Archiv für Januar 2017

bauherr & spediteur

So manch einem dürfte es aufgefallen sein – hier ist es gerade gespenstisch ruhig! Das hat aber schon seine Richtigkeit – ich habe seit einiger Zeit Stubenarrest. Kein Freigang. Schon sehr bald dürfte ich eingehen.

Seine Gründe hat es. Denn so nebenbei habe ich meine vier Wände ein wenig renoviert. Nach vielen Jahren der Baulampen-Fassungen und rigoroser Kargheit habe ich nun einige wenige Möbel angeschafft. Kommendes Wochenende kommt Herr T. – versiert in Sachen Elektronik und sehr viel weniger faul als Ich – und installiert in allen Zimmern Lampen. Das war es dann mit den Baufassungen. Ich mochte sie sehr.

Inzwischen wurden auch an allen Fenstern Sichtschutzdinge angebracht. Nun kommt weniger Licht hinein und noch sehr viel weniger neugierige Blicke der Nachbarn. Beim Nasepopeln fühle ich mich nun etwas wohler, weil weniger beobachtet. Meine Katze aber freut’s wenig – hat sie doch einiges an Ausblick einbüßen müssen. Zur Versöhnung gab es einen neuen Kratzbaum, den sie offenkundig liebt.
Auch ein neues Bett hat es gegeben – das jedoch hätte ich mir mal besser überlegen sollen, denn es schläft sich puderzuckrig drin. Das alte Bett habe ich wann immer möglich gemieden und so viel Zeit in, auf oder neben dem Kadett verbracht.
Meinen alten Fernseher konnte ich auch unters Volk bringen. Herr O. täte ihn gern haben und so liefere ich ihn die Tage in die Pfalz. Das trifft sich gut – so komme ich mal wieder raus und kann auch mein Fahrrad mitnehmen. Das steht da nun schon unverschämt lang.

das wintertreffen

Nun ist es wieder soweit – wie letztes Jahr fahren wir zum Opel-Wintertreffen nach Oschersleben. Also lade ich früh morgens Herrn M. ein und auf geht es nach Fulda – dort treffen wir auf Herrn O. und Frau M. Im Konvoi geht es weiter bis nach Oschersleben. Angekommen parkieren wir unsere Vehikel und genießen direkt eine Flasche Wein, ehe wir in das Hotel einchecken. Der restliche Tag verläuft auch nicht anders – den getunten Opels schenken wir nur wenig Beachtung und feiern stattdessen bis tief in die Nacht hinein.

Irgendwann am Morgen werde ich wach – es ist Zeit für’s Frühstück. Das Buffet in unserem Hotel ist vieles, aber auf keinen Fall 4-Sterne-gerecht. Aber mit einem leichten Kater lässt es sich prima hinunterwürgen. Anschließend gehen wir wieder nach draußen, werfen ein wenig die Musik an und genießen den Mittag bei wunderschöner Sonne im Freien, hören missratene Musik und trinken manches Kaltgetränk. Erneut macht sich hunger breit und wir beschließen im Hotelrestaurant zu dinieren. Was die Belegschaft dort an Frühstück versemmelt hat, macht sie am Zanderfilet wieder wett – es schmeckt fantastisch. Nur die Cocktails sind so überhaupt nicht gut und so kommt, dass ich der Bedienung beim Bedienen helfe – jedoch nicht bei der Zubereitung der Cocktails, was das Ganze recht sinnlos erscheinen lässt.

Gut gesättigt geht es erneut nach draußen zu den Autos und wir feiern schon wieder viel zu viel und viel zu ausgiebig. Am Morgen lasse ich das ohnehin schlechte Frühstück sausen, schlafe aus und gönne mir noch eine wohltuende Dusche. Gegen Mittag verabschieden wir die Reisegruppe Landau und Herrn M. & Ich schlafen noch ein wenig im wohltemperierten Kadett, ehe wir die uns ewig vorkommenden 600km in Angriff nehmen. Schade dass das Treffen im Gegensatz zu letztem Jahr gut besucht war. Solch Autotuning-Treffen ziehen immer horrend viele Idioten an – bei kleinen Treffen sind sie in Summe dann eher weniger auffallend und das macht das dann sehr viel gemütlicher.

ruft wer die bergwacht?

Solangsam dürften wir, soweit ich das überhaupt beurteilen kann, dem Parkplatz richtig nahe sein. Nun stehen wir aber vor mächtig vielen Büschen und Bäumen und zur Rechten fließt ein Bach. Also mitten durch! Durch das Gewächs kann man nie so richtig einschätzen wie tief der Schnee ist und vorallem was sich darunter befindet. So landen wir immer wieder entweder senkrecht im Schnee, sinken ein bishin in’s Nirvana oder wir fallen einfach waagerecht in die weiße Pracht.

