Archiv für Mai 2017

rauher wind

Nun stehen wir und warten darauf dass die Fähre zurückkommt. Immerhin Poleposition! Es gibt Nudeln mit Tomatensauce und anschließend vertrödele ich mir die Zeit mit Lesen, bis irgendwann die Fähre einfährt und nur ein paar wenige Autos ausspuckt.

Als erster fahre ich in hinein und bekomme sogar einen fantastischen Platz zugewiesen. Wir verziehen uns direkt an Deck, stopfen einen Donut in unsere Münder und beobachten dann den Kleinkrieg bei der Einfahrt der Hoffnungslosen.
Nun geht’s los, die Schnellfähre beschleunigt binär, der Wind pfeift und das Meer schlägt hohe Wellen. Wir werden ganz schön durchgeschauckelt und ich bin saufroh dass das nach einer halben Stunde bereits endet.

Nun beginnt aber wieder das ätzende Schlangestehen mit den Idioten. Allesamt drängeln, hupen und motzen sie so doll sie nur können. Grauenhaft! Ich bleibe cool. Vorallem natürlich weil wir bedingt durch den guten Platz die Fähre früh verlassen haben und recht zügig in den Schengenraum einreisen können. Nun ist der Tag aber zu Ende. Rund 11 Stunden hat uns der Spaß gekostet und ich fühle mich furchtbar ausgelaugt.

landungsbrücken raus!

Heute ist tatsächlich kaum ein Windchen zu spüren! Wir checken aus, werfen Zeugs in den Kadetten und fahren rüber zum Hafen. Es herrscht reger Betrieb und beim Einfahren fragen mich die Polizisten ob ich der Deutsche auf Weltreise sei. Öööh nö, ich stelle mich brav in die Schlange, lasse mein Fährticket bestätigen und hoffe dass es nicht allzulang dauert. Der Hafen ist aber recht voll – vermutlich weil die letzten Tage nix ging? Es dauert ewig bis wir überhaupt zur Polizei vorkommen, zum Glück wurde ich mit viel Geduld gesegnet.

Die Hirntoten rund um mich führen einen eisernen Kampf, drängeln so dreist es geht und hupen wann immer es sinnlos erscheint. Stunde um Stunde vergeht und wir schaffen es dann zur Polizei, lassen die Pässe stempeln und führen das Auto aus. Dann geht es noch kurz durch den Scanner und schon in die Reihe zur Schnellfähre.

Da kommt auch schon der „deutsche Weltreisende“. Der kam soeben im Hafen an, wurde überall durchgewunken und wurde als letztes Fahrzeug noch eben in die Fähre gestopft. Das Fahrzeug vor mir, welches schon vorher da war, darf nun auf die nächste Fähre warten – ich hingegen habe mich bereits auf die nächste eingestellt und beginne bereits das Mittagessen zuzubereiten.
Der deutsche Weltreisende entpuppt sich bei Internetrecherche übrigens als Weltrekordfahrer. Dakar nach Moskau in vier Tagen mit einem VW Amarok. Darum wohl auch die bevorzugte Behandlung an allen Stellen, ist sicher einiges an Geld geflossen. Da hilft kein Kopfschütteln, die Deppen sterben einfach nicht aus – dennoch – gute Fahrt!

wird zeit zu fähren

In Tanger selbst haben wir nicht vieles gemacht. Vorallem lagen wir im Bett. Für einen ausgiebigen Spaziergang durch die Medina hat es aber auch gereicht. Direkt hinter dem Hotel ging es los und ich führte uns dorthin, wo wohl sonst eher kein Tourist entlangwatschelt. Das merkt man dann auch immer wenn die Einheimischen einen auf die richtigen Pfade leiten wollen.

Schön ists in Tanger aber auch furchtbar voll! Und sehr viel internationaler wie im Rest des Landes. Das spürte ich schon als ich einen Händler, wie immer stets höflich, abwimmelte und er mir ein „Fuck You“ mit auf den Weg gab. Sowas is mir auch noch nie passiert – neben den Tausenden freundlichen Kontakten aber eine willkommene Abwechslung.

