dreiländereck

Nach einer angenehmen Nacht, den Schlaf der Gerechten und gemütlichen Zusammenpackens weiß ich nicht so recht wohin. Ich meine schon überall in der Bodenseeregion und dem Allgäu gewesen zu sein und so entscheide ich mich irgendwann für das Allgäu und zwei Städtchen, wo ich schon eine Menge Zeit verbracht habe. Nachdem wir in der Schweiz unsere Restfranken in Frühstück investiert haben, geht es ein Stück durch Österreich und direkt nach Wangen im Allgäu.

Wir parkieren den Kadetten und marschieren durch die Altstadt und täten noch einmal Essen gehen. Zufällig kommen wir an einem Italiener vorbei und stopfen uns hier mal wieder mit Pasta voll. Zur Verdauung legen wir uns in einen Park, spielen etwas Kniffel & Uno und lümmeln so herum, bis wir wieder ein Stückchen weiter fahren möchten. Nächster Halt: Isny im Allgäu.

Isny kennen die meisten – wie ich auch – als Kurort. Entsprechend viele Möglichkeiten Essen zu gehen lassen sich finden. Genau unser Ding. Wir spazieren einige Zeit durch Isny, gucken uns ausgiebig um und nehmen dann in einem Biergarten Platz. Nach all dem italienischem Essen ist es nun an der Zeit für deutsche Küche. Linsenspätzle, Saiten und Wurstsalat machen sich wunderbar auf den Tellern und wohlgenährt fahren wir am Abend in Richtung nach Hause. Nun sind es nur noch rund 150km und unsere kleine Erholungstour ist damit beendet.
1.700km kamen zusammen und es hat mir ausgesprochen gut gefallen mal überhaupt nichts zu tun. Abgesehen von Pavia haben wir uns nix angesehen, nix gemacht und auch nix vorgehabt. Entspannung in seiner Reinform. Außer auf dem Motorradtreffen haben wir stets auf Campingplätzen genächtigt und abgesehen von der toskanischen Küste war es stets ruhig, entspannend und erstaunlich einsam.

switzerland

Neulich ist mir nach reiflicher Überlegung aufgefallen, dass ich noch nie eine Nacht in der Schweiz verbracht habe. Bisher hat es nur für Tagesbesuch oder Transit gereicht. Wenn wir schon auf dem Heimweg sind und Zeit nicht wirklich eine Rolle spielt, fahren wir heute einfach von Pavia in die Schweiz und machen es uns hier nochmal gemütlich.
In Pavia steuern wir aber noch eben einen Supermarkt an und wie wir mit vollgepackten Einkaufswagen auf den Kadett zurollen, findet sich an diesem auch ein Carabinieri ein. Auf Italienisch redet er auf mich ein, zeigt ständig auf das Auto und ich verstehe nur Bahnhof. Von Englisch versteht er nichts und unverrichteter Dinge zieht er wieder von dannen. Während ich dann meine Einkäufe verstaue, kommt er erneut und das Spiel geht von vorne los. Verwirrung macht sich breit, ich schnappe mir einen Zettel und einen Stift und kritzle ein Fragezeichen darauf. Schnell wird klar, dass er wissen mag wie alt das Auto ist, wieviel Kilometer er gefahren hat usw. Plötzlich verschwindet er wieder und kommt erneut – mit einem Buch über die Geschichte „seiner“ Carabinieri , das er mir schließlich schenkt. Was ein netter Kerl!