Auf der anderen Seite des Baches sehe ich eine Straßenlaterne – also dürfte dort oben ja eine Straße sein. Das käme uns allen gelegen – denn allmählich wird es wirklich anstrengend. Ich finde uns einen Übergang, teste und präpariere ihn ein wenig und so kommen wir alle Viere trockenen Fußes in Richtung Hoffnung.
Nun geht es noch steil nach oben und tatsächlich – eine Straße! Zwar nicht ohne Schnee, aber man kann darauf laufen. Meine Füße gucken ganz verdutzt – festen Untergrund scheinen sie für immer abgeschrieben zu haben. Ein paar Meter weiter sieht man sogar schon den Parkplatz – alles in allem war das nun überhaupt nicht weit – wir haben lediglich den ungünstigsten Weg genommen.

Am Auto angekommen wechsel ich erstmal Schuhe und Socken und dann geht es den Fernpass ein Stück weiter – hungrig sind wir. Wir kehren in einer Gaststube ein und schlagen uns die Mägen voll. Verdient haben wir es uns schließlich. Vier müde Gesichter wollen nach Hause und so steuere ich den Kadetten wieder gen Norden. Im Allgäu schneit es wie verrückt, das aber ist kein Problem – der Kadett fährt schließlich auf jedem Untergrund wie auf Schienen.

mit blick auf den fernpass

Nun passieren wir die Eingangsschranke zur Highline179. Mangels Höhenangst macht ein Spaziergang in luftiger Höhe immer wieder Freude. Die verschneite Landschaft lässt die Herzen höher schlagen und wir halten uns einige Zeit auf der Brücke auf, liebäugeln nach unten und schießen – wie es sich für einen Tourist gehört – unmengen Fotos.

Ein zurück für uns soll es nun nicht geben, denn Frau M. plagt die Höhenangst. Ich fürchte mich bereits vor Eiszapfen in ihrem Schritt und so beschließen wir einfach auf der anderen Seite zurück ins Tal zu marschieren. Schon nach wenigen Metern wird klar, dass die Idee bisher nicht viele hatten. Um genau zu sein niemand. Schon nach kurzer Zeit endet der Schneetrampelpfad an einer Hütte und möchte einfach nicht weiter gehen. Nun haben wir die Wahl – zurück oder wie es mir sehr viel besser gefällt frei Schnauze durch den Tiefschnee.

So wühlen wir uns in stellenweise knietiefen Schnee durch den Wald und sind nach einiger Zeit zurück an der Fernpassstraße. Jetzt trennen uns – ich kann es kaum abschätzen – noch in etwa 1000m vom Parkplatz. Die Wahl fällt nicht schwer – denn am Straßenrand möchte ich keinesfall laufen. Also tigern wir los auf ein Feld in Richtung Wald. Hier ist der Schnee noch höher und man sinkt bis zu den Oberschenkeln ein. Kaum zu glauben wie anstrengend das ist – drehe ich mich um blicke ich auf drei eher weniger erfreute Gesichter. Aber da müssen sie jetzt durch.

hoch hinaus

Nun trennen uns rund 150 Höhenmeter zur Hängeseilbrücke. Der Weg dorthin ist angelegt und auch vom Schnee befreit – richtig langweilig. So schlendern wir gemütlich nach oben durch diesen wunderschönen Winterwald – erst gestern hat es massig geschneit und entsprechend weiss und frisch ist der Winter im Moment. Kurz vorm Ziel kommen wir an einem Kreuz vorbei. Natürlich kein Gipfelkreuz – einen Schnaps aber trinken wir trotzdem. All die Mühe soll natürlich nicht umsonst sein.

Bevor es über die Hängebrücke geht, kann man die Burg Ehrenberg besichtigen – oder besser gesagt das, das davon übrig blieb. Bereits 1782 wurde die Burg aufgegeben und größtenteils abgebrochen – heute finden sich eine Menge Reste und bei etwas weniger Schnee kann man die auch ganz gut erkundschaften. Wir marschieren hinauf, direkt durch den Tiefschnee und ich bin froh dass ein paar Leute vor uns dieselbe Idee hatten. Mit unserer stinknormalen Kleidung sind wir nur so mittelprächtig für eine Tiefschneewanderung ausgerüstet. Also folgen wir den Spuren unserer Vorgänger und werden zumindest ein klein weniger nass.

Von oben genießen wir den wundervollen Blick auf die Fernpassstraße, auf Reutte und die Hängeseilbrücke, schießen einige Fotos und watscheln durch den Schnee. Sattgesehen und erblindet von der immer kräftiger werdenden Sonne geht es wieder hinab und nun zur Highline179 – da wollen wir ja auch noch drüber.

schneefetisch

Heute wäre in Passau ein Großstadtgeflüster-Konzert und nachdem ich das letzte gegen einen Trip in den Osten getauscht hatte, wollte ich nun mit Frau J. dorthin fahren. So recht Lust haben wir beide nicht und so kommt es wie es kommen musste. Wir pfeifen auf das Konzert und fahren stattdessen in die Berge.

Zu viert steuern wir den Süden an und wühlen uns durch die schneebedeckte Autobahn in Richtung Fernpass. An einer alten Festungsanlage parkieren wir, werfen manchen Schneeball und kaufen dann vier Tickets für die Highline179. Weltrekordhalter in Sachen Hängebrücke – mit über 400m wohl die Längste. Nun stehen wir aber unten im Tal und müssen ersteinmal nach dort oben – nichts leichter als das!