Archiv für Dezember 2016

dänisch inselhopping

Kurz vor der Grenze zu Dänemark füllen wir noch die Spritreserven auf und dann geht es noch rund 80km bis nach Kolding. Wir kommen gegen 04.30 Uhr in der Nacht an und beziehen eine Art Park & Rideparkplatz direkt an einem Firmengelände. Wir einigen uns auf 2-3 Stunden Schlaf und dann soll es weiter gehen. Ich erhoffe mir um diese Zeit bereits etwas Helligkeit, denke dabei aber nur wenig daran wo wir sind und dass es bisdahin definitiv nicht hell sein wird.

Viel Schlaf findet jedoch keiner von uns, kaum eingeschlafen kommen die ersten Pendler. Auf dem Parkplatz herrscht plötzlich reger Betrieb und wir ziehen natürlich viele neugierige Blicke auf uns. Also satteln wir schon früh unsere Fahrzeuge und ich merke dass mein Navi keinen Plan hat, wo Schweden liegt. Vonwegen „ganz Europa“, so ein Dreck! Glücklicherweise gibt es mobiles Internet und so kommen wir auch hier in Kolonne weiter.

Die Route verläuft nun von Westdänemark rüber nach Schweden. Ohne Autobahn und ohne Fähren. Es sind nur wenige Kilometer von Kolding bis wir auf der Insel Fünen sind – diese queren wir jetzt komplett und vermeiden dabei so gut es geht die Hauptstraßen. Dank des guten Straßennetzes kommen wir trotzdem wahnsinnig schnell voran und sehen leider viel zu wenig der tollen Landschaft. Mir scheint es auch so, dass es den anderen Teilnehmer gelegen kommt, offenbar hängen die 1.000km noch schwer in den Knochen. Ich muss schon beinahe Überredungskunst anwenden, dass wir am Meer anhalten, bevor es über die Großer-Belt-Brücke auf die nächste Insel geht.

kilometerfressen

Nun befinden wir uns auf der Autobahn. Die Route ist simpel wie einfach. Auf die A7 und dann 1.000km geradeaus. Einen ersten Halt machen wir in Knüllwald zwischen Fulda und Kassel, hier warten bereits Herr. P und Herr J. aus dem Saarland, sehnsüchtigst. Den Unzuverlässigen und Unpünktlichen sei Dank dürften sie schon reichlich frieren.

Wir begrüßen und recht herzlich, pausieren ein wenig und steigen dann in die Autos. Unser erstes Etappenziel befindet sich in Dänemark – noch immer rund 600km entfernt. Das hört sich erstmal saulangweilig an – ist es auch! Da wir heuer relativ weit fahren habe ich beschlossen dass wir die ersten 1.000km Autobahn fahren und möglichst schnell vorankommen, dass anschließend genügend Zeit bleibt um durch Dänemark zu gondeln.

Ich führe die Kolonne an und sehe irgendwo in Niedersachsen die Polizei bereits von weitem. Natürlich verlassen sie sofort ihren Beobachtungspunkt und fahren uns hinterher, überholen in aller Ruhe Auto um Auto und verlassen dann die Autobahn. Glück gehabt! Und zu früh gefreut. Sie fahren direkt wieder drauf und winken dann Herrn F. raus zur allgemeinen Verkehrskontrolle. Es ist alles im Lot, wir warten an einem Rasthof und ich mitternachtssnacke Frau T’s. Lachsbrötchen und Dosenfisch. Zur Nachspeise gibt es neben Nikotin auch etwas RedBull. Wohl dem, der nicht neben mir sitzt!

der karawane startet durch

Heute ist es endlich soweit – viele Jahre ging die Rallye nach Monaco und nun endlich woanders hin. In Monte-Carlo habe ich mich nun wirklich sattgesehen und es geht den meisten anderen auch so. Also fiel die Wahl auf Schweden! Die Route steht, die Autos sind startklar und gepackt habe ich auch – also ab zum Treffpunkt.

Die Reihen haben sich, sehr zu meiner Freude, etwas gelichtet – statt über 20 Autos sind es heuer „nur“ 7 Autos. Liegt zum einen daran, dass wir nun länger unterwegs sind und zum anderen natürlich auch, dass es kostenintensiver wird. Start ist nun in Heidenheim – weitere Teilnehmer gabeln wir in Würzburg und bei Fulda auf. Ab dann sind wir komplett.

Besonders froh bin ich über die Fahrzeuge – das erste mal seit Jahren ist kein Neuwagenmist dabei. Das jüngste Fahrzeug ist dieses Jahr 22 Jahre alt. Wäre zwar nicht schlimm, erfahrungsgemäß verrecken die neuen Autos unterwegs aber viel zu oft und kosten entsprechend viele Nerven.

- Opel Kadett E Stufenheck, Benzin
- BMW E28 524TD, Diesel
- Opel Senator B 3.0 24V, Benzin
- VW Golf II, Benzin
- BMW E34 520i, Benzin
- Audi 80 Coupe, Benzin
- VW Golf I, Diesel

Auf los, geht’s los!

allgäuer erzeugnisse

Herr R. hat mich vorhin schon ermahnt. Ich sei im Allgäu gewesen und habe nicht den Likör mitgebracht, den wir so sehr hassen. Ich zeige mich verständnisvoll und steige sofort in’s Auto. Einen Tag bevor es nach Schweden geht, kann man problemlos noch ein paar hundert Kilometer draufsetzen, ist doch kein Problem.

