Archiv für Januar 2017

neues jahr in wetzlar

Für Sylvester haben wir uns dieses Jahr mit Herrn W. samt Familie und Herrn R. mit Frau G. verabredet. Kennengelernt haben wir uns vor einigen Jahren in Hachenburg beim DZG-Treffen. Die Norddeutschen sind bereits gestern angereist und ich starte erst jetzt den Kadetten und fahre in atemberaubender Geschwindigkeit nach Wetzlar. Sehr viel früher als gedacht kommen wir an und unsere Gastgeber sind natürlich gerade nicht da.

Halb so wild – so bleibt etwas Zeit um Wetzlar zu erkunden. Ich fahre den Kadetten direkt in die Altstadt und zu Fuß geht es dann durch die Fußgängerzone, entlang der Lahn zum Goethebrunnen und zuguterletzt noch an den Dom. Pünktlich zur eintreffenden Kälte in den Beinen ruft auch schon Frau G. an und meint, sie seien nun da. Vor Ort ein herzliches Wiedersehen, Kaffee und Kuchen und ehe wir fertig sind bereiten wir auch schon das Abendessen vor. Vegane Pizza soll es geben – natürlich blechweise. Nebenbei entkorken wir manchen Wein und lassen es uns besonders gut gehen.

Die Zeit bis Mitternacht vergeht mit guter Pizza und einigen wahnwitzigen Gesellschaftsspielen wie im Fluge und pünktlich zum Jahreswechsel versammeln wir uns draußen und schauen uns das Feuerwerk an, ehe wir im Warmen noch bis in die Morgenstunden beisammen sitzen, spielen und trinken. Nach einigen Stunden Schlaf erfreut uns das neue Jahr mit einem reichhaltigen Frühstück und anschließend einem Spaziergang durch das verschneite Wetzlar. Die Pflicht ruft und so kommt es, dass wir uns bereits am Nachmittag verabschieden und ich den Kadetten gen Heimat steuere. Bei Würzburg lichthupt es ganz fürchterlich hinter mir und ehe ich eine Hasstirade schwingen kann, kapiere ich dass es Herr F. ist. Der ist gerade auch auf dem Weg nach Heidenheim. Auf einem Rastplatz quatschen wir etwas und fahren die restlichen zwei Stunden dann im Konvoi zurück nach Heidenheim. Die Welt beweist auch heute wieder wahre Größe.

auf nach hamburg!

Zu unglaublicher früher Stund packen wir beisammen, ich dusche mal wieder fix und ganz ohne Frühstück geht es in den Kadetten. Neben Frau T. hat auch Herr R. im Kadett platzgefunden, denn keiner von uns hat so recht Lust auf die Unpünktlichkeit der anderen und so starten wir eben vorerst alleine durch. Wir verlassen Schweden über die Öresundbrücke und schlafen ein Ründchen auf einem Rasthof in Dänemark, ehe wir uns durch den Berufsverkehr quälen. Die Strecke bis Hamburg kommt mir unendlich lang vor, wir fressen unentwegt Kilometer und pausieren hin und wieder. Unterwegs treffen wir noch ein Team einer Nordkaap-Rallye – die befinden sich gerade von Stockholm auf den Weg nach Holland, Ziel der Rallye. Man hat sich einiges zu erzählen und so vertrödeln wir doch wieder etwas Zeit.

In Hamburg angekommen ist unser erstes Ziel die Oldtimertankstelle. Von Tankstelle ist inzwischen aber nichts mehr übrig – nun ist da eine KFZ-Prüfstelle drin und ein älterer Herr guckt grimmig hinaus. Also halten wir uns garnicht allzulange auf und fahren zu den Landungsbrücken. Ich schlug vor, den alten St. Pauli Elbtunnel zu befahren. Dort war ich seit drei Jahren nicht mehr und meine beiden Mitfahrer noch nie. Ideal also wenn man keine Lust hat das Auto zu verlassen und eigentlich einfach nach Hause möchte.

