Archiv für Dezember 2016

ulmer unterschlüpper

Heute geht es nach Ulm – der Kadett jedoch bleibt stehen und ich nehme als Beifahrer platz. Ungewohnt und auch mal schön. Warum genau wir nach Ulm düsen ist mir recht schleierhaft, trifft sich aber gut, – denn ich brauche Unterwäsche. Exemplare mit ohne Loch habe ich keine mehr im Bestand, also nehme ich mir für heute vor danach Ausschau zu halten.

In luftiger Höhe bekommen wir einen Parkplatz inklusive Blick auf’s Münster und dann geht es schon ins Getummel. Die Stadt platzt wie erwartet aus allen Nähten. Das gemeine Volk ist in einem Rausch aus Glühwein und Geschenkeeinkauf. Beinahe drehe ich durch und bin völlig entsetzt über das unendliche Wirrwarr aus Menschen und Waren. Ein paar Höschen finde ich sogar, trinke an einem Sportgeschäft einen mittelschlechten Glühwein und dann stolpern wir tatsächlich noch über den Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz.

Hier ist mal so richtig voll. Man hat nicht den Platz um sich Stände überhaupt anzusehen und das Anstehen für Essen & Getränke wird zur Geduldsprobe. Also fix eine handvoll Feuerwürste gepackt und schnell weg hier. Ab nach Hause, absofort meide ich wieder Städte an Samstagen. Ein normaler Mensch hält das doch nicht aus.

essen statt reisen

Nach einem Morgenspaziergang im stürmischen Weimar husche ich zum Frühstücken und kurz drauf gibt es Mittagessen – irgendetwas stimmt doch mit dem Zeitmanagement nicht?! Nun gibt es eine herrliche Champignoncremesuppe, anschließend ein vegetarisches Risotto und zuguterletzt Eis samt Obst. Ich bin schon wieder pappsatt und werde mich bald vom vielen Essen erholen müssen. Wir sitzen noch ein wenig zusammen, ich trinke sogar einen Kaffee – dürfte mein zweiter dieses Jahr gewesen sein.

Dann aber heißt es Abschied nehmen – ab auf die Autobahn! Ich komme früher los als gedacht und es geht gut voran bis ich – wie immer – Freunden aus Würzburg ein Bild vom Würzburg-Autobahnschild schicke. Normalerweise hat mindestens einer von uns keine Zeit und so düse ich dran vorbei. Heute aber schreiben sie, dass sie gerade in Schweinfurt sind und ich gefälligst antanzen solle.
Also finde ich mich kurze Zeit in einem Parkhaus der Stadtgalerie Schweinfurt wieder und frage lieb, ob wir denn essen gehen könnten. Beim Italiener um’s Eck bekomme ich, der Rechnung zufolge, eine Kinderpizza und die schmeckt auch recht vorzüglich. Wir plaudern noch ein wenig, holen gemeinsam Herrn R. von der Hochschule ab und dann trennen sich unsere Wege.

Die letzten zwei Stunden Autobahn vergehen wie im Flug und ich bin schon ein wenig froh wieder zu Hause zu sein. Hier gibt es nämlich deutlich weniger zu essen und auch der Glühwein schmeckt überhaupt nicht. Ideale Voraussetzungen also für eine Rehabilitation.

wheimartsmarkt

Wir starten auf Empfehlung des Taxifahrers am Rathausplatz und trinken natürlich an der erstbesten Hütte erstmal einen Glühwein. Keine Ahnung wieso, aber ich bestelle einen Kirschglühwein mit Amaretto. Schmeckt ein wenig merkwürdig und lässt sich geradeso schlucken. Anschließend werfen wir neugierige Blicke auf die weiteren Hütten und ich stelle schon bald fest, dass es hier wie überall auch viel Ramsch gibt und auch das Essen nicht danach aussieht, von mir gegessen zu werden.

Ich begrüße noch fix Goethe & Schiller und dann marschieren wir weiter die Fußgängerzone entlang. Das gefällt mir hier tatsächlich sehr – der Weihnachtsmarkt ist sehr in die Länge gezogen und zwischen den Buden ist horrend viel Platz. Kein Gedränge und keine Reizüberflütung, garantiert! Plötzlich tauch ein Ungare auf – der verkauft Paprikacreme wie ich sie suche! Ich lasse mich beraten und entscheide mich, als wäre es nicht vorher schon klar gewesen, für die Creme mit Chili. Ein paar Buden weiter schlage ich erneut zu – ein Meerrettich-Chili Aufstrich. Hört sich gut an und die Kostprobe schmeckt fantastisch – eingetütet!

Nun haben wir den Marktplatz erreicht – hier stehen wieder mehr Hütten und noch mehr Deko. Mittig ein Glühweinstand – es ist wieder Zeit. Nun probiere ich einen „heißen Caipi“ und einen Glühwein, oder waren es mehrere? Der Glühwein schmeckt fantastisch und der Caipi nach Tetrapak-Gurkenwasser, eklig.

Hunger haben wir auch – Herr D. frägt sich rum und nun stehen Inder, Grieche und Italien zur Wahl. Die Damen entscheiden sich dann recht fix für den Italiener und da wo er denn sein soll ist ein Grieche. Also fragen wir Google und bekommen einen super Italiener nur zwei Straßen weiter angeboten. Dort angekommen präsentiert sich uns ein Mexikaner. Verwirrend? Finde ich auch – drum beschließe ich dass wir nun mexikanisch essen. Ich bestelle mir unter anderem Burritos und bin hinterher dermaßen sattgegessen, dass es beinahe schon weh tut.

