meer ist weniger

Mit schaltbarem Fahrzeug ging es weiter in Richtung Agadir. Die Kupplung muss unbedingt aber noch vernünftig eingestellt werden. Das lasse ich dann aber in Deutschland machen. Wozu auch gleich, wo ich mich doch noch ein paar Tausend Kilometer darüber aufregen kann.

Nördlich von Agadir haben wir es uns an der Küste gemütlich gemacht, aber schon die Fahrt durch die Stadt war der pure Horror. Nicht des Verkehres wegen, sondern weil es mir dort überhaupt nicht gefällt. Alles unschön zugebaut und so „neu“.
Auch die Hitze war recht unerträglich, selbst in der Nacht kühlte es überhaupt nicht ab und ich lief nur noch nackt durch Gegend. Frau M. empfand das auch als weniger gut und so machten wir uns schnell wieder vom Acker.
Natürlich nicht ohne mal die Beinchen in den Atlantik geworfen zu haben. Der wirkte mir dann doch aber ein wenig zu kalt & die Luft um uns herum war furchtbar geschwängert von Sand & Staub, sodass nur wenig Spaß aufkam.

patt problem!

In einem Vorort von Taroudannt halte ich schließlich an einer Tankstelle mit Werkstatt – er kann nicht helfen und schickt mich in die Stadt. Dort angekommen nochmal dasselbe Spiel und beim dritten Versuch einige ich mich mit dem Chef der Reifenwerkstatt auf „patt problem!“ und er klemmt sich hinters Telefon. Den Kadetten lasse ich derweil mitten auf der Straße stehen und warte keine 5 Minuten, bis ein junger Bursche vorbeikommt, nicht lange fackelt und den kaputten Kupplungszug ausbaut.

Die Überreste übergibt er mir und sagt, ich solle einen neuen besorgen. So schnell er kam, ist er auch schon wieder verschwunden. Eigentlich hatte ich auf eine afrikanische Lösung gehofft – aber einen neuen Kupplungszug? Für einen Opel Kadett? In Marokko? Beim ersten Teiledealer frage ich nach – sie schüttelt heftigst den Kopf, empfiehlt mir aber einen Laden ein Stück weiter. Dort angekommen sehe ich in diesem winzig kleinen Laden allmöglichen Müll, mit dem man sein Auto verzieren kann, aber reingarnichts, das bei einer Autoreparatur nützlich sein könnte. Er guckt den Zug an, identifiziert ihn als Opelteil noch ehe ich etwas sagen kann und dreht sich um – mehr Platz bietet der Laden nicht. Er zieht einen neu verpackten Kupplungszug aus einem Müllhaufen, vergleicht die beiden und siehe da – es ist genau der, den ich brauche. Auf dem Etikett steht „Opel Kadett“. Ich bin ganz baff und komme mir etwas schäbig vor, als ich um den Preis feilsche. Mehr als 2DH kann ihn aber nicht drücken – wir beide scheinen ganz genau zu wissen dass ich ihn so oder so kaufen werde. Lächerlich günstig war er aber trotzdem.

Zeitgleich mit dem Mechaniker treffe ich am Auto ein und er baut ihn mit seinem Kollegen mitten auf der Straße eben ein, wir einigen uns auf einen fairen Preis für seine Dienste und ich fahre davon.

Der ganze Spaß inkl. Teilebeschaffung hat gerademal 45min. gedauert. „Patt Problem!“ in seiner Höchstform & nie im Leben hätte ich daran geglaubt, irgendwo in Nordafrika einen Kadett Kupplungszug zu finden. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, es mit DHL Express abzuwickeln.

tizi n‘test opfer

Nun kehren wir endlich Marrakech den Rücken und fahren über den Hauptatlas nach Agadir. Die Passstraße geht auf über 2000m und schlengelt sich unter anderem an Marokkos höchsten Berg vorbei.

Großteils ist die Straße nur einspurig und stellenweise unbefestigt. Zahlreiche Erdrutsche und die harten Winter hinterlassen eine recht abenteuerliche Strecke.
Insgesamt sind es rund 100km und wie es der Teufel will vernehme ich bei den ersten Kilometern einen unschönen Schlag und mein Kupplungspedal macht die Fliege.
Der Kupplungszug ist gerissen und wie soll es auch anders sein – direkt vor einer Kehre wo es steil nach oben geht. Ich kann uns noch in eine Bucht retten und suche auf der Straße schonmal die Überreste. Kurz überlege ich und komme recht schnell zu dem Schluss, dass ich ohnehin nix machen kann. Ich habe weder Werkzeug dabei, noch Ersatzteile oder gar praktisches Gedöns wie Draht.

