Archiv für November 2017

keine macht der deeskalation

Wie ich erwache, wird mir fast etwas übel – überall Pizzareste und Bier. Pfui Teufel, am liebsten täte ich einige Wochen durchschlafen. Wenn da nicht unser Finale wäre. Also ab nach Ulm, wir checken aus und der Kadett rollt so vor sich hin. Am Club Schilli angekommen hupen wir eben die Whatabusser aus den Federn und verabreden uns anschließend am Münsterplatz. Den Kadett stelle ich an den Bahnhof und wir checken in unser Hotel ein und gönne mir wieder ein leckeres Bier unter der Dusche. Langsam gewöhnt man sich daran. Dann machen wir uns auf in die Innenstadt, Marc und Selena kommen auch angetrottet und nach einem Schnellselfie soll es in ein Café gehen, denn draußen herrscht eisige Kälte und Sturm.

Im Café fix die Tische umgestellt, negativ aufgefallen und keine zwei Minuten später schlägt die Alarmanlage des Whatabus an. Bestellt haben wir noch nix und sprinten los in Richtung des Busses. Aufgrund Starkregen, Hagel und Sturm glaube ich nicht so recht an einen Einbruch. Viel logischer erscheint mir ein offenes Fenster, herabfallendes Geäst oder Hagelkörner in Fußballgröße. Am Bus angekommen ist das Dachfenster schnell entlarvt – also alles im grünen Bereich. Wir dafür sind klitschnass, ich streife mir alles ab und sitze halt nun in Boxershort bekleidet herum. Die Heizung im Bus läuft auf Hochtouren und mit etwas Vodka ist der Fauxpas schnell vergessen. Dann gehen wir uns noch eben neu einkleiden und warten nun nur noch auf Herrn B. und Frau L.

Beim Türke um die Ecke gibt es ganz wunderbares Essen, zusammen stopfen wir uns die Mägen und gehen dann langsam in Richtung Konzert, glühen noch etwas im Whatabus vor und nun kann die Show beginnen. Heute ist Sonntag und entsprechend wenig ist los – ideale Voraussetzung für einen gelungenen Abend. Son of Polvo begeistert mal wieder, diesmal sogar vor einem großen Publikum und Liedfett eskalieren wieder maßlos. Heute bleiben wir sogar besonders lange beisammen, packen auch beim Equipment mit an und verbringen den Abend bei Kaltgetränken mit der Band, ehe es für uns alle weitergeht. Frau L. fährt uns noch eben ins Hotel, wo wir uns Suppenbrühe und Bier gönnen. Damit ist unsere Tour dann (vorerst) beendet – es war ganz herrlich wunderbar, ein Riesenspaß für alle. Ich vermisse den Haufen jetzt schon ein bisschen, der Abschied hat richtig schwer gefallen – in Hinblick auf ein baldiges Wiedersehen schmerzt es aber nur halb so doll.

A7 oder A96

Um 09.00 schrecken meine Augen auf, um mich herum wird kräftig geschnarcht und ich bin mir ganz sicher, diese irrsinnige Tour heute einfach abzubrechen. Mit letzter Kraft hieve ich mich aus dem Bett, lass eine Stange Wasser ab und packe mein Hab zusammen. Herr B. wirkt auch völlig zertrümmert und wir fallen in den Kadett. Ab an den Bodensee! Problemlos geht es aus München raus und ab auf die A96. Bei Memmingen bin ich wirklich hin- und hergerissen. Bis Heidenheim wäre es nicht mehr weit, ich vermisse mein Bett wirklich. Naja, sei es drum. In Lindau fahren wir direkt die Jugendherberge an. Im Internet beworben als Youth Hostel, kein Wort der DHJ und natürlich bin ich kein verdammtes Mitglied. Die Dame an der Rezeption, auf die wir immerhin nur eine Stunde gewartet haben, verkauft uns dann ganz selbstlos eine Eintagesmitgliedschaft. Nun ist mir auch klar warum die Jugendherbergen aussterben und warum ich nie in einer war. Was für ein Mist. Im Endeffekt ist unsere Nacht in einer Jugendherberge die mit Abstand teuerste.