Wir bezahlen die zwei Euro Gebühr und der Fahrstuhl setzt sich in Bewegung. Ein Riesenspaß! Anschließend beraten wir uns, ob wir denn auf den Rest warten, die sind inzwischen unterwegs aber noch rund 200km entfernt, oder ob wir nach Hause fahren. Der Rest des Trupps scheint wenig glücklich darüber, dass wir nicht gewartet haben und möchte nun noch in Hamburg in’s Dungeon und so fällt unsere Entscheidung dann doch recht leicht, vollends nach Hause zu fahren. Schließlich liegen noch fast 800km vor uns. Also geht es ab auf die A7 und in die Heimat, wo wir spätabends dann auch ankommen. Alle 7 Fahrzeuge haben es pannenfrei geschafft die 3000-km Strecke zu bewältigen und auch sonst hatten wir trotz mancher Umstände eine wahnsinnig schöne Zeit. Die Planung für die Dezemberrallye 2017 kann nun getrost beginnen.

chicago schwedens

Nach einer ewigen Nachtfahrt zurück nach Malmö gehen wir direkt in die Innenstadt – erneut zu einem Italiener. Diesmal nicht ganz so gut, aber alles in allem eine gute Wahl. Wieder esse ich Pizza und erfreue mich meiner abwechslungsreichen Ernährung. Anschließend gehen wir ins Hotel, sitzen noch einige Zeit beisammen bis ich irgendwann mit Herrn R. Wein aus dem Auto holen möchte. Im Parkhaus merken wir dann auch schnell dass in Herrn F’s. Auto eingebrochen wurde. Die klägliche Rest der Seitenscheibe liegt herum und das Fotoequipment fehlt.

Schnell holen wir den Rest beisammen, ich bin erneut froh über meine Weisheit, nie Wertsachen im Auto zu lassen und dann informieren wir das Hotel sowie die Polizei. Nun wird es kurios, denn darauf wäre nichtmal ich gekommen. Die Polizei kommt nicht, sie hat dafür schlicht und ergreifend keine Zeit. Also recherchiere ich ein wenig und bin entsetzt. Malmö verfügt über die meiste Kriminalität in Schweden und ist längst nicht mehr Herr über die Lage. Polizisten gibt es zu wenige und in Malmö gibt es Dutzende No-Go-Areas, wo sich kein Ordnungshüter hintraut. Die unzähligen Banden bekriegen sich, wie auch wir vor einigen Tagen feststellen durften, inmitten Malmö und die Polizei scheint völlig machtlos. In den Medien wird das so gut es geht verheimlicht und niemand käme je auf die Idee, dass es in Malmö nicht sicher sei. Die Rezeptionistin bestätigt all das, die Hotelbewertungen sagen genau das gleiche und Einbrüche in Autos von Touristen sind sowieso völlig normal.

Im Endeffekt ist mir das völlig egal – denn ich habe mich keine Sekunde unsicher gefühlt in Malmö und auch in mein Auto wurde nicht eingebrochen, dennoch hinterlässt sowas immer einen faden Beigeschmack und es bekräftigt mich in meiner Entscheidung, Malmö nie wieder zu besuchen. Besonders schön ist es dort nämlich auch nicht – wie so oft in Großstädten.

kein schweden ohne ikea

Nun ist der Tag noch lange nicht vorbei. Wir fahren rund 40km weiter nach Älmhult in das 2015 eröffnete Ikea-Museum. Dort angekommen herrscht gähnende Leer auf dem Parkplatz. Geöffnet ist trotzdem und wir treten herein, haben eine Menge Spaß am Eingang und scherzen mit der Kassiererin um die Wette. Ihr Deutsch ist auch hervorragend und so beschließen wir vor dem Museumbesuch noch im hauseigenen Restaurant zu Essen.

Wie man es von Ikea gewohnt ist, gibt es beinahe nur Köttbullar. Mit Gästen, beinahe zwanzig an der Zahl scheint das Personal hoffnungslos überfordert zu sein. Wir nehmen Platz und warten auf unsere Bestellungen. Ich bin zum Glück so klug ein mit Salat belegtes Brot als Vorspeise zu essen. Das war nämlich schon fertig und so bekomme ich immerhin teilweise das, das ich auch möchte. Kötbullar gibt es in fünf verschiedenen Zubereitungszuständen und keiner an meinem Tisch bekommt letztlich das, das er bestellt hat. Zudem schmeckt es fürchterlich und die Menge ist kaum der Rede wert.