Nun ist es Zeit für ein Bett und ich rufe den Herrn Taxifahrer an – der kommt auch prombt und entschuldigt sich dass er so lange gebrauch habe. Angesichts fünf Minuten Wartezeit und der Tatsache dass er bei seiner Freundin Kaffeetrinken war, erkläre ich ihm, dass wir gern auch länger gewartet hätten und das kein Problem sein. Er winkt ab und ist sich sicher, dass er sie oft genug sieht.

weimarer gammel

Im Zimmer angekommen plündere ich die Minibar. Nicht dass ich Lust auf Süßes oder gar Wein hätte, aber als ich die Füllmenge entdecke, bleibt mir quasi keine Wahl. Ich sitze noch einige Zeit am Laptop, trinke das fürchterliche Gesöff und sehe nebenher sogar fern. Als ich das Zeugs endlich runtergewürgt habe, lese ich noch ein wenig und falle alsbald in einen tiefen Schlaf.

Der neue Tag verspricht in erster Linie eines – Essen! Nicht lange nach der Frühstücksbuffet-Plünderei geht es auch schon Mittagessen. Heute im Hotel. Neben Lachs gibt es allerlei Gemüse und reichlich Eis, sodass ich überhaupt nicht klagen kann.
Bei meinem letzten Besuch in Weimar, auch zur Adventszeit, habe ich den Weihnachtsmarkt besucht. Dummerweise bei gutem Wetter und vorallem tagsüber. Heute soll sich das ändern und so geht es in weiser Voraussicht bei Dunkelheit mit dem Taxi in die Innenstadt von Weimar. Der Taxifahrer ist froh, klagt er sonst unter der Woche mangels Fahrgästen mache ich direkt mit ihm aus, dass er uns gern wieder holen darf und gibt mir seine Handynummer. Servicewüste ist das jedenfalls keine.

ruinen ruinen ruinen

Nun fahre ich in Richtung Autobahn und finde unterwegs natürlich nichts zu Essen. Dann bleibt der Hunger eben. Ein paar Kilometer schaffe ich auf der A4 ehe mir eine ganz nette Burg am Horizont auffällt. Schnell verlasse ich die Bahn und steuere grob die Richtung des Berges an. Dummerweise fließt hier aber die Werra und ich komm nicht herüber… so zieht sich das alles ein ganz schönes Stückchen, bis ich schließlich tatsächlich ankomme.

Unten im Tal ist auch ein Schild – gespickt mit Informationen und Öffnungszeiten. Ab Oktober geschlossen steht da. Hä? Ich fahr einfach mal hoch anstatt zu laufen und falls mich jemand fragen sollte versichere ich glaubwürdig, dass ich zum Burgpersonal gehöre. Denen ist die Zufahrt nämlich genehmigt.

Ein Stückchen weiter sehe ich schon die Burgruine von weitem und stelle fest – Öffnungszeiten hin oder her – da komm ich super zu Fuß hin. Also parke ich das Auto im Wald und marschiere los. Als ich das ehemalige Tor erreiche stelle ich auch direkt fest, dass die Öffnungszeiten nur für das Museum gelten und die Ruine frei begehbar ist. Tolle Wurst.
Die Ruine „Brandenburg“ ist in vielen Teilen noch intakt, zumindest intakter als manch andere Ruine und das Gelände recht weitläufig. Ich durchforste jeden noch so kleinen Trampelpfad und gucke mir das ganze aus allen Winkeln ganz genau an, ehe sich das Tageslicht abschaltet.
Nun geht es zurück auf die Autobahn und noch ein Stückchen weiter in den Osten – auf einem Rasthof bekomme ich noch etwas Essbares und checke dann in Weimar in einem Hotel ein, – das habe ich mir heute verdient.

wasserburg friedewald

Nun tuckere ich durch die Rhön, vermeide die Hauptstraßen und gondel über Stock und Stein. Obwohl mitten unter der Woche, kommt es mir so vor als sei Sonntag und Heiligabend aufeinandergefallen. Die Straßen sind wie ausgestorben und keinerlei Restaurants oder Bäcker haben geöffnet.

Irgendwann, noch immer oder besser gesagt wieder auf hessischen Boden komme ich an einem Schild vorbei. Es wirbt für eine Burgruine und ich fackel nicht lange. So finde ich mich in Friedewald wieder. Hier steht die Ruine der Wasserburg Friedewald und sie ist erfreulicherweise frei zugänglich beziehungsweise geöffnet. Eintritt soll sie einen Euro kosten und den gebe ich dann auch gern aus. Ich habe die gesamte Anlage für mich alleine und belächel all die Touristen, die sich im Sommer wohl hier tummeln.

Von der Burg steht noch relativ viel und man kann tatsächlich beinahe alles frei erkunden. Sämtliche Türen und Tore sind geöffnet, alles ist frei begehbar und nichts ist wie so oft üblich lächerlich aufgehübscht und verschlimmbessert. Ich verlaufe mich kurz in den Kellerräumen, wische mir Spinnenweben von der Stirn und suche vergebens Lichtschalter. Was ein Spaß!

Selbst der Aboterker – hier machte man früher seine Notdurft in luftiger Höhe durch ein Loch direkt in das Gewässer um die Burg – ist noch erhalten und frei zugänglich. Für eine Sekunde überlege ich sogar… lasse es dann aber doch. Vernunft pur! Ich genieße noch etwas die Atmosphäre und mache mich dann wieder in Richtung Auto. Ich habe hunger! Hoffentlich kommt bald was am Straßenrand.