Während dem Duschen stell ich mir noch eben ein Biermischgetränk ins Gesicht und bin urplötzlich wieder frohen Mutes, habe Bock auf Liedfett und so richtig Lust auf einen ausgeprägten Parkplatzrave. Also fahren wir an den Club Vaudeville zu den Whatabüssern, mixen einige Kaltgetränke und bügeln einfach mal ordentlich rein. Gegen später gönnen wir uns noch einen Besuch beim Italiener ums Eck, ich snacke Pizza mit Wein und mache ganz große Augen bezüglich des herrlichen Geschmackes. Zurück vorm Club besucht uns dann noch Son of Polvo, bringt ganz wohl erzogen Bier mit und wir glühen noch etwas vor, ehe er dringend auf die Bühne sollte. Natürlich gehen wir direkt nach, denn seinen Gig zu verpassen kommt überhaupt nicht in Frage. Im Anschluss mal wieder Liedfett – die Eskalation ist ziemlich angenehm weil das Konzert nicht sonderbar gut besucht ist, im Club ist reichlich Platz und ich frage mich auch hier, welcher Hornochse dafür verantwortlich ist, dass kurz nach der Bühne der Teppichboden in einen aalglatten Fließenboden übergeht. Im Moshpit natürlich tierisch deplatziert, manch einer fällt häufig zu Boden, Todesopfer gibt es aber keine zu beklagen.

Nach dem Konzert stehen wir wieder eine Weile beisammen, befeuchten unsere Kehlen und hohlen noch einmal tief Luft, bevor es morgen an das Finale geht. Herr M. fährt uns dann noch eben in unsere Herberge, mit letzter Kraft schleppe ich mich unter die Dusche und Herr B. macht sich derweil auf den Weg uns etwas Pizza oder Döner zu besorgen. Ob das eine gute Idee ist, sei einfach mal dahin gestellt, ich jedoch bin froh über etwas Ruhe. Knapp zwei Stunden später kommt er auch, mit zwei völlig durchweichten Pizzen. Nunja, in der Not frisst der Teufel Fliegen.

endlich wochenende

Herr M. hat uns und den Kadett gut zurückgebracht, wir schlafen horrend lange und gegen Mittag gibt es dann ganz wunderbares Frühstück. Eine Pizza für mich und etwas Obstsalat sowie Backwaren für den Rest. Ich habe nun genug, so überhaupt keine Lust mehr und mir graut es vor dem heutigen Tag. Noch trennen uns rund zwei Stunden Fahrt vom nächsten Konzert und der Tag schreitet voran. Noch etwas Wäsche waschen, Rumliegen und dann wird es aber höchste Eisenbahn. Beim Metzger um die Ecke schnappen wir noch etwas zu Beißen, ich gönne dem Kadett einigen Sprit und mit der Dunkelheit geht es auf die Autobahn.

Regen, Dunkelheit, Kater und viel zu viel Verkehr – die Fahrt kotzt mich an. In München kriegen wir dann immerhin einen kostenlosen Parkplatz an unserem Hostel, wir checken ein und während ich so auf der Toilette verweile, öffne ich direkt eine Mammutflasche Kleiner Feigling und versuche zu retten, was zu retten ist. Die Herrscher des Whatabus sind bereits da und auf dem Weg zum Club, wo heute Liedfett spielen. Auch wir machen uns auf den Weg und treffen vor der Lokalität noch alte Konzert- und Festivalbekanntschaften, trinken gemeinsam bis ich schließlich die Wärme aufsuche. Son of Polvo gucken wir uns wie gewohnt an. Klingt wie die letzten Male auch – nämlich ganz toll. Was dann bei Liedfett passiert, raubt mir den letzten Atem. Der Club ist gerammelt voll. Menschenfleisch wohin das Auge blickt. Die dreistündige Eskalation hat es in sich, manche Lieder genieße ich sogar von weit hinten, aus sicherer Entfernung. Am Wochenende scheint das feierwütige Scmierlappenkommando wohl Zeit zu haben, ich kann kaum glauben welche Energie durch den Saal schwingt und bin sogar etwas froh, als das Konzert zu Ende ist. Sauerstoff täte keinem von uns schaden, denk ich mir.

