meergucken

Kurzer Blick aus dem Fenster – ööhm, das Wetter könnte besser sein. Noch scheint es trocken, aber die Wolken verheißen nichts Gutes. Ist aber irgendwie auch egal, wir sind ja nicht aus Zucker. Also geht es etwas außerhalb Rijekas ans Meer. Ganz schön raue See heute und so dauert es auch nicht lange, bis uns eine Welle erwischt. Pitschnass ziehen wir von dannen und fahren einfach ein kleines Stück weiter in den Süden. Die Küstenstraße ist wirklich wunderschön zu fahren und jetzt wo nichts los ist, macht es sogar herrlich viel Spaß. Als ich zuletzt vor vielen Jahren hier im Sommer war, fand ich das kaum erträglich.

Schließlich stehen wir vor der Krk-Brücke und fahren einfach mal drüber. Die Fahrt kostet rund 5,-€ und der Rückweg ist dann sogar inbegriffen. Ich möchte mir die Altstadt von Vrbnik ansehen und schon der Weg dorthin macht tierisch Spaß. Angekommen schlengeln wir durch die Stadt und parken irgendwo direkt am Meer um zu Fuß das kleine Dörfchen zu erkunden. Die Altstadt ist wahnsinnig gut erhalten, die Gassen sind herrlich verwinkelt und menschenleer. Die Klancic sogar gilt als schmalste Gasse der Welt, an ihrem engsten Punkt ist sie lediglich 43cm und ich muss sogar meinen Wanst etwas einziehen. Gerüchten zufolge müssen besonders Frauen hier aufpassen, denn es heißt wenn eine Frau steckenbleibt, findet sie niemals einen Mann. Da ist sicher was dran und zu Frau Doppel-E’s Glück passt sie gerade so durch, sodass sie nicht als alte Jungfer sterben muss.

In einer urigen Kneipe stärken wir uns noch eben mit Sandwiches und Getränken, ehe wir langsam zurück zum Auto torkeln und mal sehen wo es als nächstes hingeht. Die Regenschirme wurden bisher übrigens kaum gebraucht, von wegen Dauerregen!

rijeka

Nun bahnen wir uns den Weg in unser Hotel, das liegt mitten in der Altstadt, direkt an der Ausgrabungsstätte und dem „Alten Tor“. Einen Parkplatz ergattern wir auch recht fix und die Suche nach dem Hotel gestaltet sich erst als etwas schwierig. Abgesehen von einem kleinen Schild findet man nämlich garkein Hotel. Im Hotel selbst gibt es auch keine Rezeption oder ähnliches, die Chefin aber ist gerade da und bereitet unser Zimmer vor. Sie bittet noch um dreißig Minuten Zeit und wir überbrücken die einfach ganz gekonnt in einem kleinen Restaurant, wo ich mich mit Pizza und belgischem Bier zufriedenstelle.

Zurück im Hotel erwartet uns in diesem uralten Häuschen ein kleines Zimmer mit einer geräumigen, begehbaren Dusche. Da kommt Freude auf, ich mache mich frisch und dann gönnen wir uns einen Mittagsschlaf. Am Abend gehen wir wieder nach draußen, trotz der miesen Prognosen ist das Wetter noch immer annehmbar, trocken und wir nutzen es für einen Spaziergang durch Rijeka, die Hafengegend und werden auch schon wieder viel zu schnell fündig in Sachen Futter. In einem kleinen Restaurant nahe des Hafens vertilgt Frau Doppel-E einen Sack voll Muscheln und mir genügt eine Portion Cevapcici samt einigen Wein. Der schmeckt zwar ziemlich scheußlich, steigt aber schnell zu Kopfe – offenbar bin ich aus der Übung.

häuschengucken

In Rijeka geht es für uns zuerst zum Zamet Center. Hier sind auf einer Gesamtfläche von rund 17.000 m2 eine Sporthalle, Büros und diverse Geschäfte untergebracht. Den Bau in das recht urbane Gefüge zu integrieren ist auch gelungen, die hinterlüftete Fassade ist von einem Gestein inspiriert, das typisch für die Region ist und der gesamte Bau ist rundum gefliest. Ist wunderschön anzusehen und leicht zu reinigen aber bei Nässe irgendwie ziemlich rutschig. Ist nun, vermutlich selbst für totale Architekturfreaks, nicht unbedingt eine Reise wert, aber wenn man schon mal hier ist lohnt ein kurzer Stopp.

