Archiv für August 2017

da poltert der kopf

Vom Chiemsee geht es direkt ins hessische Birkenau. Herr C. feiert heute Polterabend und die gesamte pfälzisch-hessische Crew findet sich zum kollektiven Trinken und Feiern ein. Auf dem Weg lade ich noch fix ein Waschbecken und ein altes Klo in den Kadett und komme äußerst früh an. Mein Polterklo verstecke ich fix im Garten, trinke ein Bier und fahre dann einige Meter weiter in unser Hotel. Beim Versuch einzuchecken, erinnere ich mich an die Worte von Frau M.: „Hoffentlich lebt die Eigentümerin bis dahin noch“.

Jetzt verstehe ich auch, was sie damit gemeint hat. Die nette Dame ist unglaublich alt und führt noch immer ganz allein dieses kleine Hotel – es dauert einige Zeit bis sie mich wahrnimmt und ich bekomme den Zimmerschlüssel überreicht. Eigentlich hätte ich noch gerne etwas geschlafen, aber Frau D. trudelt bereits ein und wir trinken fix einen Wein auf dem Balkon, ehe der Rest kommt.
Natürlich kommen wir dann zu spät zu den eigentlichen Festivitäten, schlagen uns die Bäucher voll und bemitleiden das zukünftige Ehepaar. Spätestens als ein Kipplaster voller Ballons, Keramik und Unrat anrollt, ist klar dass es eine Menge zum Aufräumen geben wird. Zum Schluss verwandelt Herr G. das Scherbenmeer noch in ein Schaumbad und der Schlamassel ist perfekt.

Wir feiern bis sehr spät in die Nacht hinein, es ist schön die lieben Gesichter mal wieder zu sehen und im Anbruch des nächsten Tages verschwinde ich in mein Hotelzimmer. Leider bleibt nicht viel Zeit für Schlaf, denn um 10.00 Uhr wartet bereits das Frühstück auf uns. So recht fahrtüchtig und willig fühle ich mich noch nicht, also lungern wir noch ein wenig herum, suchen eine Bank auf und erst am Mittag steuere ich den Kadetten auf die Autobahn. Weit komme ich nicht, denn es ist mir viel zu warm. Im Schatten auf einem Rasthof mache ich es mir gemütlich, döse noch ein wenig und komme schließlich erst am Abend zu Hause an. Lange werde ich jedoch nicht bleiben, schließlich ist noch Sommer und das muss gefeiert werden.

festivalblues

Schon wieder komme ich nicht dazu mich zu erholen. Im Spaß schreibe ich mit Herrn F. und Herrn B. dass ich ja zum Chiemsee Summer Festival kommen könnte. Als Herr B. mir dann noch ein Ticket für lächerliche 50,-€ besorgt, ist es um mich geschehen. Ganz ohne zu packen verschwinde ich einfach auf der Autobahn und schippere gemütlich die drei Stunden bis an den Chiemsee. Dort fahre ich an den Komfort-Parkplatz, denn ich habe ein Komfortticket bekommen mit allem Luxus den man sich so vorstellen kann und den eigentlich kein Mensch braucht. Hier treffe ich auch Herrn B., der freudig und betrunken mein Ticket übergibt und gemeinsam holen wir mein Festivalbändchen, versprühen etwas Konfetti und ich gönne mir ein Glas Wein.