Irgendwann, wir sind mal wieder beinahe die Letzten, verschwinden wir. Wer nun glaubt dass es Freitag Nacht einen Döner in München gibt, der hat weit gefehlt. Grobes Foul, verdammtes München! Also snacken wir wieder bei McDonald’s, ich bringe den Flüssigkeitshaushalt auf Vordermann und husche dann in mein Hostel. In unserem Schlafsaal haben wir eine eigene Dusche und die nutze ich jetzt natürlich noch – so weiß immerhin der gesamte Raum, dass ich nun da bin. Die Sache mit dem Schlaf mag aber nicht so recht klappen, mir schmerzen nämliche sämtliche Knochen, eine Erkältung raubt mir die letzten Nerven und zu späterer Stunde sorgt der betrunkene B. noch für etwas Wirbel im Schlafsaal.

stufenlos ballern, bügeln, feiern

Es ist bereits Mittag, ich wache auf und verfluche den Ruhetag. Was für eine herrlich dämliche Idee. Aber es hilft ja nichts, wir müssen da durch und heute Abend irgendwie fit sein. Noch im Bett werden wir nach Frühstück gefragt und die Wahl fällt auf Pommes aus dem Backofen samt Fischstäbchen und mit meiner letzten Kraft zaubere ich noch einen halbwegs genießbaren Salat. Schmeckt alles genau so wie ich es mir vorgenommen habe – nämlich ungesund. Frau S. und Ich gucken anschließend einige Dokus über Deutschlands Südwesten, lernen erschreckend viel dabei und fühlen uns ganz pudelwohl. Als wir dann vollzählig sind und ich merke, dass meinem Körper nur noch Schlaf oder eine Portion Schnaps hilft, lasse ich mir schnell ein Trinkspiel einfallen.

Die schlechtesten Fernsehsendungen benutzen wir für unseren jugendlichen Leichtsinn und trinken wann immer sich eine Assoziation zu Liedfett, Anzüglichkeiten oder Alkohol finden lassen. Klappt ganz gut, wir muntern langsam auf und meine Hoffnung diese (Tor)Tour zu überstehen steigt. Nachdem die Getränke leer sind wird es Zeit sich in den Kadett zu schwingen. Auch heute übernimmt Herr M. wieder das Chauffeurdasein, ich fühle mich schrecklich eigenartig auf den Beifahrersitz. So sieht also das Paralleluniversum aus.

Angekommen übernehme ich kurz das Einparken, ohne Servolenkung scheint die Jugend einfach verloren… Vor der Mälze in Regensburg treffen wir dann auf Frau S. die auch bei Liedfett in Dresden war und Frau P. von irgendwo aus dem nördlichen Bayern. Gemeinsam starten wir durch, begrüßen viele Gesichter, kapern die Bar und spielen einige Runden Tischtennis, ehe Son of Polvo die Bühne betritt. Er begeistert schon wieder ganz heftigst und um mich ist es Geschehen. Liedfett ist egal – Son of Polvo ist der neue Star! Im Anschluss bügeln Liedfett wieder ordentlich rein und abgesehen von einer Stufe inmitten des Lovemoshpits haben wir rießig Spaß. Welcher Hirnakrobat auch immer auf die Idee kam, den Bühnenvorbereich mit einer Stufe zu trennen, den möge Genitalherpes heimsuchen. Ich habe selten eine solche Gefahr für Leib und Leben gesehen, man ist immerzu damit beschäftigt nicht zu fallen und kann die Show überhaupt nicht in vollen Zügen genießen.
Nach der Show stehen wir wie immer noch ein wenig beisammen, wann immer ich an der Bar vorbeigehe bekomme ich einen Jackcola gereicht und es wird langsam Zeit für einen Döner. Den bekommen wir dann auch und er schmeckt fantastisch. Vermutlich einer der besten, die ich jemals essen durfte.

nie wieder ruhetag

Irgendwann schafft es auch Herr B. aus seinem Bett und wir packen zusammen, checken aus und suchen langsam den Kadetten auf. Der Pakrplatzwächter erkennt uns natürlich sofort wieder, erkundigt sich nach unserem Wohlbefinden und wie das Konzert denn war und wünscht eine gute Reise. Netter Kerl! Nun aber nichts wie weg – nächster Halt Regensburg. Die Autobahnen sind angenehm leer, wir fließen ganz ruhig in Richtung Oberpfalz. In Geiselwind halten wir eben, knabbern an ein paar Hotdogs herum und gondeln dann auch schon weiter.