Interessanter wird es dann unten an der Küste – dort wurde nämlich 1866 der erste Torpedo der Firma Luppis-Whitehead entwickelt und getestet. Die ursprüngliche Teststation steht zwar nicht mehr, aber eine neuere welche bis 1966 in Betrieb war. Vorbild für Torpedotstationen weltweit, man findet noch heute viele rund um den Globus und kann ihren Verfall beobachten. Mehr als 25.000 wurden hier gebaut bis die Produktion und auch die Tests schließlich eingestellt wurden. Seither steht die Abschussstation ungenutzt herum, gammelt vor sich hin und guckt ganz müde auf die Adria. Inzwischen ist die Anlage Kulturdenkmal und anscheinend gibt es Bemühungen das Areal zu restaurieren und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen, denn aktuell ist es eingezäunt und ich wage mich auch nicht so recht einen Fuß darauf zu setzen. Wirkt alles ein wenig zerbombt, halb eingestürzt und wenig intakt.

klingt logisch

Die Hochzeit habe ich gut überstanden, es war ganz zauberhaft gewesen und auch Zeit für etwas Arbeit habe ich gefunden. Nun täten wir aber noch furchtbar gerne Sonne tanken und angesichts der Wettervorhersagen wird das ein verdammt schwieriges Unterfangen. Ich habe nun einen Haufen Zeit damit verbracht mir die Prognosen für diverse Regionen im Umkreis von 1.000km anzusehen und komme zu dem Entschluss – überall ist mieses Wetter. Für gutes Wetter müsste ich tatsächlich sehr weit in den Süden oder am besten direkt nach Afrika. Das scheint mir dann nun aber doch zu weit und ich entscheide mich dann einfach für die Toskana.
Mein Dachzelt befindet sich noch immer im Winterschlaf und angesichts der Temperaturen soll das auch jetzt so bleiben. So komme ich schon zum nächsten Problem – alles ist ausgebucht oder wahnsinnig teuer. Ich finde kein vernünftiges Hotel und so drifte ich ein wenig ab. In Kroatien werde ich schließlich fündig. Ein günstiges Hotel inmitten in der Altstadt von Rijeka ist gebucht. Dort war ich noch nie gewesen und es schadet sicher nicht, sich dort mal umzusehen. Programm für Regenwetter habe ich auch direkt gefunden.

Gegen Mitternacht steigen wir in den Kadett und nun soll es direkt nach Rijeka gehen. Die Idee scheinen aber viele gehabt zu haben, die Autobahnen sind nämlich rammelvoll, auf der Tauernautobahn herrscht Blockabfertigung und den Sonnenaufgang verbringen wir noch in Österreich. Slowenien dann ist schnell durchquert und nach zehn Stunden Fahrt kommen wir schließlich in Rijeka an. Auf den ersten Blick ganz nett hier und ehe wir zu unserem Hotel fahren, möchte ich mir noch fix zwei Dinge etwas außerhalb der Stadt ansehen.

rumgedöst

Die letzten Tage habe ich es ruhig angehen lassen. Wir waren noch etwas unterwegs in Brandenburg, haben die KZ-Gedenkstätte in Sachsenhausen besucht und haben auch einen Tag in der Steintherme Bad Belzig verbracht. Entspannung kam also überhaupt nicht zu kurz.
In Berlin hatte ich dann noch einen ganz wichtigen Termin – die Whatabüsser sind nämlich gekommen und zusammen waren wir auf dem Konzert von Feine Sahne Fischfilet. Eine Wahnsinnsnacht, jede Menge Schweiß und Pogo ohne Ende. Der mitternächtliche Döner durfte natürlich nicht fehlen und den Tag danach habe ich wieder in Berlin verbracht um nun nach über einer Woche endlich weiterzuziehen.