Auch machte ich mir Gedanken darüber wie wir nach Spanien kommen. Wann immer ich auf den Hafen sah, sah ich keinen Betrieb und keine Schiffe. Mit dem Herrn an der Rezeption klärte ich die Sachlage, wir übten uns im Deuten vom Wetterradar und ich bin ganz kurz sogar erschrocken, als er mir erzählte dass am Vortag eine Fähre gesunken sei. Wie sich herausstellte hatte er sogar recht und wir warten hier im Hotel bis sich der Sturm legt. Auf Umbuchen & Tanger-Med habe ich nämlich keine Lust. Mangelnder Zeitdruck lässt mich Schulterzucken.

quarantäne

Wir fahren heute bis nach Tanger. Frau H. hat mir hier ein Hotel empfohlen & ich habe es einfach mal gebucht. Besser kann das Timing überhaupt nicht sein, denn nun habe ich Gelegenheit meine Körperfunktionen wieder herzustellen.

Wir quälen uns durch den regen Verkehr bis an den Rande der Altstadt. Das Hotel liegt direkt zwischen Medina & dem Hafen, mit ganz wundervollen Blick aufs Meer. Bei der Gelegenheit werfe ich direkt einen Blick auf unsere Tickets und stelle fest dass unser Schiffchen von Tanger nach Tarifa fährt und nicht wie angenommen von Tanger-Med. Trifft sich ja super, wo wir ohnehin jetzt schon hier sind.

Heute steht nun nichts mehr auf dem Programm. Ich liege im Bett herum und erhole mich. Lediglich für eine Suppe & Salat erhebe ich mich. Das Grünzeug schmeckt fantastisch, mit der recht eigenwilligen Zwiebelsuppe werde ich aber nicht warm.
Die Location entschädigt aber für alles! Das Continental Hotel ist eines der ältesten in Tanger und es fällt ganz arg schwer sich an den vielen Räumlichkeiten sattzusehen.
Wie wir uns Schlafen legen macht sich der Sturm draußen besonders bemerkbar. Durch die Luftungsschächte und Flure pfeift der Wind. So viel Charme auf so engem Raum! Ich bin fasziniert!

ich könnte kotzen

Zurück am Campingplatz gibt es Essen – ich kriege aber nichts herunter und fühle mich irgendwie ganz unbehaglich.

Also klettere ich heute schon früh in mein Dachzelt, lulle mich in die Decke und schlafe. Auch das mag nicht so recht funktionieren – schon nach kurzer Zeit ist es mir furchtbar schlecht und im hohen Strahl kommt mir der Mageninhalt hoch, plätschert spektakulär neben das Auto und jetzt fühle ich mich wirklich schlecht.

Frau M. macht einen recht besorgten Eindruck und ich versichere ihr, dass es nur die Malaria ist und schon bald alles gut wird. Zu meinem Pech wird allerdings überhaupt nichts gut. Stündlich plätschert es unheilvoll aus dem Dachzelt und um 03.00 Nacht beschließe ich mein Nachtquartier ins Erdgeschoss zu verlegen. Da spuckt es sich sehr viel angenehmer.
Wie ich unten liege hört es dann aber auf und ich schöpfe Hoffnung doch noch weiterzuleben. Wie die Sonne aufgeht steht unser nächstes Ziel dann auch schon fest – als hätte ich es geahnt haben wir ein Hotelzimmer gebucht. Dort kann ich mich sicher rundum erneuern.

lagune & flamingos

Inzwischen sind wir in Moulay-Bousselham auf dem „International Camping“ gestrandet.
Irgendwo habe ich mal gelesen dass man mit Fischerbooten in die Lagune fahren kann und dort unter anderem Flamingos zu Gesicht bekommt.

Ein ambitionierter Vogelbeobachter bin ich ja nicht gerade, aber ansehen kann man sich das unbedingt und eine kleine Bootsfahrt bespaßt mich gewiss auch enorm. An den Anlegern angekommen feilsche ich mit dem ersten Anbieter um den Preis und erkaufe uns 60min Motorboot und die Garantie dass wir Flamingos zu sehen bekommen.

Wir fahren hinaus zur Lagune, vorbei an diversem Vogelgetier und einigen Krebsen, bis uns der Bootsführer zu den Flamingos bringt. Die stehen da lustig in der Pampa und sind mit einem Fernglas ganz gut zu begutachten, ich aber genieße mehr die Flora und die tüchtigen Muschelsammler. Die stehen voll bekleidet halstief im Wasser und schon beim Anblick friere ich, die angenehmen Temperaturen südlich des Atlas sind nämlich längst Geschichte.