Für heute steht ja kein Konzert an, naiv wie ich bin habe ich mir ein nettes Programm ausgedacht, aber wie wir ankommen wird mir klar, dass das alles nichts wird. Alle wirken recht übermüdet, fertig und mein Vorschlag fix nach Wien zu fahren findet leider auch keinen Anklang. Der Vater von Herrn S. hat uns freundlicherweise sein Haus überlassen und nun sitzen wir in der Küche, ich saufe unentwegt Wasser und dann soll es nach Regenstauf zum Vietnamesen gehen. Vorher fließt noch etwas Wein und mehr bis schließlich Herr M. das Fahren übernehmen muss. Ist auch garkein Problem, denn Alkohol trinkt er generell nicht und so feiern wir eine kleine Premiere. Mein Kadett wird zur Abwechslung mal nicht von mir bewegt. Das gab es noch nie und ich hoffe inständig, dass er ihn nicht kaputtfährt.

Angekommen schlagen wir uns die Bäuche voll, ich snacke einigen Fisch und Gemüse und dann fällt uns nichts besseres ein, als eine olle Dorfkneipe zu besuchen. Die ist voll nach meinem Geschmack und nach ein paar Stunden Vollbelastung für die restlichen Gäste steht fest, dass wir gerade den Jahresumsatz verdoppelt haben. Angesoffen geht es zurück, der Kadett steckt die ruppige Fahrweise ganz gut weg und wir steigen noch eben in die Sauna. Binnen kürzester Zeit ist der Alkohol rausgeschwitzt, die Gemüter stark erregt und nach einer Dusche falle ich dann irgendwann ins Bett. Morgen ist schließlich Schluss mit Ruhetag – und das ist auch gut so, noch so eine Eskalation vertrage ich keinesfalls.

mainbügeln

Inzwischen hat auch Frau R. aus Bayreuth zu uns gefunden und gemeinsam stürmen wir die Posthalle, finden uns rechts schnell an der Bar ein und warten auf den Anheizer Son of Polvo. Früher war er unter anderem Fahrer, Rowdy und vieles mehr für Liedfett und bei dieser Tour steht er mit seiner brandneuen EP auf der Bühne. Eine Mischung aus Blues und Country, oder so. Jetzt wo ich ihn ein paar mal live gesehen habe, gefällt es mir richtig gut, auch wenn die Musik nicht unbedingt als Vorband zu Liedfett passen mag. Es wirkt doch recht gegensätzlich, mundet mir jedoch ganz ordentlich.

Die Jungs von Liedfett reißen die Bühne mal wieder ordentlich ab, wir verausgaben uns rund drei Stunden und lümmeln anschließend noch ein wenig herum, plaudern mit neuen sowie alten Bekanntschaften und verabschieden uns von der Liedfettcrew – schließlich sehen wir uns jetzt einen Tag nicht. Dann verlange ich nach einem Döner, was spät in der Nacht in Würzburg offenbar ein Problem darstellt. Sämtliche Genusstempel haben zu und uns bleibt nichts anderes übrig, als unseren Hunger bei McDonald’s zu stillen. Das Essen dauert horrend lang und schmeckt fürchterlich, also alles wie immer bei der goldenen Möwe. Völlig erschöpft fallen wir in unseren 8-Bett Schlafsaal, während die Whatabussys schon den nächsten Treffpunkt anfahren.

Nach einer kurzen Nacht – ich habe kaum ein Auge zugetan – gönne ich mir eine wohltuende Dusche und versuche dann verzweifelt etwas gegen meinen Brand zu tun. Das Leitungswasser im Hostel ist ungenießbar und etwas zu kaufen gibt es nicht. Also stampfe ich rüber zum Bahnhof, kaufe mir Cola, Wasser und Kirschsaft und kippe all das Gelumpe nur so herunter. Da war viel Sahara in meinem Rachen. Nun ist es allerdings noch dunkel und Herr B. liegt natürlich noch in den Federn, also warte ich im Hostel, lese und freue mich auf unseren heutigen Ruhetag. Kein Konzert. Kein Alkohol. Keine Eskalation. Einfach Wellness!