Nun aber in die Schweiz – heute haben wir uns sogar rund 300km vorgenommen, erklimmen den San Bernadino und kommen am Nachmittag schließlich im Appenzellerland an. Ich habe uns einen netten Platz oben in den Bergen herausgesucht und freue mich schon darauf, dass es nachts wieder etwas abkühlt. Der Platz liegt etwas im Nirgendwo, verfügt neben unzähligen Dauerstellplätzen über eine große Wiese, auf der man Wildparken kann und dient nebenbei auch als Gasthof, Restaurant und Wellnesstempel. Preislich ist er sogar voll im Rahmen, was ich von den Preisen im Restaurant leider nicht sagen kann. Also kochen wir selbst und verzichten vorerst auf sämtliche Aktivitäten, glotzen lediglich in die Ferne, lesen etwas und bespaßen die Ziegen und Kühe nebenan.

lombardei

Nun ist Aufbruch angesagt und wir kämpfen uns rund 150km in Richtung Norden – dort habe ich uns einen Platz am Ticino ausgemacht und den steuern wir nun an. Auf dem recht leeren Platz angekommen schlagen wir direkt das Dachzelt auf und springen dann in den Pool. So lässt es sich wunderbar aushalten, aber ehe wir nur noch herumgammeln, steht nun die Stadterkundung auf dem Plan.

Entlang des Ticino gibt es einen Wanderweg – nach nur drei Kilometern durch die schwüle Hitze erreichen wir die Innenstadt von Pavia und glotzen zuerst auf die Ponte Coperto. Die gotische Brücke aus dem 14. Jahrhundert wurde im Weltkrieg zerstört und in den 50er Jahren wieder aufgebaut – allerdings ein paar Meter weiter östlich, sodass noch heute einige Überreste der alten Brücke zu sehen sind.

Nun geht es zur Basilika San Michele Maggiore. Das beinahe 1000 Jahre alte Sandsteingebäude ist innen wie außen unbedingt sehenswert und so passiert es sogar, dass ich mal wieder eine Kirche betrete. Jedoch sind die Fassaden mit ihren Zwerggalerien, trotz Bemühungen den Verfall zu stoppen, in relativ schlechtem Zustand. Üblicherweise waren solche Gebäude in dieser Region aus Ziegelsteinen erbaut – Sandstein ist sehr witterungsanfällig und das sieht man dem Bau auch an.

Nun taumeln wir noch etwas durch die Innenstadt, snacken ein Eis und bewundern noch weitere Kirchen. Und wo wir schon in einer Stadt sind, nutze ich die Gunst der Stunde und kaufe mir eine neue kurze Hose sowie einen neuen Männerbikini. War beides bitternötig und ist nun endlich abgehakt. Nach erfolgreicher Sightseeing und Shoppingtour macht sich Hunger breit und auf unserer mühsamen Suche stolpern wir über ein winziges Restaurant am Rande der Stadt. Das Essen schmeckt fantastisch, der Wein mundet und auch die Preise sind fair. Mit der Dunkelheit sind wir schließlich zurück am Dachzelt und gehen völlig kaputtgestochen zu Bett.

glamping

Nun haben wir alles zusammengepackt, sind frisch geduscht und pflanzen uns in den Kadetten. Weg von diesem furchtbaren Platz und ab in die Berge. An Genua vorbei geht es zur Grenze an das Piemont. Wir fahren eine Stunde durch die Berge, halten in Stella um die Vorräte aufzufüllen und gehen in Pontinvrea Essen – es schmeckt herrlich! Mitten im Nirgendwo nahe Squaneto finden wir dann schließlich den angepeilten Campingplatz und ich bin direkt verliebt. Große, wilde Stellplätze, superfreundliches Personal und ein Restaurant sowie ein Pool sind auch vorhanden. Zuerst springen wir in den Pool und gammeln dann den restlichen Tag in der Sonne herum.
Abends koche ich uns Pasta mit Tomatensauce und zaubere einen leckeren Tomatensalat, sodass wir wohl genährt ins Bett fallen können.