Auf dem Campingplatz versuche ich Herrn B.’s Level aufzuholen, scheitere aber kläglich als er anfängt Bier zu trichtern. Also geht es zum Festivalgelände. Am Eingang treffen wir Frau A. und Frau M. wieder, die beiden haben wir auf dem Taubertalfestival kennengelernt und sie scheinen irgendwie auch nicht genug zu bekommen. Im Biergarten werden wir dann sesshaft, verweilen ganz entspannt und hören nebenbei SSIO, bis ich mich aufraffe um Freunde aus Heidenheim zu besuchen. Die gammeln auf dem Wohnmobilplatz und es dauert ein ganzes Weilchen, bis wir da ankommen. Herr F. kredenzt brühwarmen Vodka und schon nimmt die Feier ihren Lauf, bis wir uns am späten Abend in Richtung Bands aufmachen. Ich möchte unbedingt Feine Sahne Fischfilet sehen und wir sind natürlich viel zu früh dran. Auf der Hauptbühne spielen Biffy Clyro und während dem Essen gucken wir uns das Konzert an. Leider grottenschlecht und ich bin froh, die sonst immer verpasst zu haben. Im Anschluss müssen wir weiter zum Festzelt und ich armer Hund bin gezwungen mir den Rotz von Ohrbooten anzugucken, während ich am Bierstand verweile. Danach spielen dann aber FFS und der Abriss ist gigantisch. Der Ton könnte etwas besser sein, aber das ist mir dann eigentlich egal, denn die Party im Circle Pit lässt alles vergessen. So kommt es leider auch dass ich erst gegen 04.30 Uhr in mein Bett falle und schon ein paar Stunden später weckt mich die glühende Sonne. Ich stehe auf, nehme eine Kadettdusche und besuche dann wieder meine Genossen, ehe ich mich langsam verabschiede. Am späten Nachmittag fahre ich dann glücklicherweise weiter, denn am Abend wird das Festival evakuiert und abgebrochen, wegen eines verheerenden Unwetters. Da habe ich noch rechtzeitig die Kurve gekriegt und komme ganz ohne Chaos in Richtung Nordwesten, wo schon die nächste Feier auf mich wartet.

erholung im taubertal

Irgendwie bleibt überhaupt keine Zeit für Erholung, denn kaum zurück aus Mönchengladbach, wartet bereits das Taubertal Festival auf uns. Ich packe ein wenig Zeugs beisammen und tuckere gemütlich auf die Autobahn bis Wörnitz. Dort treffe ich mich mit der Whatabus-Gang und dann geht es auch schon weiter nach Rothenburg. Das Festival wurde dieses Jahr im positiven Sinne umstrukturiert, die Campingplätze sind neu aufgeteilt und auch das eigentliche Gelände präsentiert sich in ganz neuem Glanz. Grund genug hinzufahren und 5 Tage aufm Acker zu verweilen.

Im Nu steht unser Camp und Herr M. grillt ganz wunderbar, während Herr B. mich abfüllt. Rundumservice sozusagen. So vergehen fünf Tage Festivalstress, wir lernen eine Menge toller Leute kennen, feiern rund um die Uhr und ich schaffe es tatsächlich auch zu den Bands. Den Schmutzkimob sowie das Konzert habe ich am Donnerstag mitgenommen und am Freitag natürlich Liedfett, Fiddlers Green und Jennifer Rostock. Anschließend war eine Dusche nötig, denn ich musste unbedingt im Schlamm tanzen, so wie sich das für einen waschechten Deppen gehört. Den Samstag verbrachten wir dann ausschließlich im Camp, denn keiner hatte Bock auf Bands und das miese Wetter und so fröhnten wir unserer guten Gesellschaft, bis wir Sonntag Nachmittag schließlich das Festival verlassen haben. Der Whatabus brauchte wieder Hilfe vom Traktor, während der Kadett ganz unbeeindruckt durch die Schlammwüste bretterte um anschließend sogar ganz ohne Polizeikontrolle weiterzukommen.

Das Festival war entgegen meiner Erwartungen grandios, was mit Sicherheit auch an den vielen tollen Leuten in unserem Camp lag und der Umstrukturierung des Zeltplatzes. Zum ersten mal konnte ich Durchschlafen auf dem Taubertal und auch sonst hielt sich sämtliches Chaos in Grenzen. Das soll nun aber wirklich das letzte große Festival gewesen sein – ob ich da konsequent bin weiss ich leider noch nicht.