So beschließe ich dass wir den Pass eben ohne Kupplung fahren – dann kann sich mein Linker Fuß ausruhen und mit Zwischengas, etwas Gefühl und manchmal roher Gewalt schaffen wir das locker.
Die Strecke ist bombastisch, hinter jeder Kehre zeigt sich ein neues Landschaftsbild und die Aussichten sind spektakulär! Wahnsinnig schade dass wir nicht einfach so anhalten können um all das zu genießen – fast den gesamten Pass fahren wir im Dritten Gang und ich quäle den alten Knaben so gut es geht. Angefahren wird mit Kraft des Anlassers, gebremst am besten nie und das letzte Stück bis ins nächste Städtchen kann ich sogar bis in den 5. schalten – tatsächlich hält uns so gut wie nichts auf.

wegzehrung

Den neuen Tag starten wir am Supermarkt. Hier soll es einen großen Carrefour geben. Den Kadett fix ins Parkhaus gestellt und hinein ins Vergnügen.
Blöd nur, dass hier alles so unglaublich teuer ist. Getränkevorräte und Lebensmittel werden aufgefüllt und ehe ich mich versehe kostet der Spaß 60,-€. Tolle Wurst, absofort kaufen wir wie gehabt nur noch am Straßenrand. Ist wesentlich billiger und man erlebt wenigstens etwas.

Wie ich den Kadett belade fällt mir mal wieder Benzingeruch auf – ein Blick unters Auto verrät auch wieso. Wenn vollgetankt ist scheint er inkontinent. Ist mir in Spanien schon merkwürdig vorgekommen und nun spricht die Pfütze unterm Tank Bände. Also tanke ich vorerst mal wieder nicht mehr voll – wie in guten alten Zeiten.

Die Stunden vergingen ganz schön schnell – wir wollen heute noch über den Hauptatlas in Richtung Atlantik. Als ideale Route habe ich den Tizi n‘Test-Pass ausgewählt. Soll wohl ganz arg spektakulär sein. Das genau Richtige!
8std Fahrt habe ich eingeplant, also wird es Zeit durchzustarten, sodass wir noch bei Tageslicht ankommen.

1001 nacht!

Wir stürzen uns mitten ins Getümmel und lassen uns von der Vielfalt der aberhunderten Geschäfte verzaubern. Endlose Gänge mit allmöglichen Gerüchen liegen hinter uns, als wir am Jemaa El Fna einen Smoothie schlürfen.

Weiter geht’s zum Gerberviertel, wo ich mühsam versuche überaus freundliche Guides abzuwimmeln und wir nur kurze Blicke in das Tun der Gerber wagen. Der Geruch und auch das Handwerk überhaupt haben bei mir nie besonders gewirkt, brauche ich nicht.

Zum Verschnaufen geht es zum Wahrzeichen der Stadt, dort stolpern wir herum, lümmeln etwas im Park und trinken anschließend noch ein Kännchen Tee um dann die ganze Strecke retour zu laufen.
Ich möchte nämlich noch in das Marrakech Museum.
Ein recht kurzweiliger Besuch und mit 50DH Eintritt auch recht teuer. Die Exponate selbst lösen bei mir nicht allzuviel Begeisterung aus, da haben einschlägige Reiseratgeber zu viel versprochen. Das Gebäude jedoch verzaubert in allen Ecken und Winkeln und so hat sich der Besuch doch gelohnt.

Nun kaufe ich noch Tee und Gewürze ehe es am Stadtrand dann wieder in ein Taxi geht und wir den Abend am Pool ausklingen lassen.

1001 schritte?

Zeitig kriechen wir aus dem Bett und machen uns auf den Weg in die Innenstadt. Aber schon nach 3km Fußmarsch wimmert Frau M. ganz fürchterlich. Völlig ungeeignetes Schuhwerk lassen schmerzende Blasen entstehen und an einer Apotheke mag mir um’s verrecken kein passendes Wort für ein Pflaster einfallen. Mithilfe Google wird es dann schließlich doch noch was und die Dame kann vor Ort notoperiert werden. Das fängt ja schonmal gut an.

Weitere zwei Kilometer vergehen und das Schluchzen ebbt nicht ab – also störe ich eine Horde Taxifahrer beim Flanieren und wir bekommen auf Anhieb einen fairen Preis geboten, so fair dass ich mich nicht traue zu Feilschen.
Ein paar Kilometer später spuckt uns das Taxi am Park Lalla Hasna hinaus und nun haben wir einen weiten Marsch durch die verwinkelten Gassen der Altstadt vor uns.



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