern wir aber noch eben einen Supermarkt an und wie wir mit vollgepackten Einkaufswagen auf den Kadett zurollen, findet sich an diesem auch ein Carabinieri ein. Auf Italienisch redet er auf mich ein, zeigt ständig auf das Auto und ich verstehe nur Bahnhof. Von Englisch versteht er nichts und unverrichteter Dinge zieht er wieder von dannen. Während ich dann meine Einkäufe verstaue, kommt er erneut und das Spiel geht von vorne los. Verwirrung macht sich breit, ich schnappe mir einen Zettel und einen Stift und kritzle ein Fragezeichen darauf. Schnell wird klar, dass er wissen mag wie alt das Auto ist, wieviel Kilometer er gefahren hat usw. Plötzlich verschwindet er wieder und kommt erneut – mit einem Buch über die Geschichte „seiner“ Carabinieri , das er mir schließlich schenkt. Was ein netter Kerl!

Nun aber in die Schweiz – heute haben wir uns sogar rund 300km vorgenommen, erklimmen den San Bernadino und kommen am Nachmittag schließlich im Appenzellerland an. Ich habe uns einen netten Platz oben in den Bergen herausgesucht und freue mich schon darauf, dass es nachts wieder etwas abkühlt. Der Platz liegt etwas im Nirgendwo, verfügt neben unzähligen Dauerstellplätzen über eine große Wiese, auf der man Wildparken kann und dient nebenbei auch als Gasthof, Restaurant und Wellnesstempel. Preislich ist er sogar voll im Rahmen, was ich von den Preisen im Restaurant leider nicht sagen kann. Also kochen wir selbst und verzichten vorerst auf sämtliche Aktivitäten, glotzen lediglich in die Ferne, lesen etwas und bespaßen die Ziegen und Kühe nebenan.

lombardei

Nun ist Aufbruch angesagt und wir kämpfen uns rund 150km in Richtung Norden – dort habe ich uns einen Platz am Ticino ausgemacht und den steuern wir nun an. Auf dem recht leeren Platz angekommen schlagen wir direkt das Dachzelt auf und springen dann in den Pool. So lässt es sich wunderbar aushalten, aber ehe wir nur noch herumgammeln, steht nun die Stadterkundung auf dem Plan.

Entlang des Ticino gibt es einen Wanderweg – nach nur drei Kilometern durch die schwüle Hitze erreichen wir die Innenstadt von Pavia und glotzen zuerst auf die Ponte Coperto. Die gotische Brücke aus dem 14. Jahrhundert wurde im Weltkrieg zerstört und in den 50er Jahren wieder aufgebaut – allerdings ein paar Meter weiter östlich, sodass noch heute einige Überreste der alten Brücke zu sehen sind.

Nun geht es zur Basilika San Michele Maggiore. Das beinahe 1000 Jahre alte Sandsteingebäude ist innen wie außen unbedingt sehenswert und so passiert es sogar, dass ich mal wieder eine Kirche betrete. Jedoch sind die Fassaden mit ihren Zwerggalerien, trotz Bemühungen den Verfall zu stoppen, in relativ schlechtem Zustand. Üblicherweise waren solche Gebäude in dieser Region aus Ziegelsteinen erbaut – Sandstein ist sehr witterungsanfällig und das sieht man dem Bau auch an.

Nun taumeln wir noch etwas durch die Innenstadt, snacken ein Eis und bewundern noch weitere Kirchen. Und wo wir schon in einer Stadt sind, nutze ich die Gunst der Stunde und kaufe mir eine neue kurze Hose sowie einen neuen Männerbikini. War beides bitternötig und ist nun endlich abgehakt. Nach erfolgreicher Sightseeing und Shoppingtour macht sich Hunger breit und auf unserer mühsamen Suche stolpern wir über ein winziges Restaurant am Rande der Stadt. Das Essen schmeckt fantastisch, der Wein mundet und auch die Preise sind fair. Mit der Dunkelheit sind wir schließlich zurück am Dachzelt und gehen völlig kaputtgestochen zu Bett.