konfettiabriss

Die Parkplatzwächter sind sichtlich verwirrt, dass schon die ersten Gäste erscheinen. So kriegen wir natürlich auch den ersten Parkplatz zugewiesen und dieser befindet sich direkt am Eingang. Ideal! Schnell ist ein Wein entkorkt, die Musik dröhnt aus den Boxen und wir pflegen schon wieder die ersten Ruhrpottbekanntschaften. Schon wieder wird mir nahegelegt die Niederrheiner nicht mit den Ruhrpottlern zu verwechseln. Egal, meine Ohren sind taub. Als langsam Regen aufzieht, baue ich aus dem Dachzelt und einer Plane eine trockene Komfortzone mit herrlichen Blick auf die Gäste, die da mitten im Regen Schlangestehen. Ich kapier es nicht – warum stelle ich mich dort an, wenn das Konzert erst in gut fünf Stunden beginnt?

Den Leuten aber gefällts, schließlich versorgen wir sie alle mit guter Musik, leckerem Likör und die Damen mit Klopapier fürs Dixie. Selbst Mütter gehen bei uns nicht leer aus, denn deren Kinder versorgen wir stets mit Konfetti und den Worten dass sich die Mutti freut, wenn das in alle Ecken und Ritzen drängt. Höhö. Ein Riesenspaß und als wir dann zusammenpacken um auch auf das Konzert zu gehen, kommt richtig Stimmung auf. Wir haben glücklicherweise „Front-of-Stage“ Tickets und können uns dort im Pogorausch sämtliche Knochen zertrümmern. Deichkind spielt eine unglaublich grandiose Show, es macht wie immer Spaß ohne Kompromisse und Herrn K. verliere ich ganz anders als gewohnt erst nach der ersten Hälfte.

Nach dem Konzert wird mir erst die Tragweite unserer kleinen Pre-Parkplatzparty bewusst, denn beinahe jeder erkennt mich & ständig möchten die Leute sich für unserer Bewirtung revangieren. Ehe meine Leber explodiert suche ich dann das Weite und gehe wieder zum Auto. Auch dort warten bereits einige unserer neuen Freunde und wir sitzen noch ein paar Stündchen beisammen, bis schließlich auch wir zurück in unser Hotel wandern. Den Late-Checkout kosten wir dann natürlich bishin zur letzten Sekunde aus, Frühstücken ein wenig und dann heißt es schon Abschied nehmen. Die Autobahnen sind leider unfassbar voll und wir brauchen doch tatsächlich über 9 Stunden bis wir zu Hause ankommen & weil das Konzert so spitze war, reift in unseren Köpfen bereits der Gedanke auch auf das nächste zu fahren. Für Deichkind war noch nie ein Weg zu weit.

mönchendeichkind

Im Hotelzimmer stinkt es ganz fürchterlich nach Verwesung und es wird Zeit aufzustehen. Wir packen zusammen und haben doch Lust auf Frühstück. Im B&B-Hotel ist das aber eher ein ganz schlechter Witz, also lassen wir es. Stattdessen fahren wir geschwind in die Innenstadt – Herr K. bekommt nun endlich eine Jacke und dann fahren wir weiter in unsere Bleibe für diese Nacht. In unmittelbarer Umgebung zum Borussia Mönchengladbach-Stadion habe ich ein kleines Hotel gefunden, welches offenbar ganz familiär geführt wird und für uns heute Abend ideal ist. Wir checken ein, bekommen alles gezeigt und auf meine Frage, wo man denn gut Essen könnte wird uns die Sportsbar der Borussen nahegelegt.

Also geht’s zum Stadion. Von Fußball halte ich bekanntlich ja nix und merke auch überhaupt nicht, dass die erste Mannschaft von Mönchengladbach gerade unseren Weg kreuzt und nun trainiert. Das Essen in der Sportsbar ist tatsächlich hervorragend und dazu auch noch preiswert. Wir bekommen nach einiger Verwirrung sogar einen Heferuss kredenzt und mit vollen Mägen marschieren wir noch in den Fanshop. Wenn ich schon hier bin, muss schließlich auch ein Borussia-Aufkleber auf die Haube! Das Training der Mannschaft ist ein Öffentliches, also können wir zusehen. Als Herr K. jedoch die Mannschaft mit der des 1. FC Kölns verwechselt, schwappt uns eine unbändige Welle des Hasses entgegen und es ist Zeit zu verschwinden.