Berlin ist halt so eine Sache – mir völlig unerklärlich wieso es so viele mögen. Wann immer ich in Berlin bin, bin ich heilfroh wenn ich wieder gehe. Abgesehen davon dass es eine Großstadt ist, ist die Stadt auch noch ziemlich hässlich, unglaublich dreckig und ein Sammelort für völlig Kaputte / Gescheiterte. Schön also, dass es nun wieder in Richtung Süden geht!
Zuerst machen wir noch Stopp bei Coca Cola, dort arbeitet nämlich Frau Doppel-E und wir laden kurzerhand den Kadetten voll mit Unmengen gesunder Getränke.
Dann geht es nochmal ein letztes Mal durch dieses Berlin und ab auf die Autobahn. Keine 20km später stehen wir im Stau, die Autobahn ist gesperrt und für drei Stunden geht nichts mehr. Ich hasse es hier. Als es dann weitergeht werde ich zu allem Übel noch geblitzt und nun dürfen die Däumchen gedrückt werden – ein Fahrverbot scheint mir ziemlich wahrscheinlich.
Kurz vor Mitternacht komme ich dann schließlich zu Hause an – nach 5.900km durch Österreich, Ungarn, Serbien, Rumänien, Ukraine, Polen & Deutschland werde ich nun Wäsche waschen, auf eine Hochzeit gehen und dann versuchen wir ganz schnell noch ein wenig Sonne im Süden abgreifen zu können.

jugendaufarbeitung

Neulich war ich ja in Königs Wusterhausen, eigentlich wollte ich aber nach Wusterhausen(Dosse). Das ist auch in Brandenburg und als kleiner Bub war ich schonmal hier gewesen. Auf einer Mutter-Kind-Kur und die Erinnerungen sind schon ganz schön verblasst. Online habe ich herausgefunden, dass die Klinik in der ich dort war nicht mehr existiert, die Gebäude rund zehn Jahre leer standen und sich in meiner ehemaligen Schule nun eine Kita befindet und die eigentliche Klinik nun zum Teil eine Flüchtlingsunterkunft ist. Nichts wie hin!
Angekommen schlendern wir ein wenig über das Grundstück und an manches kann ich mich tatsächlich noch erinnern. Schon erstaunlich. Verändert scheint sich auch nichts zu haben und der See auf dem ich Schlittschuhgelaufen bin ist auch noch da!

Auch an einen Ausflug damals kann ich mich noch gut erinnern, wir besuchten den Ritter Kahlbutz. Er starb 1702 im Alter von 52 Jahren und wurde dann in einer Patronatsgruft beigesetzt. Ein Verwesungsprozess hat nie stattgefunden und es fand eine natürliche Mumifizierung statt. Daraufhin schlief ich soweit ich mich erinnere ziemlich schlecht. Der Leichnam ist nämlich trotz seiner 300 Jahre in gutem Zustand, die Mumie kann in Kampehl besichtigt werden und es ist vielleicht nicht der ideale Anblick für einen Siebenjährigen.
Heute geht man davon aus, dass Kahlbutz an Tuberkulose starb und die Mumifizierung durch den luftdichten Sarg, sein Grab und die trockene Umgebung begünstigt wurde. Auch heute noch kann man ihn in der Dorfkirche von Kampehl besichtigen. Wie ich das aber nun im Osten gewohnt bin, hat die Kirche heute geschlossen. Ständig stehe ich im Osten vor verschlossenen Türen.
Stattdessen essen wir dafür ganz wunderbar in der nahegelegenen Ritterbutze, werden pappsatt und fahren dann wieder ein Stückchen zurück in Richtung Berlin.



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