Wenig glücklich betreten wir das Museum, ich sehe mich um und stolpere durch die Gänge. Alles nett gemacht, schön präsentiert und liebevoll eingerichtet. Wer nun aber denkt, es gäbe viele Möbel zu sehen der irrt. Es gibt generell sehr wenig zu sehen. Ich langweile mich zu Tode. Dass das Ikeamuseum weniger interessant wird, war mir vorher schon klar. Aber dass es derart langweilig ist, hätte ich nicht für möglich gehalten. Trotzdem sehen wir uns alles an, ich denke mir meinen Teil und bin dann froh als wir uns einig sind, dass es Zeit ist zu gehen.

bilkyrkogården – lost place mal anders

Nun sind wir in der Nähe von Ryd. Direkt an der Straße 119 befindet sich ein Moorgebiet in welchem seit Jahrezehnten Autos vor sich hinrotten. In den Neunziger Jahren kam der Besitzer der Altwagen ins Altersheim und verstarb einige Zeit später, woraufhin eine Diskussion entstand, was denn mit den Autofriedhöfen – davon gibt es zahlreiche in Schweden – passieren soll. Man entschied sich nach langer Zeit glücklicherweise gegen eine Räumung und so ziehen diese wundervollen Orte bis heute zahlreiche Irre, wie wir es sind, an.

Es gibt zwei Geschichten – zum einen die, dass der Besitzer des Grundstückes schlicht und ergreifend ein Faible für Oldtimer hatte und diese sammelte und zum zweiten die, dass er wohl auch einer der vielen Ersatzteilschmuggler nach Norwegen war, was ich mir persönlich aufgrund der Entfernung eher nicht vorstellen kann. Wie auch immer – heute stehen rund um seine Schrauberkluft hunderte Oldtimer aller Art und gammeln vor sich hin.

Leider blieben im Laufe der Zeit – ich habe schon viele Bilder gesehen – die Wracks nicht unangetastet. Alles, das noch irgendeinen Wert hat wurde gestohlen, ganze Fahrzeuge zerflext und einfach mitgenommen. Sehr schade drum, aber einen solchen Ort kann man halt leider nicht vor Arschlöchern schützen. Empörung macht sich auch bei mir breit, als ich sehe dass die Scheune eingestürzt ist. Davor wurde ein Baum gefällt und er fiel direkt auf die Scheune, davon wird in wenigen Jahren leider auch nichts mehr zu sehen sein.

Trotzdem macht sich natürlich absolute Begeisterung breit, wenn man so durch die Reihen schlendert, Autos identifiziert und sich vom Rost hinreißen lässt. Ich könnte tagelang hier verbringen und spüre auch kaum die eisige Kälte, die sich in meinem ganzen Körper ausbreitet.

quer durch schweden

Der Wecker klingelt heute besonders früh. Ich schäle mich aus dem Bett, springe zum Frühstück und wir lassen die anderen wissen, dass pünktlich abgefahren wird. Auf die Alkoholleichen und Unzuverlässigen wollen wir nun wirklich keine Rücksicht mehr nehmen. So kommt es dass wir pünktlich zum Morgengrauen mit nur drei Fahrzeugen das Parkhaus verlassen. Der Rest kann ja nachkommen – die Adressen stehen schließlich im Roadbook.

So machen wir einige Kilometer auf der Autobahn und verlassen sie dann um den restlichen Weg auf Schwedens wunderbaren Landstraßen zu verbringen. Mitten im Nichts machen wir eine Pause, beraten uns bezüglich der Route und werfen bei der Gelegenheit den Bewohnern direkt eine Postkarte mit lieben Grüßen in den Briefkasten. Wenige Kilometer später schreibe ich mit den Zurückgebliebenen, wir geben unseren Standort durch und plötzlich tauchen die fehlenden 4 Fahrzeuge im Rückspiegel auf. Perfekt! Nun sind es noch rund 70km Landstraße die uns von unserem ersten Ziel trennen.
Einen kurzen Halt machen wir noch an einer alten Fabrik. Dass das offensichtlich Privatgelände ist scheint keiner zu merken (wollen) und so stehen plötzlich 7 groteske Fahrzeuge auf dem Hof eines alten Schweden. Der kommt auch sofort hinaus, guckt ungläubig und zusammen mit Herrn P. kann ich ihm erklären dass wir gleich wieder weg sind, wer wir sind und was wir machen. Gegen ein wenig deutsches Bier hat er auch überhaupt nichts einzuwenden und so dürfen wir Bilder von der Fabrik und unseren Autos machen. So recht geheuerlich scheint ihm das ganze trotzdem nicht zu sein.

Permanent läuft mir der Sabber den Mundwinkeln herunter. Denn neben der landschaftlichen Herzerwärmung fahren hier so unglaubliche tolle Volvos umher – ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Einen Tankstop später erreichen wir auch langsam das Moor Kyrkö Mosse. Hier gibt es für uns einen besonderen Leckerbissen in Form eines „Lost Places“.