Nun fahren wir noch ein kleines Stück weiter zum ehemaligen Hockeystadion. Im Stadtsparkassen-Park spielt heute nämlich Deichkind und aus genau diesem Grund sind wir hier – wenn auch 7 Stunden zu früh. Mit der Zeit wissen wir aber für gewöhnlich ja umzugehen.

qualitytime

Heute steht schon der Herr K. in aller Frühe vor der Türe und nimmt Platz im Kadett. Gemeinsam geht es auf die Autobahnen gen Nordwest. Wir gönnen uns ein paar Tage Unvernunft und großen Spaß. Der Verkehr fließt ganz angenehm und nach nur sechs Stunden sind wir bereits in Mönchengladbach angekommen. Zuerst geht es in unser Hotel. Für die heutige Nacht haben wir uns für ein B&B nahe der Stadtmitte entschlossen. Die Rezeptionisten fragen wir nach Sehenswürdigkeiten, guten Bars, schönen Festen und all solche Dinge, die man bei einem Städtetrip eben so mitnehmen mag. Statt Antworten ernten wir nur Mitleid und den Tipp doch einfach nach Düsseldorf oder so zu fahren. In Mönchengladbach gibt es nichts. Nur einen heißen Tipp hat er parat – eine Straße mit vielen Bars und Clubs in der Innenstadt – da soll wohl auch was los sein.

Wir checken ein, werfen Krempel aufs Zimmer, verschnaufen einen Moment und sitzen anschließend noch ein bisschen am Kadetten und trinken ein kühles Bier. Dann geht’s zu Fuß in die Stadt, Herr K. hat neulich auf dem Schwörmontag seine letzte Jacke verjubelt und nun friert es ihn ganz fürchterlich. Ein paar Dinge könnte ich auch gebrauchen, werde aber in keinem der unzähligen Läden fündig. Auch Herr K. geht mit leeren Händen weiter und nun geht es in die Waldhauserstraße. Gleich in der ersten Bar versuchen wir unser Glück und bestellen lokale Biere. Schmeckt fürchterlich. Ein selbstgebrautes, naturtrübes Pils. Wenn man Stunden später aufstoßt, hat man noch immer den beißenden Ekelgeschmack im Munde. Unfassbar.

Nun geht’s weiter auf das Waldhausfest – ein kleines Kulturfest in der Fußgängerzone der Waldhausenerstraße. Irgendeine Jugendband spielt ganz fürchterlichen Rock – ich frage mich immer wieso solch junge Typen ständig über’s Leben, Verflossene und alte Zeiten singen. Total authentisch. Der Jack-Cola vom Kiosk nebenan machts etwas erträglicher & dann geht es auch schon in die nächste Kneipe. Die ganze Nacht verbringen wir in etwa so, stolpern von Kneipe zu Kneipe und lernen eine Menge Gladbacher kennen. Die sind alle auch total nett, reagieren aber recht allergisch darauf, wenn man sie immerzu als Ruhrpottler bezeichnet.
Als wir schließlich genug haben, geht’s an den Taxistand. Das erste Fahrzeug in der Schlange nimmt uns ums Verrecken nicht mit, ist der Dame „zu kurz, da verdiene man nichts“. Beim zweiten Taxi blitzen wir wieder ab, wohlgemerkt bei einer Strecke von 3-4km. Ich überlege kurz ob ich die zwei Idioten schwer beleidigen soll und beschließe dann stattdessen einfach das letzte Taxi in der Schlange zu nehmen und nach kurzer Schilderung der Situation sind wir uns ein einig, dass die beiden von ihrer Pflicht nix verstehen und sowie asozial sind. Wohlbehalten kommen wir ins Hotel und schon bald schlummere ich ganz wunderschön.