Den Kadett lasse ich stehen, denn Zeit habe ich quasi keine und dementsprechend schnell soll es gehen. Fix das Navi mit der Adresse gefüttert und schon befinde ich mich auf der A7 gen Süden. Die Bahn ist frei und so brauche ich nur eine lächerliche Stunde bis nach Kempten. Den Spirituosenhändler habe ich vor Fahrtbeginn bereits angerufen und nach den Beständen gefragt.

Angekommen blicke ich in einen äußerst urigen Laden, vollgepackt mit Wein & Schnaps. Meine Bestellung – Essacher Luft – steht bereit und ich koste noch einen anderen Likör. Auch den tüte ich direkt ein und dann geht es wieder zurück. Nun kann man sich fragen ob es sich denn lohnt für etwas „Essacher Luft“ so weit zu fahren. Ich muss sagen – nein. Auf keinen Fall. Das Gesöff schmeckt barbarisch, unmenschlich und gehört verboten. Grund genug also ein paar Flaschen mit nach Schweden zu nehmen! Nun muss ich aber packen…

was ein stress

Zu unchristlicher Zeit mache ich mich heute schon auf den Weg ins Allgäu, sitze einige Stunden meinen Po wund, esse dann unheimlich viel und fahre schon wieder zurück. Für mehr habe ich leider keine Zeit, denn in weniger als 48 Stunden geht es nach Schweden und vorbereitet ist quasi noch nichts. Selbst die Buchungsbestätigungen des Hotels in Schweden sind noch „ungelesen“.

Also ab nach Hause – dort statte ich Herrn F. in der Werkstatt einen schnellen Besuch ab. Der BMW ist noch so überhaupt nicht bereit für einen 2500km Trip. Die Mängelliste des TÜV-Prüfers umfasst zwei Seiten und zugelassen ist die Kiste noch lange nicht. Sieht also nach Arbeit aus und dementasprechend schnell mache ich mich wieder vom Acker. Ein wenig zu tun habe ich schließlich auch noch. Die Roadbooks zum Beispiel müssen geschrieben werden. Mein Kadett steht auch mutterseelenallein rum. Eine kleine Innenraumpflege habe ich ihm schon zukommen lassen und nun fehlt eigentlich nur noch das Prüfen der Ölfüllmenge. Das sollte für ein paar Tausend Kilometer locker reichen. An’s Packen geschweigedenn Verpflegung habe ich natürlich auch noch nicht gedacht – ich denke das werde ich ganz im Sinne unserer kleinen Rallye wenige Minuten vor Abfahrt erledigen.

Dieses Jahr fahren wir statt nach Monaco nach Schweden. Die Wärme da unten hält schließlich keiner aus. So entschieden wir uns für einen Trip nach Malmö und einigen Sehenswürdigkeiten in Südschweden. Angemeldet sind 8 tollkühne Kisten, keine jünger als 20 Jahre alt und noch tollkühneren Fahrern.

kamikatze würzburg

Vor einiger Zeit zogen ein paar Freunde nach Würzburg und nun gehe ich sie endlich besuchen. Die Autobahn nehme ich in aller Gelassenheit und komme nach ein wenig Stau auch an. Zuerst betrete ich die Küche und sehe genau das, das ich mir vorgestellt hatte. Es sieht so aus, als würden hier drei junge Männer hausen. Genau nach meinem Geschmack. Möbel sind Mangelware, Betten selbstverständlich nicht bezogen und auch sonst gähnende Leere wohin man blickt.

Mangels Kühlschrank stelle ich den Wein einfach vor die Haustüre – da bleibt er wohltemperiert und wir machen uns alsbald daran eine Flasche zu öffnen und Pizza zu bestellen. Mangels Gläsern müssen Yogurth- und Marmaladengläser herhalten. Einige Zeit sitzen wir beisammen, stoßen auf unser Wohl an und schlagen uns die Mägen voll. Anschließend soll es in einen Club gehen – Kamikatze sein Name. Getränkepreise von 1,00€ versprechen viel und wir werden nicht enttäuscht. Stunde um Stunde werden die Getränke zwar teurer, das macht aber nichts. Als normaler Mensch braucht man nach einiger Zeit im Club nun wirklich nichts mehr.

Zurück geht es mit dem Taxi und ich schlafe in einem Bett neben Herrn F. und bin mir sicher – für das Studentenleben bin ich nun wirklich zu alt. Ursprünglich hatte ich geplant morgens zeitig den Rückweg anzutreten, das verwerfe ich aber schnell und hole mir zum Frühstück einen vegetarischen Döner. Praktischerweise muss ich dazu nur vom Bett aus dem Fenster steigen und einige Meter gehen. Zu späterer Stund‘ bestellen wir – oh wunder – Pizza und am Abend trete ich die Heimreise an. Keine 100m gekommen erleuchtet hinter mir ein Blaulicht. Ich fahre rechts ran und der freundliche Polizist bittet mich lediglich darum mein Licht einzuschalten. Der Bitte komme ich gern nach und fahre weiter, ab nach Hause.