Am nächsten Tag hole ich uns Frühstück, wir knabbern ein wenig und machen uns dann auf für eine Wanderung durch die Umgebung. Die Wälder sind herrlich wild und schön, die Bäche voller Flusskrebse und anderem Getier. Ein paar Stunden später knallt dann auch schon die Sonne erbarmungslos vom Himmel und wir gehen zurück zum Platz. Dort liegt es sich so gut! Zwischendrin springen wir mal wieder in den Pool und mittags koche ich nochmal die Reste von gestern, sodass wir am Abend ins Restaurant können. Das Abendessen schmeckt fantastisch und die Entspannung kam nun wirklich nicht zu kurz. Die drei Tage haben sich ewig angefühlt, der Platz hat uns sehr gefallen – jedoch ist er mit 45,-€ die Nacht alles andere als günstig. Dafür gibt es aber eine Wohlfühlgarantie & das war es wert gewesen.

rummeldisco

Die erste Nacht hier in Marina di Massa war recht, öhm, gewöhnungsbedürftig. In Italien sind wohl schon Ferien und entsprechend laut geht es hier an der Küste zu. Kindergeschrei, Disco und allerlei Firlefanz bis spät in die Nacht. Wir schmieden schon erste Pläne schnell wieder zu verschwinden, entscheiden uns dennoch für einen Tag am Meer. Bewaffnet mit Sonnenschirm, Lesestoff und anderen Krimskrams laufen wir an den Strand, platzieren unsere Astralkörper in der Sonne und brutzeln so vor uns hin.
Auch ins Nass bewegen wir uns und liegen ansonsten den ganzen Tag nur so rum, bis wir rotgebrannt das Weite suchen. Zum Akklimatisieren verweilen wir etwas am Kadetten und laufen am Nachmittag dann los ins Städtchen.

Einige Kilometer später sind wir angekommen und halten direkt Ausschau nach etwas zu Essen. Nicht gerade günstig hier an der Küste und sowieso stark touristisch. Irgendwann finden wir ein nett dreinblickendes Restaurant und werden leider völlig enttäuscht. Die bestellten Gerichte lösen spontanen Kotzreiz aus und ich wundere mich dass die Bedienung sich nicht schämt.
Mit so was ähnlichem wie einem Sättigungsgefühl marschieren wir zurück, dem Sonnenuntergang entgegen und genießen das Treiben am Meer bis wir schließlich zurück an den Campingplatz sind. Hier erwerben wir eine Flasche Wein und verbringen den lautstarken Abend mit etwas Uno und dem lieblichen Saft.

Am Morgen steht nun aber fest – nichts wie weg hier. Meer hatten wir schließlich jetzt genug und im Hinterland ists ohnehin sehr viel schöner! Für einen ligurischen FFK-Platz konnte ich Frau J. nicht gewinnen, aber unweit davon habe ich einen wunderschönen Platz zwischen Piemont und Ligurien entdeckt – der wird nun angesteuert.

bella ciao

Vom Motorradtreffen abgereist geht es querfeldein nach Göppingen und dann mit einem Sprung auf die A8. Leider sind die Autobahnen hoffnungslos verstopft und wir kommen nur zäh voran. Es geht gemütlich an der Heimat vorbei, dann durch das Allgäu und wir streifen auch den Bodensee. In Österreich verweilen wir nur kurz und hopsen dann rüber in die Schweiz, kratzen an Liechtenstein herum und haben Italien vor der Nase.

In Italien läuft der Verkehr auch direkt besser, ganz ohne Stau kommen wir an Mailand vorbei und sehen uns ein paar Stunden später schon in der Toskana. Frau J. täte gern ans Meer – mir ist dabei nicht so wirklich wohl – aber ihr Wunsch sei mir Befehl. Am späten Abend kommen wir in Marina di Massa an und sämtliche Campingplätze an der Küste sind natürlich überfüllt, sodass wir eine Querstraße weiter einen Platz bekommen und ich mich freue nicht mehr fahren zu müssen. Zuerst bauen wir unsere Bleibe auf und streunern dann durch das Städtchen auf der Suche nach einem Restaurant. Schnell werden wir fündig, essen uns satt und gehen dann duschen und lesend falle ich in den Schlaf.

Das Wetter ist herrlich, Regen ist für nächste Zeit nicht angesagt und das Meer direkt vor der Haustüre. Ich glaube, jetzt können wir uns wirklich erholen, auch wenn der Campingplatz unfassbar mies ist. Aber das lässt sich ja problemlos ändern.



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